Volles Haus: Die Anwohner vom Sonnenberg wollen die Debatte im Rat mit verfolgen. Foto: him

SCHRAMBERG  (him)  –  Ein inter­frak­tio­nel­ler Antrag von CDU, SPD-Bunt­specht und Frei­er Lis­te sorg­te für eine deut­lich ver­kürz­te Dis­kus­si­on. Der Gemein­de­rat ent­schied mit gro­ßer Mehr­heit, auf der Pla­nie drei Mehr­ge­schoss­wohn­häu­ser bau­en zu las­sen. Damit sind die Plä­ne für eine Uhren­ma­nu­fak­tur begra­ben, aber auch der Wunsch der Son­nen­berg-Anwoh­ner alles so zu belas­sen wie es ist.

Etwa zwei Dut­zend Anwoh­ner hat­ten den Sit­zungs­saal bevöl­kert. Sie muss­ten gut zwei­ein­halb Stun­den war­ten, bevor Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog den Tages­ord­nungs­punkt „Bebau­ungs­plan Stadt­park – Son­nen­berg“ auf­rief.  Im Namen der „Son­nen­berg­ge­mein­schaft“ hat­te Dr. Mar­tin Kne­bel in einem Brief an OB und Stadt­rä­te appel­liert, „wenn es denn schon sein muss“, ledig­lich drei Ein­fa­mi­li­en­häu­ser auf dem ehe­ma­li­gen Ten­nis­platz­ge­län­de zuzu­las­sen. Die Uhren­ma­nu­fak­tur und die drei Mehr­ge­schoss­bau­ten mit 29 Wohn­ein­hei­ten wür­den „die Struk­tur des Wohn­ge­biets völ­lig ver­än­dern.“ Er for­der­te, den Cha­rak­ter des Son­nen­bergs als „grü­ne Lun­ge von Schram­berg“  so zu belas­sen, wie er ist.

Das sahen die Gemein­de­rä­te in ihrer gro­ßen Mehr­heit anders. Für die­se hat­te CDU-Spre­cher Cle­mens Mau­rer erklärt, man wol­le „drei mehr­ge­schos­si­ge hoch­wer­ti­ge Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit Ensem­ble-Cha­rak­ter“ auf der Pla­nie. Der ursprüng­lich vor­ge­schla­ge­ne gro­ße Bau­kör­per der Uhren­ma­nu­fak­tur habe die Anwoh­ner erschreckt. „Es blieb trotz der Ände­rungs­vor­schlä­ge bei der ableh­nen­den Hal­tung.“

Hochwertiger Wohnraum statt Uhrenmanufaktur

Daher wol­len die drei Frak­tio­nen auf der Pla­nie hoch­wer­ti­gen Wohn­raum schaf­fen. „Über die Zahl der Woh­nun­gen kann man im wei­te­ren Ver­fah­ren reden.“  Bei der Uhren­ma­nu­fak­tur sol­le die Ver­wal­tung alles dran set­zen, die­se auf Schram­ber­ger Gebiet zu hal­ten. An die Son­nen­berg­an­woh­ner gewandt ver­si­cher­te er: „Wir wol­len den Son­nen­berg nicht ver­schan­deln, aber wir brau­chen Ent­wick­lung in der Stadt.“

Für die Frak­ti­on SPD-Bunt­specht erklär­te Tan­ja Wit­kow­ski, ihre Frak­ti­on sei von Anfang an „recht skep­tisch“ gewe­sen, ob die Manu­fak­tur auf der Pla­nie ange­sie­delt wer­den kön­ne. Auf die­sem „Filet­stück“ soll­ten nun mehr Men­schen die Mög­lich­keit haben, bezahl­ba­ren Wohn­raum zu bekom­men. Udo Neu­deck (Freie Lis­te) ver­wies auf die vie­len hoch­qua­li­fi­zier­ten und hoch­be­zahl­ten Fach­kräf­te, die ein Ange­bot zum Woh­nen in Schram­berg brau­chen. Das sei auf der Pla­nie „städ­te­pla­ne­risch schön zu machen“.

Platz für „drei mehr­ge­schos­si­ge hoch­wer­ti­ge Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit Ensem­ble-Cha­rak­ter“: Die ehe­ma­li­gen Ten­nis­plät­ze auf der Pla­nie. Foto: him

Anders sahen es Gaby Flaig (CDU), Bernd Rich­ter (ÖDP), Jür­gen Reu­ter (frak­ti­ons­los) und Edgar Reut­ter (SPD-Bunt­specht). Unter dem Bei­fall der Zuhö­rer for­der­te Flaig ledig­lich vier Ein­fa­mi­li­en­häu­ser vor­zu­se­hen, weil die­se sich bes­ser in das Gebiet ein­pas­sen wür­den. Rich­ter fürch­te­te, dass drei „Wohn­blocks“ den Indi­vi­du­al­ver­kehr ver­stär­ken wür­den. Jür­gen Reu­ter sorg­te sich, wo 50 Park­plät­ze für die Bewoh­ner geschaf­fen wer­den sol­len – und bekam zur Ant­wort von OB Her­zog: „In Tief­ga­ra­gen, die im Plan ein­ge­zeich­net sind.“ Edgar Reut­ter sah in den Mehr­ge­schoss­bau­ten „das glei­che Übel“ wie bei der Manu­fak­tur.

„Hätten wir doch…“

Jür­gen Win­ter (CDU) ent­geg­ne­te, es gehe um hoch­wer­ti­ge Bau­ten und die­se kön­ne man „so gestal­ten, dass sie die Umge­bung auf­wer­ten“. OB Her­zog erin­ner­te dar­an, dass es zunächst um den Städ­te­bau­li­chen Ent­wurf gehe, die Details wür­den alle im wei­te­ren Ver­fah­ren erar­bei­tet. „Da gibt es noch vie­le Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten – auch für die Anwoh­ner.“ Denk­bar sei auch, dass  über einen städ­te­bau­li­chen Wett­be­werb nach der bes­ten Lösung gesucht wer­de.  Mit 22 Ja- und sechs Nein-Stim­men hat der Rat den Antrag schließ­lich ange­nom­men. Beim Hin­aus­ge­hen waren Stim­men der Anwoh­ner zu hören: „Hät­ten wir doch die Uhren­ma­nu­fak­tur genom­men.“

Info: Die Pla­nie ist nur ein klei­ner Teil eines ins­ge­samt knapp 21 Hekt­ar umfas­sen­den Gebiets am Son­nen­berg. Im Rah­men der Über­pla­nung möch­te die Stadt an meh­re­ren Stel­len ins­ge­samt 18 neue Bau­plät­ze schaf­fen und nach­ver­dich­ten. Auch will die Stadt die Stra­ßen im Gebiet ver­bes­sern.  Die ers­ten Ent­wür­fe ent­stan­den 2007.