ROTTWEIL. Eine launige Generalversammlung mit der Wiederwahl von drei Vorstandsmitgliedern, allen voran Narrenmeister Christoph Bechtold erlebten die Mitglieder der Narrenzunft Rottweil im Kapuziner. Die Themen des Abends: auswärtige Narren in Eile, eine Kommerzialisierung der Fasnet und die Kosten für den Narrentag 2017, die sich auf bis zu 120.000 Euro belaufen können.

Von Markus Peiker

 Inbrünstig singen Vorstand und Ausschussmitglieder der Narrenzunft Rottweil den Narrenmarsch. Foto: mp
Inbrünstig singen Vorstand und Ausschussmitglieder der Narrenzunft Rottweil den Narrenmarsch. Foto: mp

Wurde im vergangenen Jahr noch heftig über die Sprungführung diskutiert, die sich dann schlussendlich doch bewährte, machen dem Narrenmeister die zahlreichen auswärtigen Narren, die regelmäßig am Rottweiler Narrensprung teilnehmen, Sorgen. „Viele Narren kommen aus Umlandgemeinden aus bis zu vierzig Kilometern Entfernung nach Rottweil. Dabei ist die Fasnet doch ein großes Heimatfest, das jeder in seinem Umfeld feiern sollte.“

Dabei will sich Bechtold nicht falsch verstanden wissen. „Wir wollen keine Narren-Aristokraten und arrogante Rottweiler sein. Gäste von überall her sind uns herzlich willkommen, aber eben nicht unbedingt als aktive Narren.“

So gelte es, nach Ansicht des Narrenmeisters, die Traditionen zu bewahren. „Mit der Rottweiler Fasnet muss man aufwachsen, das beginnt schon am Dreikönigstag mit dem ersten Narrenmarsch der Tagwachkapelle." Wenn er dann aber sehe, dass am Fasnetsmontagmorgen viele Autos in den angrenzenden Straßen parken, dass dort auf die Schnelle das Narrenkleid angezogen und nach dem Sprung sofort wieder auf umgekehrten Weg das Weite gesucht wird, "hat dies nach meinem Empfingen mit der Rottweiler Fasnetstradition recht wenig zu tun“, sagte der Narrenmeister.

Fehlende Identifikation mit der Fasnet in Rottweil, falsches Jucken beim Narrensprung oder anderes Fehlverhalten täten ein Übriges. Und Bechtold warnt vor etwas, was in der Vergangenheit schon zu beobachten war: “Wenn die Fasnet nur noch ein pures Event ist, bleiben alteingesessene Rottweiler den Narrensprüngen fern.“

Gut besucht: die Hauptversammlung. Foto: mp
Gut besucht: die Hauptversammlung. Foto: mp

Diese Ausführungen fanden auch von der überwiegenden Mehrheit der Besucher großen Beifall. Zudem würden viele Narren ohne gültige Narrenkarte "Stadt nab jucke", hieß es – "Obwohl immer mehr Narren an den Narrensprüngen dabei sind, wird dies aber in der Kasse der Zunft nicht ersichtlich", prangerte der Narrenmeister an. 

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Ein weiterer Punkt, den Bechtold kritisierte, ist die Kommerzialisierung bei der Herstellung der Narrenkleider. „Wenn man Narrenkleider praktisch wie Discountware von der Stange oder im Internet kaufen kann, läuft irgendetwas in falschen Bahnen", sagte Bechtold. Da werde die Herstellung der hochwertigen Kleidle nicht entsprechend gewürdigt. Zwar entsprächen diese „Billig-Kleidle“ den Normen der Narrenzunft bei der Abnahme, „aber es fehlt an der Kunst des Handwerks“, so Bechtold.

Nach Meinung des Narrenmeisters sehen auch zahlreiche „Billig-Anbieter“ der Rottweiler Narrenutensilien nur das reine Geschäft, sie wollten Geld verdienen. „Die Fasnet sollte nicht Mittel zum Zweck sein“, forderte deshalb Bechtold.

Änderungen bei der Kleidlesabnahme sollen diesen Problemen entgegen wirken. So sollen künftig Besitzer von Narrenkleidern, die von der Narrenzunft abgenommen werden, persönlich bei diesem Prozedere vor Ort sein und zudem dürfen Narrenkleider erst nach fünf Jahren auf einen neuen Besitzer umgeschrieben werden, bisher war dies schon nach einem Jahr möglich. „Wir hoffen, mit diesen Maßnahmen der Kommerzialisierung von Narrenkleidern entgegen wirken zu können“, so Bechtold. Derzeit hat die Narrenzunft Rottweil 8516 registrierte Narrenkleider. 

Nach dem gewohnt unterhaltsamen Rückblick von Zunftschreiber Frank Huber über das vergangene Jahr mit Schmotzigem, Narrensprüngen und diversen Sitzungen der Ausschüsse berichtete Zunftsäckelmeister Stefan Roth von einem guten Kassenbestand, der besonders auch einer großen Spendensumme von mehr als 10.000 Euro zu verdanken ist.

Die positive Kassenlage ist aber auch notwendig, will die Narrenzunft doch den kommenden „Narradag 2017“ ohne aufgenommenen Kredit vorfinanzieren. Und so haben die Hochrechnungen ergeben, dass sich die Kosten auf dieses Großereignis im kommenden Jahr auf bis zu 120.000 Euro belaufen können. Buspendelverkehr, drei geplante Ausstellungen, Sicherheitsdienste, Einsatz des DRK, sanitäre Anlagen, Musikkapellen und Anschaffung von Plaketten und Plakaten für den Narrentag verschlingen diese sechsstellige Summe.

Mittlerweile hat die Narrenzunft schon eine Internetseite unter www.narradag.de installiert, auf der erste Infos zum Narrentag zu erfahren und auch schon die Entwürfe der Plakate für den Narrentag zu sehen sind.

Im Hinblick auf den Narrentag soll es auch zahlreiche Besenwirtschaften geben. „Bei Interesse werden wir von der Zunft den Interessierten einer Besenwirtschaft mit Rat und Tat zur Seite stehen“, so Bechtold. Oberbürgermeister Ralf Broß, der die Entlastung der Vorstandschaft vornahm, ging auch noch kurz auf die Problematik von Besenwirtschaften für die aktuelle Fasnet 2016 ein. „Es geht um zwei Besenwirtschaften oberhalb des Schwarzen Tores. Wir werden hier schnellstmöglich ein Gespräch mit Anwohnern und Betreibern führen, damit wir für alle Beteiligten eine vernünftige Lösung hinbekommen.“

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Georg Hauser (zweiter Narrenmeister, links), Stefan Roth (Zunftsäckelmeister, Mitte) und Christoph Bechtold (erster Narrenmeister, rechts) wurden in ihren Ämtern für weitere vier Jahre wieder gewählt. Neu im Ausschuss sind Andreas Leichtle (Zweiter vo links) und Norbert Wölbl (Zweiter von rechts). Foto: mp
Georg Hauser (zweiter Narrenmeister, links), Stefan Roth (Zunftsäckelmeister, Mitte) und Christoph Bechtold (erster Narrenmeister, rechts) wurden in ihren Ämtern für weitere vier Jahre wieder gewählt. Neu im Ausschuss sind Andreas Leichtle (Zweiter vo links) und Norbert Wölbl (Zweiter von rechts). Foto: mp

Bei den Wahlen wurden der Narrenmeister Christoph Bechtold, sein Stellvertreter Georg Hauser und Zunftsäckelmeister Stefan Roth wiedergewählt. Aus dem Ausschuss scheidet Philipp Kleiter aus beruflichen und privaten Gründen aus. Neu in den Ausschuss wurden Norbert Wölbl und Andreas Leichtle, neben den bisherigen Ausschussmitgliedern Wolfgang Göhler, Claus Grimm, Marcus Heinze, Marius Kirsner, Axel Pfriender, Andreas Spitznagel, Daniel Weckenmann und Claus Wiest, gewählt.

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Eine konkrete Frage an den Narrenmeister sei gestellt. Was gedenkt die Zunft zu ändern? Da passiert doch wieder nichts, ausser das die nächste Sprungänderung in den nächsten Jahren bevorsteht. Und diese Verkürzung spielt den "Auswärtigen" ins die Hand. Aufsagen, Narrenbücher und Narrentreiben ist dort ein Fremdwort. Zum einen weil man nach dem Sprung hurtig in sein "Heimat" zurückgeht und zum anderen w, woher soll denn der Inhalt für das "Narrenspiel" herkommen wenn ich vielleicht von den 365 Tagen 10 Tage in Rottweil bin? Es ist traurig, dass die "Auswärtigen" nicht soviel stolz haben, dass Sie mit Stolz ihre Fasnet in ihrem Wohnort feiern. Überall spricht man von Integration und selber bringt man sich in der neuen Heimat so gut wie nicht ein, weil Fasnet gibt es ja nur in Rottweil! Im Grunde sind diese "Auswärtigen" zu bedauern, jedoch nicht zu aktzeptieren wenn durch ihr Gehabe unsere Fasnet Schaden nimmt. Ich erwarte, dass ausser markigen Sätze seitens der Narrenzunft jetzt endlich mal klare Kante gezeigt wird. Auswärtige dürfen gerne an unsere Fasnet teilhaben, jedoch nur (!) als Zuschauer. Im übrigen wir Narren benötigen auch gute Zuschauer ansonsten können wir das Schaulaufen – was es dann nur noch ist – abschaffen. Spart Geld, weil eine Musikkapelle benötigen wir dann auch nicht mehr.

  2. Es ist ja lobenswert wenn unser Narrenmeister nun mal das Problem beim Namen nennt. "Viele Narren kommen aus Umlandgemeinden aus bis zu vierzig Kilometern Entfernung nach Rottweil. Dabei ist die Fasnet doch ein großes Heimatfest, das jeder in seinem Umfeld feiern sollte." Dem kann nur entegengetreten werden wenn rigoros Narren aus Neufra, Villingendorf, Bösingen sogar bis Ravensburg etc. abgewiesen werden. Sei es indem man nocheinmal die Kleidle registriert und den "auswärtigen Narren" die Plakette entzieht und dem Kleid einen Status eines "ruhenden Kleidles" zuweist. Wenn der Besitzer dann nach Rottweil übersiedelt kann es dann ohne Probleme wieder aktiv geschaltet werden. Anders werden wir die ausufernden Zahlen an Narren nicht in den Griff bekommen. Dies ist höchts unpopulär und wird daher sicherlich von niemanden durchgeführt werden. Demnach dürfte die rede unseres Narrenmeisters – wie sagt man so schön – nichts als heiße Luft gewesen sein.

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