SCHRAMBERG  (him) –  Seit dem Wochen­en­de darf sich Schram­berg Fairtra­de-Stadt nen­nen. Im Rah­men des „Mark­tes der Kul­tu­ren“ über­reich­te am Sams­tag­nach­mit­tag der Ehren­bot­schaf­ter von Trans­fair, Man­fred Holz, die Ernen­nungs­ur­kun­de an Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog.

Manfred Holz übergibt die Urkunde an Albert Risch und OB Thomas Herzog (von links).
Man­fred Holz über­gibt die Urkun­de an Albert Risch und OB Tho­mas Her­zog (von links).

Dies sei „ein gro­ßer Tag für unse­re Stadt“, ver­si­cher­te OB Her­zog. Erst die Wie­der-Eröff­nung des Welt­la­dens, dann der mitt­ler­wei­le schon fünf­te „Markt der Kul­tu­ren” und nun die Ernen­nung zur Fairtra­de-Stadt. Bei all­dem gehe es um ein fai­res Mit­ein­an­der. Inzwi­schen sei der Gedan­ke des fai­ren Han­delns in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men. „Beim fai­ren Han­del geht es nicht um Almo­sen, son­dern um fai­re Chan­cen“, beton­te er.

In Schram­berg habe der fai­re Han­del schon lan­ge eine wich­ti­ge Rol­le gespielt. Im Jahr 2002  sogar ein gan­zes Jahr als „Fai­res Schram­berg“. Als 2014 der Gedan­ke an die Fairtra­de-Stadt auf­kam, sei das rasch auf­ge­grif­fen wor­den. „Wir freu­en uns, dass wir nun den Ziel­ein­lauf geschafft haben.“ Das sei ein Mei­len­stein in vie­len Jah­ren Bemü­hen um den fai­ren Han­del. Her­zog ver­sprach, die Stadt wer­de wei­ter dran arbei­ten, Schram­berg noch fai­rer zu machen.

Für das Eine-Welt-Forum sprach Albert Risch von einem lan­gen und span­nen­den Weg. Er dank­te der Steue­rungs­grup­pe für die geleis­te­te Arbeit. Er wis­se, dass vie­le Geschäf­te fair gehan­del­te Pro­duk­te anbie­ten, sich bis­her aber noch nicht gemel­det hät­ten. Beim neu­en Welt­la­den beim Park­haus soll eine Tafel auf­ge­stellt wer­den, auf der alle Läden mit fai­ren Pro­duk­ten genannt wer­den. Mel­dun­gen sei­en bis Mit­te Novem­ber mög­lich.fair-trade-town-ernennung-dk-151016-6

Ein fai­rer Aus­gleich zwi­schen Nord und Süd sei not­wen­dig. Mit Blick auf die Flücht­lin­ge mein­te Risch: „Die Leu­te kom­men, weil sie kei­ne Chan­ce für sich und ihre Kin­der sehen.“ Wenn alle von ihrer Arbeit  leben könn­ten, wäre viel erreicht. Die Ernen­nung zur Fairtra­de-Stadt sei ein ers­ter Erfolg, aber in zwei Jah­ren wür­de über­prüft, ob Schram­berg die Kri­te­ri­en wei­ter erfül­le. Risch: „Wir haben noch viel vor.“

Luft nach oben

Man­fred Holz von Trans­fair, der Orga­ni­sa­ti­on die hin­ter der Fairtra­de-Stadt-Idee steckt, pran­ger­te die Ungleich­heit auf der Erde an: „Die Rei­chen wer­den immer rei­cher und die Armen immer zahl­rei­cher.“ Eine Mil­li­ar­de Men­schen lei­de an Über­ge­wicht und eine Mil­li­ar­de an Unter­ernäh­rung. „Wenn auf der Welt so viel geteilt wür­de wie auf Face­book, gäbe es kei­ne Armut“, zitier­te er eine Erkennt­nis aus dem Inter­net.

Manfred Holz.
Man­fred Holz.

In Schram­berg habe er „ein geball­tes Enga­ge­ment“ für den fai­ren Han­del vor­ge­fun­den. Die fünf Kri­te­ri­en für die Fairtra­de-Stadt habe Schram­berg „mit Bra­vour“ gemeis­tert. Der fai­re Han­del wach­se stän­dig. Doch es sei immer noch viel Luft nach oben. Wäh­rend die Deut­schen pro Kopf etwa 15 Euro pro Jahr für fai­re Pro­duk­te aus­ge­ben, sei­en es in der Schweiz 58 Euro. In die­sem Jahr hofft der fai­re Han­del in Deutsch­land den Umsatz von  978 Mil­lio­nen auf weit mehr als eine Mil­li­ar­de Euro zu stei­gern: „Dabei set­ze ich stark auf Schram­berg“, scherz­te Holz.

Nun gehö­re Schram­berg zur Cham­pi­ons-League, sei Fairtra­de-Stadt wie Paris, Lon­don, Rio, Rom oder Mün­chen. In Deutsch­land sei Schram­berg die 437.  und in Baden-Würt­tem­berg die 93. Kom­mu­ne, die die­sen Titel tra­gen darf.

Nach einem Grup­pen­bild mit einem gro­ßen Wer­be-Ban­ner stie­ßen die Betei­lig­ten mit einem Glas Oran­gen­saft an – natür­lich aus fai­rem Han­del.