Die Ruine Berneck. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) –  Bis vor kur­zem kann­te sie kaum einer, doch nun wol­len vie­le dass sie erhal­ten bleibt: Die Rui­ne Ber­neck hoch über dem Ber­neck­tal. In den Leser­brief­spal­ten hagelt es Vor­wür­fe gegen die Stadt, der die Rui­ne aber gar nicht gehört. Und der vom Gesetz her für den Erhalt der Rui­ne ver­ant­wort­li­che Eigen­tü­mer sagt, er wol­le sich „nicht dafür stark machen”, dass die Mau­er­res­te erhal­ten wer­den. Die NRWZ zu den Hin­ter­grün­den und zum Stand der Din­ge:

Vor genau drei Jah­ren berich­te­te die NRWZ, dass das labi­le Fels­mas­siv unter­halb der Rui­ne den Fach­leu­ten Sor­ge berei­te. „Es ist klar, dass etwas getan wer­den muss“, sag­te damals Dezer­nent Gerald Kra­mer vom Rott­wei­ler Land­rats­amt zur NRWZ.

Ent­deckt hat­te die Gefahr der Geo­lo­ge Andre­as Men­zel, der im Auf­trag des Land­krei­ses das Ber­neck­tal genau­er unter­sucht hat­te. Nach einem Stein­schlag im Jahr zuvor waren umfang­rei­che Siche­rungs­maß­nah­men ange­lau­fen. Die bedroh­ten Fel­sen und zwei schon teil­wei­se abge­bro­che­ne Mau­ern der Rui­ne haben dann Spe­zia­lis­ten  pro­vi­so­risch mit Draht­sei­len gesi­chert. Im Novem­ber 2013 lie­fen die Arbei­ten. Die Kos­ten für die vor­läu­fi­ge Siche­rung  – etwa 45.000 Euro trug damals die Stadt.

Versteckt am Heuwegle: Die Burgruine Berneck. Foto: him
Ver­steckt am Heu­weg­le: Die Burg­rui­ne Ber­neck. Foto: him

Nun reicht die­se pro­vi­so­ri­sche Siche­rung nicht mehr. Geo­lo­ge Men­zel: „Zwei Fel­sen sind extrem abbruch­ge­fähr­det, und die Mau­er­res­te ste­hen auf die­sen Fel­sen.“  Das Mau­er­werk sei auch schon teil­wei­se abge­bro­chen und der Rest sei „in einem maro­den Zustand.“ Anhand von Bil­dern ver­deut­lich­te er die Gefahr.

Extrem Abbruchgefährdet: Zwei Felsplatten an der Ruine Berneck.
Die bei­den mar­kier­ten Fels­plat­ten müs­sen gesi­chert wer­den. Dabei gin­gen die Mau­er­res­te dazwi­schen ver­lo­ren, fürch­ten Exper­ten. Foto: Andre­as Men­zel

Men­zel hat im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik drei Vari­an­ten vor­ge­stellt, wie das Pro­blem zu lösen wäre. Die ein­fachs­te und kos­ten­güns­tigs­te: die Mau­er­res­te wer­de abge­tra­gen, die bei­den losen Fel­sen durch­bohrt und im  gesun­den Fels ver­an­kert. Kos­ten 58.000 Euro. In Vari­an­te 2 wür­de ein Draht­ge­flecht über die Mau­er­res­te gezo­gen, um die Mau­er zu erhal­ten und anschlie­ßend die Fel­sen ver­an­kert. Kos­ten 106.000 Euro. Die teu­ers­te Lösung wäre, die maro­den Mau­ern klas­sisch zu sanie­ren, Lücken aus­zu­bes­sern und zu sta­bi­li­sie­ren. „Das Denk­mal wür­de wie­der­her­ge­stellt.“  Aller­dings wür­de das 161.000 Euro kos­ten.

Das Land wür­de jeweils nur 53.000 Euro bei­steu­ern, das wäre die Sum­me, die für die Ver­kehrs­si­che­rung erfor­der­lich wäre. Den Rest zahlt die Stadt. Ver­ant­wort­lich für die Arbei­ten ist das Stra­ßen­bau­amt beim Land­kreis. Die Stadt könn­te aller­dings statt der güns­ti­gen Vari­an­te auch eine teu­re­re vor­schla­gen – wenn sie bezahlt.

Lan­des­denk­mal­amt im Inter­es­sen­kon­flikt

Das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge erach­tet die bei­den Mau­er­res­te als „erhal­tens­wert und erhal­tens­fä­hig“, so Dr. Chris­ti­ne Schnei­der zur NRWZ. Aller­dings hät­ten inten­si­ve Ver­hand­lun­gen mit dem Eigen­tü­mer auch nach drei Jah­ren kei­ne Finan­zie­rung zu Wege gebracht. Im Mai war Lud­wig Hart­mann, bei der Stadt unter ande­rem für Denk­mal­schutz zustän­dig, zusam­men mit Schnei­der zur Rui­ne Ber­neck hoch­ge­stie­gen und hat­ten die maro­den Mau­ern aus der Nähe begut­ach­tet.

Schnei­der war zu dem Ergeb­nis gekom­men, die bei­den Mau­er­res­te befän­den sich „in extrem anspruchs­vol­ler Topo­gra­fie“. Die pro­vi­so­ri­schen Siche­run­gen reich­ten nicht mehr aus.  Aus Sicht des Denk­mal­amts habe „die Ver­kehrs­si­cher­heit höchs­te Prio­ri­tät“, schreibt sie der Stadt, der Ver­lust der Mau­ern müs­se wohl „in Kauf genom­men“ wer­den. Wenn kei­ne Mög­lich­keit besteht, die Rui­ne zu erhal­ten, wer­de sie ihre Beden­ken zurück­stel­len.

Joa­chim Hil­ser vom Stra­ßen­bau­amt hat sich nach der Aus­schuss­sit­zung noch­mal mit dem Geo­lo­gen Men­zel zusam­men­ge­setzt. Die Außen­mau­ern, auch eine rela­tiv gut erhal­te­ne und von der Stra­ße zu erken­nen­de Mau­er wer­de „wohl nicht zu hal­ten sein. Da brau­chen wir nichts vor­spie­len.“

Auch wenn die Außen­mau­ern, die wir­ken, als sei­en sie in die Fel­sen wie  Schwal­ben­nes­ter rein­ge­klebt, fal­len, wer­den Rui­nen­res­te erhal­ten blei­ben. Auf dem vor­de­ren Fel­sen fin­det sich Mau­er­ab­schnit­te und ein behaue­ner Stein, der  wohl Teil eines Tür­pfos­tens war. Wei­ter Rich­tung Berg sind wei­te­re Mau­er­res­te und im ehe­ma­li­gen Burg­gra­ben eben­falls. „Archäo­lo­gisch könn­te es berg­sei­tig inter­es­sant sein“, glaubt denn auch Lud­wig Hart­mann.  Die­se Res­te blie­ben auf jeden Fall ja erhal­ten.

Eigen­tü­mer: „Kein Inter­es­se“

Die Rui­ne Ber­neck steht auf gräf­li­chem Boden. Besit­zer der Burg ist die Fami­lie von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg. Franz Graf von Bis­sin­gen bestä­tigt das im Gespräch mit der NRWZ. Die Stra­ßen­bau­ver­wal­tung habe ihn wegen der geplan­ten Ver­kehrs­si­che­rungs­maß­nah­men ange­schrie­ben. Er sei mit dem Abbruch ein­ver­stan­den. Zu einer mög­li­chen Ret­tung der Mau­ern meint von Bis­sin­gen: „Ich sehe nicht, dass wir als Pri­vat­leu­te uns dafür stark machen.“ Vor der Wald­ro­dung habe er die Burg­rui­ne nie gese­hen. Die Ver­kehrs­si­che­rung sei „Behör­den­sa­che“.

Franz Graf von Bissingen. Archiv-Foto: him
Franz Graf von Bis­sin­gen. Archiv-Foto: him

Das Denk­mal aber müss­te von Bis­sin­gen sichern, betont Dr. Chris­ti­ne Schnei­der vom Lan­des­amt für Denk­mal­schutz: „Der Eigen­tü­mer muss etwas machen.“ Das Land oder die Kom­mu­nen könn­ten ihn dabei finan­zi­ell unter­stüt­zen. Aber: „Wir kön­nen Denk­mal­schutz­maß­nah­men gegen den Wil­len des Eigen­tü­mers nicht auf den Weg brin­gen“, betont Dr. Schnei­der.

Franz von Bis­sin­gen hat eine ande­re Lösung, er  habe das Grund­stück mit der Burg der Stadt zum Kauf ange­bo­ten: „Ich weiß nicht, ob die Stadt dran inter­es­siert ist.“ Er habe nichts mehr gehört. Eine Über­nah­me durch die Stadt wür­de er begrü­ßen, denn das sei „ein tol­ler Aus­sichts­punkt“. Fach­be­reichs­lei­ter Uwe Wei­ßer erklärt dazu: „Wir sind zu ver­schie­de­nen The­men in guten Gesprä­chen mit Graf von Bis­sin­gen.“ Zu Grund­stücks­ver­hand­lun­gen wer­de sich die Stadt aber nicht öffent­lich äußern.

Von Bis­sin­gen sagt abschlie­ßend, er besit­ze zwei wei­te­re Rui­nen. Das rei­che: „Ich bin am Wald inter­es­siert, nicht an Rui­nen.“

Stein­schlag nach Kahl­schlag?

Hart­nä­ckig hält sich die Ansicht, die Stein­ab­gän­ge im Ber­neck­tal rühr­ten von den Kahl­schlä­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re her. Vor­her sei der Hang sta­bil gewe­sen. Erst mit dem Ent­fer­nen der Bäu­me sei­en die Pro­ble­me geschaf­fen wor­den, lau­tet eine immer wie­der geäu­ßer­te Ansicht. Das sei ein „Trug­schluss“, so Joa­chim Hil­ser vom Stra­ßen­bau­amt. Der berühm­te Stein­schlag, der die gan­zen Aktio­nen aus­ge­löst hat­te, sei vor den Baum­fäl­lun­gen gesche­hen. „Als wir dar­auf­hin ins Gelän­de gegan­gen sind, haben wird rie­si­ge Fels­bro­cken gefun­den, die an klei­nen, geschä­dig­ten Bäum­chen hän­gen geblie­ben waren. Wenn die abfau­len, wären die Bro­cken ins Tal gestürzt.“

Solche felsbrocken gingen bei der beräumung im Jahr 2014 den Hang bei der Ruine Berneck runter. Foto: Fritz Wöhrle
Sol­che Fels­bro­cken gin­gen bei der Beräu­mung im Jahr 2014 den Hang bei der Rui­ne Ber­neck run­ter. Foto: Fritz Wöhr­le

Die Fels­bro­cken haben da schon jahr­zehn­te­lang gele­gen, es hät­te wenig bedurft, dass die run­ter kom­men, ist Hil­ser sicher. Des­halb sei „klar zu ver­nei­nen, dass die Baum­fäll­ak­ti­on die Ursa­che war“.

Fritz Wöhr­le aus Ten­nen­bronn, der sich seit Jahr­zehn­ten mit der Geo­lo­gie auch des Ber­neck­tals befasst, sieht es etwas dif­fe­ren­zier­ter. Einer­seits hät­ten die Bäu­me eine Schutz­funk­ti­on, aber eben nicht über­all. Auf den Fel­sen könn­ten sie Scha­den anrich­ten, in den Steil­hän­gen hiel­ten sie den Hang fest. Er habe an man­chen Stel­len nicht ver­stan­den, „wes­halb dort das Holz raus­ge­nom­men wur­de.“ Eines sei aber sicher: “Die Ero­si­on wird immer wei­ter­ge­hen, die Stein­schlag­ge­fahr ist nicht aus­zu­schlie­ßen.“ Und noch einen Trost hat Wöhr­le: „Durch den Bewuchs wird sich die Situa­ti­on in zehn bis 15 Jah­ren wie­der ver­bes­sern.“

Rui­ne ein Schram­ber­ger Klein­od?

Ruine Berneck- wer findet sie? Foto: him
Wo ist sie, die Rui­ne Ber­neck? Foto: him

So sah es jeden­falls der Schram­ber­ger Bur­gen­ex­per­te Lothar Späth, als durch die Beräu­mun­gen im Tal der Blick auf die Rui­ne frei gewor­den war. Er wand­te sich in einem lan­gen Brief 2013 an das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge. Er bat, dafür zu sor­gen, dass die Burg­rui­ne erhal­ten bleibt, wie der Schwarz­wäl­der Bote sei­ner­zeit berich­te­te. Die Bur­gen Ram­stein, Ber­neck und Fal­ken­stein hät­ten zusam­men gehört. Die Ber­neck – erbaut im frü­hen 13. Jahr­hun­dert – zwi­schen den bei­den ande­ren sei so etwas wie ein Außen­pos­ten gewe­sen.

Auf der Burg Ber­neck habe man Pfeil­spit­zen und Topf­ka­cheln gefun­den, die aber ver­schol­len sei­en. Zwei Mal sei die Burg zer­stört wor­den, irgend­wann vor dem Jahr 1425 und end­gül­tig 1452, als der Städ­te­bund unter Anfüh­rung der Städ­te Rott­weil und Ulm die Burg kom­plett zer­stör­te.  Späth schloss sei­nen Appell mit dem Hin­weis, die Rui­ne sei „ein Bei­spiel einer mit­tel­al­ter­li­chen Burg­an­la­ge im Klein­for­mat, aber bedeu­tend für ihre Umge­bung.“

Rat will Debat­te

Das letz­te Wort ist noch lan­ge nicht gespro­chen. Nach­dem die Stadt­ver­wal­tung im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik über den Sach­stand berich­tet hat­te, ent­wi­ckel­ten sich in den Frak­tio­nen leb­haf­te Dis­kus­sio­nen um das Für und Wider des Erhalts der zwei äuße­ren Mau­ern an der Rui­ne Ber­neck. Es gab im Aus­schuss kei­nen Beschluss, auch kei­ne Emp­feh­lung, er hat ledig­lich die Berich­te  des Stra­ßen­bau­am­tes und des Geo­lo­gen zur Kennt­nis genom­men. Ent­schei­den könn­te im Rah­men der Sat­zung die Stadt­ver­wal­tung.

Doch im Nach­gang zur Infor­ma­ti­on im Aus­schuss hat­te nicht nur Tan­ja Wit­kow­ski (SPD-Bunt­specht) „Bauch­weh“. Sie bean­trag­te im Namen ihrer Frak­ti­on, dass im nächs­ten Gemein­de­rat dis­ku­tiert und über einen mög­li­chen Erhalt der Mau­ern ent­schie­den wer­den soll. Sie ver­wies auf eine Akten­no­tiz des Lan­des­denk­mal­am­tes aus dem Jahr 2015, wonach „die Burg­rui­ne Ber­neck aus wis­sen­schaft­li­chen und hei­mat­ge­schicht­li­chen Grün­den als Kul­tur­denk­mal nach Para­graph 2 Denk­mal­schutz­ge­setz geschützt ist.“

Ähn­lich äußer­te sich Johan­nes Grimm (CDU). Er for­der­te, es dürf­ten „kei­ne voll­ende­ten Tat­sa­chen geschaf­fen“ wer­den.  Es hand­le sich schließ­lich „nicht um Stei­ne, die man nach Belie­ben abräu­men kann.“

Da das Lan­des­amt für Denk­mal­schutz die denk­mal­schutz­recht­li­che Bewil­li­gung noch nicht erteilt hat – und dies nach Lage der Din­ge auch so schnell nicht tun wird – , bleibt  Zeit für eine aus­führ­li­che Bera­tung in der Novem­ber­sit­zung des Rates.