Wandel: die Rottweiler Stadtfest-Broschüre 2005, 2011, 2013 und 2015. Quelle: Stadt Rottweil

Die Stadt­fest-Orga­ni­sa­to­rin und Kul­tur­amts­mit­ar­bei­te­rin Eva Moos­mann möch­te drauf­sat­teln. Sie will für das Rott­wei­ler Stadt­fest 2017 und die im Zwei­jah­res-Rhyth­mus dann fol­gen­den mehr Geld. Deut­lich mehr. Die bis­he­ri­gen waren näm­lich schon deut­lich teu­rer als geplant, Moos­mann folgt eigent­lich nur den Gege­ben­hei­ten. Aber: Ob sie das durch­be­kommt? Das wird sich heu­te zei­gen.

Das Programm des Rottweiler Stadtfests 2015. Quelle: Stadt Rottweil
Das Pro­gramm des Rott­wei­ler Stadt­fests 2015. Quel­le: Stadt Rott­weil

27.000 Euro soll­te das Rott­wei­ler Stadt­fest 2013 und 2015 die Stadt selbst jeweils kos­ten. Soviel Geld war im städ­ti­schen Haus­halt dafür drin. Ein Bud­get, das nicht ein­ge­hal­ten wer­den konn­te. Tat­säch­lich sind Kos­ten in Höhe von knapp 60.000 und gut 66.000 ent­stan­den. Bezahlt wur­de das aus dem Bud­get des Amtes Hal­len und Sport, das Eva Moos­mann lei­tet. Also aus ihrer Kas­se. „Dies kann aber kei­ne Dau­er­lö­sung sein”, gibt sie sich nun selbst­be­wusst.

Moos­mann wünscht sich gleich ein höhe­res Stadt­fest­bud­get, will 48.000 Euro ab 2017 haben. Zugleich rech­net sie mit Ein­nah­men aus Spon­so­ring und Stand­mie­ten von 27.000 Euro, was ein Gesamt­bud­get von 75.000 Euro bedeu­te­te. Der Gemein­de­rat wird heu­te dar­über bera­ten, es ist ein ent­spre­chen­der Beschluss geplant. Zum Ver­gleich: Das Bud­get der Lan­gen Schwen­nin­ger Kul­tur­nacht, die jähr­lich vom städ­ti­schen Kul­tur­amt koor­di­niert wird, beträgt 100.000 Euro.

Die gute Nach­richt zunächst: Moos­mann will die Stand­mie­ten nicht erhö­hen. Sie erklärt: „Die Mög­lich­keit, die Stand­mie­ten von 300 Euro (klei­ne Stän­de) bezie­hungs­wei­se 425 Euro (gro­ße Stän­de) anzu­he­ben, wäre allein vom Zeit­punkt der letz­ten Erhö­hung 1993 sicher­lich gerecht­fer­tigt, wür­de aber im Ergeb­nis womög­lich weni­ger Ver­eins­be­tei­li­gung bedeu­ten und damit in die fal­sche Rich­tung füh­ren. Daher wird vor­ge­schla­gen, von einer Erhö­hung der Stand­ge­büh­ren abzu­se­hen.” Moos­mann setzt hier die bis­he­ri­gen 11.000 Euro unver­än­dert an.

Das Geld soll von Spon­so­ren kom­men. 500 Euro stan­den bis 2011 an die­ser Stel­le im Plan, Moos­mann hat die Spon­so­ren­ein­nah­men  seit­dem auf sat­te 11.000 Euro (Stadt­fest 2015) erhö­hen kön­nen. „Bis 2013 gab es ledig­lich gerin­ge Spon­so­ring­e­in­nah­men. Daher wur­de eine Spon­so­ren­map­pe gestal­tet und ein Kon­zept erar­bei­tet“, erklärt Moos­mann. Spon­so­ren kön­nen zwi­schen ver­schie­de­nen Pake­ten aus­wäh­len, die unter­schied­li­che Leis­tun­gen beinhal­ten. Bei­spiels­wei­se wird im gro­ßen Spon­so­ren­pa­ket eine Büh­ne nach dem jewei­li­gen Spon­sor benannt. 2015 waren thyssenkrupp und die Kreis­spar­kas­se Rott­weil beim Stadt­fest als Pre­mi­um­part­ner enga­giert. Moos­mann: „Bei der Akqui­se von Spon­so­ren muss­te ganz neu begon­nen wer­den. Dies soll noch wei­ter aus­ge­baut wer­den.”

So kam es 2015 zur thyssenkrupp- und zur Spar­kas­sen­büh­ne, bei­spiels­wei­se, sie waren weit­hin als gespon­sert erkenn­bar und im Pro­gramm ent­spre­chend aus­ge­wie­sen. Außer­dem gab es Rott­wei­ler Unter­neh­men, die ihr Stadt­fest unter­stützt haben – der B2-Bio­markt, das Gar­ni-Hotel Sai­ler, Elek­tro-Radio Wiest, die ENRW mit dem Aqua­sol, Ede­ka-Culi­na­ra, Power4Events von Rai­ner Aulich, Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign, Fahr­rad Meß­mer und Rol­la­den Günth­ner.

Und außer­dem soll eine Tom­bo­la Ein­nah­men von sat­ten 5000 Euro brin­gen. Stadt­fest-Che­fin Moos­mann, die den Job von Ruhe­ständ­ler Peter Mül­ler über­nom­men hat, hat auch eine mitt­le­re Vari­an­te durch­ge­rech­net, die Spon­so­ren­ein­nah­men von 8000 Euro und den städ­ti­schen Zuschuss bei 37.000 Euro sieht. War­um bei­de Pos­ten zurück­ge­fah­ren wer­den, wird aus den Unter­la­gen, die dem Gemein­de­rat heu­te vor­ge­legt wer­den sol­len, nicht ersicht­lich. Man­che Räte wer­den argu­men­tie­ren, dass man den ört­li­chen Unter­neh­men durch­aus Spon­so­ren­gel­der zumu­ten kön­ne.

Das soll mit dem Geld gesche­hen: Moos­mann will das Stadt­fest Rott­weil kon­zep­tio­nell wei­ter ent­wi­ckeln, wie sie erklärt. Die­ser Punkt unter­ste­he der orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung der Stadt­ver­wal­tung. „Um es auch wei­ter­hin, ins­be­son­de­re bei den Ver­an­stal­tun­gen, attrak­tiv zu hal­ten”, so Moos­mann, „wur­de das bestehen­de Kon­zept auf Anre­gung der Ver­ei­ne im Jahr 2013 wei­ter­ent­wi­ckelt. Für die Ver­ei­ne, die sich am Stadt­fest betei­li­gen, war die­ser Schritt unum­gäng­lich.”

Tat­säch­lich hat die Kul­tur­amts­mit­ar­bei­te­rin schon mit der Wei­ter­ent­wick­lung begon­nen, hat 2015 gegen­über 2013 schon mehr Geld aus­ge­ge­ben. Jetzt will sie es sich sozu­sa­gen vom Gemein­de­rat frei­ge­ben las­sen, um auch künf­tig wie zuletzt und sogar noch etwas grö­ßer pla­nen zu kön­nen. Sie setzt dar­auf, dass die gro­ße Ver­än­de­rung von 2013 auf 2015 – mehr Büh­nen und mehr sowie bekann­te­re (aber etwas teu­re­re) Bands, umfang­rei­che­re Öffent­lich­keits­ar­beit, umfas­sen­de­res Mar­ke­ting, zwei neue Toi­let­ten­wa­gen, ein Stadt­fest­bus für Pend­ler.

Das Feed­back fal­le sehr posi­tiv aus. Auf die Fra­ge, was am Stadt 2015 den Besu­chern posi­tiv auf­ge­fal­len sei, lis­tet Moos­mann auf: „Band am Sams­tag auf dem Müns­ter­platz („The Soul­Ma­chi­ne”)“; „Das Pro­gramm war super und gut auf die drei Büh­nen ver­teilt. Die Stand­in­fos, wel­che ver­teilt wur­den, waren auch super. Alles super orga­ni­siert – Lob!“; „Es kom­men immer mehr Besu­cher aus dem Umland. Das ist eine tol­le Ent­wick­lung.“; „Sehr gut orga­ni­siert. Alle sind sehr hilfs­be­reit.“ „Sehr fried­li­che Stim­mung. Vor allem auch über dem Schwar­zen Tor.“

Genau so posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen erhofft sich Moos­mann nun vom Gemein­de­rat. Und ent­spre­chen­de Spen­dier­ho­sen.

Die Stadt­fest­che­fin schreibt:

Zusam­men­fas­send war die­se kon­zep­tio­nel­le Wei­ter­ent­wick­lung nötig, um den sin­ken­den Ver­eins­teil­neh­mer­zah­len ent­ge­gen­zu­wir­ken. Denn die Rott­wei­ler Ver­ei­ne sind für die Struk­tur des Stadt­fes­tes, sei es bei den Stän­den oder beim Pro­gramm, uner­läss­lich.

Und:

Das letz­te Stadt­fest hat gezeigt, dass die Neue­run­gen sehr gut funk­tio­nie­ren und ange­nom­men wur­den. Die Reso­nanz der Ver­ei­ne war durch­weg sehr posi­tiv. Daher soll­te das Stadt­fest in die­ser Form wei­ter­ge­führt wer­den.

Mehr Toiletten: konzeptionelle Veränderungen zwischen 2011 und 2015. Quelle: Stadt Rottweil
Mehr Toi­let­ten: kon­zep­tio­nel­le Ver­än­de­run­gen zwi­schen 2011 und 2015. Quel­le: Stadt Rott­weil

Beson­ders will die Kul­tur­amts­mit­ar­bei­te­rin zwei Din­ge ange­hen: die Toi­let­ten­si­tua­ti­on und die Laut­stär­ke vor allem ober­halb des Schwar­zen Tores. Immer wie­der sei das Pro­blem von feh­len­den Toi­let­ten ange­spro­chen wor­den, so Moos­mann. Daher sei­en 2013 zwei neue Toi­let­ten­wa­gen auf­ge­stellt wor­den, um die ver­schie­de­nen Berei­che des Stadt­fes­tes bes­ser abzu­de­cken. Dies wur­de auch 2015 so wei­ter­ge­führt und habe zur deut­li­chen Abmil­de­rung der Pro­ble­ma­tik geführt.

Ober­halb des Schwar­zen Tores lie­ge seit Jah­ren der Schwer­punkt auf jün­ge­rer Kli­en­tel, so Moos­mann wei­ter. Da es dort bis 2013 kei­ne Büh­ne gege­ben hat­te, hät­ten sich die Rege­lung der Musik­laut­stär­ke und die Über­la­ge­rung ver­schie­de­ner Anla­gen als sehr schwie­rig gestal­tet – da hat der eine den ande­ren zu über­tö­nen ver­sucht, heißt das im Klar­text. „Die ange­spann­te Situa­ti­on mit den Anwoh­nern in die­sem Bereich ist außer­dem ein aus­schlag­ge­ben­der Punkt für eine drit­te Büh­ne, anstel­le einer Viel­zahl klei­ner Musik­an­la­gen an den Stän­den, gewe­sen”, argu­men­tiert Moos­mann. So sei eine fai­re Ver­tei­lung des Pro­gramms und eine Kon­trol­le der Musik­laut­stär­ke gewähr­leis­tet wor­den. Seit 2015 gibt es dort kei­nen DJ mehr. Es spielt bis Musi­ken­de (0.30 Uhr) eine Band. „Die­se”, so die Stadt­fest­che­fin, „wird von allen Betei­lig­ten als wesent­lich ange­neh­mer wahr­ge­nom­men.”

Das Programm des Rottweiler Stadtfests 1988. Quelle: Stadt Rottweil
Das Pro­gramm des Rott­wei­ler Stadt­fests 1988. Quel­le: Stadt Rott­weil

Rückblick: Wie alles begann

Fest ohne Gren­zen – ein Expe­ri­ment ist gelun­gen“, „Stadt­fest: Es fließt das Bier, die Fah­nen flat­tern“, oder „Ein gro­ßes Fest der Bür­ger“, waren Titel­über­schrif­ten der Tages­zei­tung von 1974. Damals wur­de eine beson­de­re Tra­di­ti­on in Rott­weil begrün­det: Mit der Akti­on „Künst­ler machen Fah­nen für Rott­weil“ fand mit gro­ßem Erfolg das ers­te Rott­wei­ler Stadt­fest statt. Die ver­gan­ge­nen Inten­sio­nen dafür sind heu­te so aktu­ell wie damals. Das Stadt­fest ist geleb­te Tra­di­ti­on, zu wel­chem Men­schen aller Genera­tio­nen und Her­kunft, Rott­weil und sei­ne Ver­ei­ne, ehren­amt­li­ches Arbei­ten und ein gro­ßes Mit­ein­an­der, unter­schied­lichs­te Kul­tu­ren, Tra­di­ti­on und Inno­va­ti­on sowie die Stadt und ihre Bür­ge­rin­nen und Bür­ger gehö­ren. Die struk­tu­rel­le Gestal­tung des Stadt­fes­tes ist ein­zig­ar­tig und wur­de über die vie­len Jah­re so bei­be­hal­ten. Der Fokus liegt auf den ansäs­si­gen Ver­ei­nen, die das Stadt­fest in gro­ßer Zahl ent­schei­dend mit­ge­prägt haben. Vor allem die Ver­bin­dung ver­schie­de­ner Kul­tu­ren und Genera­tio­nen mit dem Ehren­amt machen das Rott­wei­ler Stadt­fest zu etwas beson­de­rem. Es ist abso­lut wün­schens­wert, eine sol­che Ver­an­stal­tung dau­er­haft wei­ter­zu­füh­ren. Hier­zu gehö­ren unwei­ger­lich auch die Wei­ter­ent­wick­lung auf kon­zep­tio­nel­ler Ebe­ne und die stän­di­ge Anpas­sung bzw. Über­prü­fung an neue Gege­ben­hei­ten. Eine prä­gnan­te Ver­än­de­rung erfuhr das Stadt­fest 2003, als der jähr­li­che Rhyth­mus auf einen zwei­jäh­ri­gen Rhyth­mus geän­dert wur­de. 2017 wird das Stadt­fest zum 35. Mal aus­ge­rich­tet. Quel­le: Stadt­ver­wal­tung Rott­weil