Rottweiler Stadtfest: Haben die Gemeinderäte heute Spendierhosen an?

Kulturamt will Budget deutlich steigern / Mehr Geld für Künstler, Organisation und Technik sowie für Werbung geplant / Gemeinderat soll heute entscheiden

Die Stadtfest-Organisatorin und Kulturamtsmitarbeiterin Eva Moosmann möchte draufsatteln. Sie will für das Rottweiler Stadtfest 2017 und die im Zweijahres-Rhythmus dann folgenden mehr Geld. Deutlich mehr. Die bisherigen waren nämlich schon deutlich teurer als geplant, Moosmann folgt eigentlich nur den Gegebenheiten. Aber: Ob sie das durchbekommt? Das wird sich heute zeigen.

Das Programm des Rottweiler Stadtfests 2015. Quelle: Stadt Rottweil
Das Programm des Rottweiler Stadtfests 2015. Quelle: Stadt Rottweil

27.000 Euro sollte das Rottweiler Stadtfest 2013 und 2015 die Stadt selbst jeweils kosten. Soviel Geld war im städtischen Haushalt dafür drin. Ein Budget, das nicht eingehalten werden konnte. Tatsächlich sind Kosten in Höhe von knapp 60.000 und gut 66.000 entstanden. Bezahlt wurde das aus dem Budget des Amtes Hallen und Sport, das Eva Moosmann leitet. Also aus ihrer Kasse. „Dies kann aber keine Dauerlösung sein“, gibt sie sich nun selbstbewusst.

Moosmann wünscht sich gleich ein höheres Stadtfestbudget, will 48.000 Euro ab 2017 haben. Zugleich rechnet sie mit Einnahmen aus Sponsoring und Standmieten von 27.000 Euro, was ein Gesamtbudget von 75.000 Euro bedeutete. Der Gemeinderat wird heute darüber beraten, es ist ein entsprechender Beschluss geplant. Zum Vergleich: Das Budget der Langen Schwenninger Kulturnacht, die jährlich vom städtischen Kulturamt koordiniert wird, beträgt 100.000 Euro.

Die gute Nachricht zunächst: Moosmann will die Standmieten nicht erhöhen. Sie erklärt: „Die Möglichkeit, die Standmieten von 300 Euro (kleine Stände) beziehungsweise 425 Euro (große Stände) anzuheben, wäre allein vom Zeitpunkt der letzten Erhöhung 1993 sicherlich gerechtfertigt, würde aber im Ergebnis womöglich weniger Vereinsbeteiligung bedeuten und damit in die falsche Richtung führen. Daher wird vorgeschlagen, von einer Erhöhung der Standgebühren abzusehen.“ Moosmann setzt hier die bisherigen 11.000 Euro unverändert an.

Das Geld soll von Sponsoren kommen. 500 Euro standen bis 2011 an dieser Stelle im Plan, Moosmann hat die Sponsoreneinnahmen  seitdem auf satte 11.000 Euro (Stadtfest 2015) erhöhen können. „Bis 2013 gab es lediglich geringe Sponsoringeinnahmen. Daher wurde eine Sponsorenmappe gestaltet und ein Konzept erarbeitet“, erklärt Moosmann. Sponsoren können zwischen verschiedenen Paketen auswählen, die unterschiedliche Leistungen beinhalten. Beispielsweise wird im großen Sponsorenpaket eine Bühne nach dem jeweiligen Sponsor benannt. 2015 waren ThyssenKrupp und die Kreissparkasse Rottweil beim Stadtfest als Premiumpartner engagiert. Moosmann: „Bei der Akquise von Sponsoren musste ganz neu begonnen werden. Dies soll noch weiter ausgebaut werden.“

So kam es 2015 zur ThyssenKrupp- und zur Sparkassenbühne, beispielsweise, sie waren weithin als gesponsert erkennbar und im Programm entsprechend ausgewiesen. Außerdem gab es Rottweiler Unternehmen, die ihr Stadtfest unterstützt haben – der B2-Biomarkt, das Garni-Hotel Sailer, Elektro-Radio Wiest, die ENRW mit dem Aquasol, Edeka-Culinara, Power4Events von Rainer Aulich, Ralf Graner Photodesign, Fahrrad Meßmer und Rolladen Günthner.

Und außerdem soll eine Tombola Einnahmen von satten 5000 Euro bringen. Stadtfest-Chefin Moosmann, die den Job von Ruheständler Peter Müller übernommen hat, hat auch eine mittlere Variante durchgerechnet, die Sponsoreneinnahmen von 8000 Euro und den städtischen Zuschuss bei 37.000 Euro sieht. Warum beide Posten zurückgefahren werden, wird aus den Unterlagen, die dem Gemeinderat heute vorgelegt werden sollen, nicht ersichtlich. Manche Räte werden argumentieren, dass man den örtlichen Unternehmen durchaus Sponsorengelder zumuten könne.

Das soll mit dem Geld geschehen: Moosmann will das Stadtfest Rottweil konzeptionell weiter entwickeln, wie sie erklärt. Dieser Punkt unterstehe der organisatorischen Verantwortung der Stadtverwaltung. „Um es auch weiterhin, insbesondere bei den Veranstaltungen, attraktiv zu halten“, so Moosmann, „wurde das bestehende Konzept auf Anregung der Vereine im Jahr 2013 weiterentwickelt. Für die Vereine, die sich am Stadtfest beteiligen, war dieser Schritt unumgänglich.“

Tatsächlich hat die Kulturamtsmitarbeiterin schon mit der Weiterentwicklung begonnen, hat 2015 gegenüber 2013 schon mehr Geld ausgegeben. Jetzt will sie es sich sozusagen vom Gemeinderat freigeben lassen, um auch künftig wie zuletzt und sogar noch etwas größer planen zu können. Sie setzt darauf, dass die große Veränderung von 2013 auf 2015 – mehr Bühnen und mehr sowie bekanntere (aber etwas teurere) Bands, umfangreichere Öffentlichkeitsarbeit, umfassenderes Marketing, zwei neue Toilettenwagen, ein Stadtfestbus für Pendler.

Das Feedback falle sehr positiv aus. Auf die Frage, was am Stadt 2015 den Besuchern positiv aufgefallen sei, listet Moosmann auf: „Band am Samstag auf dem Münsterplatz („The SoulMachine“)“; „Das Programm war super und gut auf die drei Bühnen verteilt. Die Standinfos, welche verteilt wurden, waren auch super. Alles super organisiert – Lob!“; „Es kommen immer mehr Besucher aus dem Umland. Das ist eine tolle Entwicklung.“; „Sehr gut organisiert. Alle sind sehr hilfsbereit.“ „Sehr friedliche Stimmung. Vor allem auch über dem Schwarzen Tor.“

Genau so positive Rückmeldungen erhofft sich Moosmann nun vom Gemeinderat. Und entsprechende Spendierhosen.

Die Stadtfestchefin schreibt:

Zusammenfassend war diese konzeptionelle Weiterentwicklung nötig, um den sinkenden Vereinsteilnehmerzahlen entgegenzuwirken. Denn die Rottweiler Vereine sind für die Struktur des Stadtfestes, sei es bei den Ständen oder beim Programm, unerlässlich.

Und:

Das letzte Stadtfest hat gezeigt, dass die Neuerungen sehr gut funktionieren und angenommen wurden. Die Resonanz der Vereine war durchweg sehr positiv. Daher sollte das Stadtfest in dieser Form weitergeführt werden.

Mehr Toiletten: konzeptionelle Veränderungen zwischen 2011 und 2015. Quelle: Stadt Rottweil
Mehr Toiletten: konzeptionelle Veränderungen zwischen 2011 und 2015. Quelle: Stadt Rottweil

Besonders will die Kulturamtsmitarbeiterin zwei Dinge angehen: die Toilettensituation und die Lautstärke vor allem oberhalb des Schwarzen Tores. Immer wieder sei das Problem von fehlenden Toiletten angesprochen worden, so Moosmann. Daher seien 2013 zwei neue Toilettenwagen aufgestellt worden, um die verschiedenen Bereiche des Stadtfestes besser abzudecken. Dies wurde auch 2015 so weitergeführt und habe zur deutlichen Abmilderung der Problematik geführt.

Oberhalb des Schwarzen Tores liege seit Jahren der Schwerpunkt auf jüngerer Klientel, so Moosmann weiter. Da es dort bis 2013 keine Bühne gegeben hatte, hätten sich die Regelung der Musiklautstärke und die Überlagerung verschiedener Anlagen als sehr schwierig gestaltet – da hat der eine den anderen zu übertönen versucht, heißt das im Klartext. „Die angespannte Situation mit den Anwohnern in diesem Bereich ist außerdem ein ausschlaggebender Punkt für eine dritte Bühne, anstelle einer Vielzahl kleiner Musikanlagen an den Ständen, gewesen“, argumentiert Moosmann. So sei eine faire Verteilung des Programms und eine Kontrolle der Musiklautstärke gewährleistet worden. Seit 2015 gibt es dort keinen DJ mehr. Es spielt bis Musikende (0.30 Uhr) eine Band. „Diese“, so die Stadtfestchefin, „wird von allen Beteiligten als wesentlich angenehmer wahrgenommen.“

Das Programm des Rottweiler Stadtfests 1988. Quelle: Stadt Rottweil
Das Programm des Rottweiler Stadtfests 1988. Quelle: Stadt Rottweil

Rückblick: Wie alles begann

„Fest ohne Grenzen – ein Experiment ist gelungen“, „Stadtfest: Es fließt das Bier, die Fahnen flattern“, oder „Ein großes Fest der Bürger“, waren Titelüberschriften der Tageszeitung von 1974. Damals wurde eine besondere Tradition in Rottweil begründet: Mit der Aktion „Künstler machen Fahnen für Rottweil“ fand mit großem Erfolg das erste Rottweiler Stadtfest statt. Die vergangenen Intensionen dafür sind heute so aktuell wie damals. Das Stadtfest ist gelebte Tradition, zu welchem Menschen aller Generationen und Herkunft, Rottweil und seine Vereine, ehrenamtliches Arbeiten und ein großes Miteinander, unterschiedlichste Kulturen, Tradition und Innovation sowie die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger gehören. Die strukturelle Gestaltung des Stadtfestes ist einzigartig und wurde über die vielen Jahre so beibehalten. Der Fokus liegt auf den ansässigen Vereinen, die das Stadtfest in großer Zahl entscheidend mitgeprägt haben. Vor allem die Verbindung verschiedener Kulturen und Generationen mit dem Ehrenamt machen das Rottweiler Stadtfest zu etwas besonderem. Es ist absolut wünschenswert, eine solche Veranstaltung dauerhaft weiterzuführen. Hierzu gehören unweigerlich auch die Weiterentwicklung auf konzeptioneller Ebene und die ständige Anpassung bzw. Überprüfung an neue Gegebenheiten. Eine prägnante Veränderung erfuhr das Stadtfest 2003, als der jährliche Rhythmus auf einen zweijährigen Rhythmus geändert wurde. 2017 wird das Stadtfest zum 35. Mal ausgerichtet. Quelle: Stadtverwaltung Rottweil

 

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