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Mittwoch, 11. Dezember 2019
Start News „Rott­wei­ler Läde­le“ am Fried­richs­platz eröff­net mit Autoren­le­sung

„Rottweiler Lädele“ am Friedrichsplatz eröffnet mit Autorenlesung

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ROTTWEIL – Viel gemein­sam haben Elmar Schnit­zer, Best­sel­ler­au­tor aus Ham­burg,  und Sven Kel­ler, Laden­be­sit­zer aus Rott­weil, auf den ers­ten flüch­ti­gen Blick nicht. Doch die bei­den tei­len eine gro­ße Lei­den­schaft: ihr Herz schlägt für den Rott­wei­ler. 

Zwei gan­ze Bücher hat Schnit­zer damit gefüllt, wie sehr sei­ne  Rott­wei­ler Paul und Kal­le sein Leben berei­chert haben, wie sich sei­ne Per­spek­ti­ven und Prio­ri­tä­ten durch sie ver­än­der­ten. Erfah­run­gen, die Sven Kel­ler teilt, der sei­ne Hun­de­be­geis­te­rung jetzt mit­hil­fe von Mar­kus Lied­gens eben­falls zum Beruf gemacht hat. Zur Eröff­nung sei­nes „Rott­wei­ler Läde­le“ am Fried­richs­platz hat er Schnit­zer ein­ge­la­den, der für den Abend aus dem hohen Nor­den ange­reist kam. Auch Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß schau­te vor­bei.  

„Herr Kel­ler hat­te mich schon vor einer gan­zen Wei­le kon­tak­tiert und gefragt, ob ich bei sei­ner Lade­n­er­öff­nung lesen wür­de“, sag­te Elmar Schnit­zer. Die wei­te Rei­se nach Rott­weil unter­nahm er nicht zum ers­ten Mal: vor vier Jah­ren, so berich­te­te er den Gäs­ten, „schnüf­fel­te ich im Auf­trag der Hun­de­zeit­schrift Dogs hin­ter Kal­les Ahnen her“. Im Domi­ni­ka­ner­mu­se­um fand er den „Adam der Rott­wei­ler“: auf einem Mosa­ik, das einst Fuß­bo­den einer römi­schen Vil­la war und 1834 in einem Acker gefun­den wur­de. Älter als die Fas­net sei die Ras­se damit: „Das muss man erst­mal hin­krie­gen, als Hund in Rott­weil, oder?“ 

Aber Elmar Schnit­zer war nicht gekom­men, um die Geschich­te der Ras­se Rott­wei­ler auf­zu­be­rei­ten. Was er zu sagen hat­te, ging tie­fer: es war der Ver­such, ein Gefühl in Wor­te zu fas­sen und zu erklä­ren, was einen Men­schen an einem Hund, nament­lich dem Rott­wei­ler, begeis­tert. Und als ehe­ma­li­ges Mit­glied der Chef­re­dak­tio­nen über­re­gio­na­ler Zei­tun­gen wie Bild, Welt am Sonn­tag oder BZ, weiß Schnit­zer, wie er sei­ne Wor­te wäh­len muss, um die Zuhö­rer zu errei­chen. „Rott­wei­ler sind nicht böse und nicht heim­tü­ckisch, nicht hab­gie­rig und nicht nei­disch. Ego­is­mus und Falsch­heit sind ihnen fremd“, sag­te er, „sie ver­gel­ten Lie­be mit Lie­be, aber nie­mals Hass mit Hass.“ 

Und so wur­de sei­ne Rede, die die bei­den Best­sel­ler „Ein Glücks­fall für Paul“ und „Kal­le für alle“ zusam­men­fass­te, nicht nur eine Lie­bes­er­klä­rung an die Ras­se Rott­wei­ler, son­dern auch auch ein bis­wei­len phi­lo­so­phi­scher Blick auf den Men­schen selbst, dem die Hun­de einen Spie­gel vor­hal­ten. Kal­le fand Schnit­zer ver­ängs­tigt und halb ver­hun­gert über eine EBay-Anzei­ge, Paul aus­ge­setzt und miss­han­delt im Tier­heim. „Als Indi­vi­du­um hat man kei­ne Macht, man ist der Macht der ande­ren aus­ge­lie­fert“, stell­te Schnit­zer fest und zitier­te in Fol­ge Kant („Wir Men­schen sind aus krum­mem Holz gemacht“), Faulk­ner und Bewusst­seins­for­scher Chris­tof Koch. 

Die Ras­se Rott­wei­ler, so vor­ur­teils­be­las­tet, ver­die­ne „Ach­tung und Zuspruch, nicht Ableh­nung und Abnei­gung“. Eine Auf­fas­sung, die Sven Kel­ler teilt. Sein Laden ist gleich­zei­tig ein Info-Point des All­ge­mei­nen Deut­schen Rott­wei­ler Klubs (ADRK), wo sich Inter­es­sier­te jeder­zeit über die Ras­se infor­mie­ren kön­nen – und viel­leicht vom Geg­ner zum Rot­t­wei­­ler-Freund wer­den. 

Auch OB Ralf Broß (rechts) schau­te bei der Eröff­nung von Sven Kel­lers (Mit­te, wei­ßes Hemd) Läde­le vor­bei, den er mit­hil­fe von Mar­kus Lied­gens (3. v.l.) ver­wirk­licht hat. Foto: Kasen­ba­cher Foto­gra­fie

 

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