ROTTWEIL – Die Bade­ner sind die glück­lichs­ten Men­schen Deutsch­lands, das sagen die Sta­tis­ti­ker. Rott­weil ist zwar eher schwä­bisch, gehört aber ver­wal­tungs­tech­nisch zu Baden, und hier ist man der­zeit ganz beson­ders glück­lich. Denn nach­dem man im Som­mer 2015 den Spa­ten­stich für die neue Syn­ago­ge fei­er­te, die jetzt im Roh­bau bei­na­he fer­tig ist, gab es nun auch noch einen Grundstein.

Der kommt direkt aus Jeru­sa­lem, wur­de bei Gra­bungs­ar­bei­ten auf dem Tem­pel­berg gefun­den, am Stand­ort des eins­ti­gen Tem­pels. Und ziert nun die Wand des Syn­ago­gen­baus. Ein Grund zum Fei­ern, und das taten vie­le: ziem­lich eng war es bei der fei­er­li­chen Grund­stein­le­gung am Sonn­tag. Ober­rats-Vor­sit­zen­der Rami Suli­man hat­te den Stein orga­ni­siert, er ver­sprach allen ande­ren Syn­ago­gen in Baden einen solchen.

„Das ist ein Freu­den­tag“, beton­te er vor den zahl­rei­chen Gäs­ten, dar­un­ter auch Bar­ba­ra Traub, Mit­glied im Prä­si­di­um des Zen­tral­rats der Juden und Mark Dai­now, des­sen Vize­prä­si­dent. Und neben vie­len Gemein­de­mit­glie­dern auch Ver­tre­ter der Rott­wei­ler Kir­chen und des Gemein­de­rats. Beson­ders freue er sich dar­über, dass der Bau so schnell vor­an­ge­gan­gen ist, „das erfüllt mich und alle jüdi­schen Men­schen mit Stolz und Dankbarkeit!“

Rott­weil sei inzwi­schen zur Hei­mat der Gemein­de gewor­den, und „wer ein Haus baut, der will auch blei­ben!“ Man stre­cke allen die Hand zum Zei­chen der Freund­schaft ent­ge­gen. Der Grund­stein, der so ein­ge­baut wur­de, dass er von jedem berührt wer­den kann, stel­le die Ver­bin­dung zu Isra­el her. Denn die­se sei sehr wich­tig, damit habe man in Zei­ten der Not eine Zuflucht. „Hät­te es das vor 80 Jah­ren gege­ben, hät­te es die Shoa nicht gegeben!“

Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß zeig­te sich „froh und glück­lich“ dar­über, dass die­se Zere­mo­nie abge­hal­ten wer­den kön­ne. „Wir haben in Rott­weil immer an die jüdi­sche Kul­tur erin­nert“, an das Unrecht, die Ver­trei­bung, die Ver­nich­tung der jüdi­schen Mit­bür­ger. Mit dem Bau der Syn­ago­ge mit­ten in der Stadt, mit­ten in der Gegen­wart, knüp­fe man sicht­bar an die Ver­gan­gen­heit an. „Wir freu­en uns mit Ihnen über die­se Grundsteinlegung!“

Der Obe­re Neckar sei jahr­hun­der­te­lang Hei­mat jüdi­scher Men­schen gewe­sen, beton­te Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel, und lan­ge Jah­re nach der Shoa habe nie­mand dar­an gedacht, dass eines Tages wie­der jüdi­sches Leben in Rott­weil ent­ste­he, doch dann sei­en vor 20 Jah­ren die Ers­ten aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on gekom­men, und nun dür­fe man sich über den Neu­bau freuen.

„Ich bin sicher, dass das hier ein Bau des Frie­dens sein wird!“ Das beton­te auch Lan­des­rab­bi­ner Mos­he Flo­men­man. Klein sei die Rott­wei­ler Gemein­de, doch auch ein klei­ner Stein kön­ne gro­ße Bedeu­tung haben, nicht immer kom­me es auf die Quan­ti­tät an. Die neue Syn­ago­ge sol­le ein Ort des Frie­dens, des Dia­logs zwi­schen den Reli­gio­nen wer­den, ver­sprach er mit einem hebräi­schen Segensspruch.

Die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin Gabrie­le Wald­baur hat­te gleich einen dicken Umschlag mit­ge­bracht. Als vor zwei Wochen die Maria von der Augen­wen­de vom Rott­wei­ler Müns­ter in die evan­ge­li­sche Pre­di­ger­kir­che, ihren ursprüng­li­chen Stand­ort, umge­zo­gen war, habe man die­ses öku­me­ni­sche Ereig­nis genutzt und Geld gesam­melt. Öku­me­ne bedeu­te näm­lich nicht nur Dia­log zwi­schen den christ­li­chen Kir­chen, son­dern das Gespräch der Reli­gio­nen miteinander.

Tau­send Euro hat­te sie mit­ge­bracht, die dan­kend ange­nom­men wur­den, immer­hin muss die hie­si­ge Gemein­de mit dem Neu­bau eini­ges schul­tern. Ganz über­wäl­tigt war Tat­ja­na Mal­afy, lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de der israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de, von der gro­ßen Gäs­te­schar, die dann den Stein gemein­sam mit Rami Suli­man an der Wand anbrach­te. Grund zum Fei­ern, und daher gab´s dafür nicht nur Bei­fall, son­dern gleich noch Gesang: Masel Tov – Viel Glück.