Rott­weil. Mit einem fei­er­li­chen Spa­ten­stich hat am Don­ners­tag der Bau der neu­en Syn­ago­ge am Rott­wei­ler Näge­les­gra­ben begon­nen. „Das ist ein Tag der Freu­de auch für mich per­sön­lich“, so Rami Suli­man, der Vor­sit­zen­de der Israe­li­ti­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Baden.

Wich­tig sei, so Suli­man wei­ter, nicht nur der Opfer der Shoa – für den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mord an den Juden Euro­pas – zu geden­ken, son­dern auch einen Grund­stein zu legen für eine gemein­sa­me Zukunft. Die Syn­ago­ge sei ein sicht­ba­rer Aus­druck der Freund­schaft und als offe­nes Haus gedacht, als Treff­punkt für alle Men­schen.

Wir schlie­ßen hier an eine lan­ge Tra­di­ti­on an“, beton­te Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß. Von den frü­he­ren jüdi­schen Gemein­den Rott­weils, deren Ende ein Gewalt­sa­mes war, sei­en mit der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge und dem Fried­hof Zeu­gen geblie­ben, nun erhal­te die neue Gemein­de ein neu­es Got­tes­haus, Men­schen vor allem aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on, die hier eine neue Hei­mat gefun­den hät­ten. Man habe sei­tens der Stadt die Idee von Anfang an unter­stützt und freue sich nun auch über die archi­tek­to­ni­sche Auf­wer­tung des Näge­le­gra­bens. Die neue Syn­ago­ge direkt neben dem mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­kern sei auch „ein Zei­chen der Hoff­nung, dass die Schre­cken des Holo­caust end­gül­tig der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren“, dass in Rott­weil ver­schie­de­ne Reli­gio­nen fried­lich zusam­men­leb­ten.

Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel erin­ner­te an die Schre­cken des Drit­ten Rei­ches, an die Men­schen, die hier eine Hei­mat hat­ten, „doch der Staat ent­zog ihnen Wür­de, Gesund­heit, oft das Leben.“ So sei­en am 1.Dezember 1941 die ers­ten Juden von Stutt­gart aus nach Riga depor­tiert wor­den. Und heu­te sehe man mit Dank­bar­keit auf den Neu­be­ginn jüdi­schen Lebens in Rott­weil zurück, als in den Neun­zi­ger­jah­ren die ers­ten Fami­li­en aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on ange­kom­men sei­en, die Gemein­de gegrün­det wur­de und dann ihre ers­te Tho­ra­rol­le erhielt. „Reli­giö­ses Leben aller Kon­fes­sio­nen muss in der Öffent­lich­keit sicht­bar wer­den“, beton­te Michel. Als „wich­ti­gen Mei­len­stein“ bezeich­ne­te Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Ste­fan Teu­fel (CDU) den Syn­ago­gen­bau. Die Gemein­de erhal­te so weit mehr als nur einen Raum, sie keh­re damit in das Bewusst­sein der Öffent­lich­keit zurück. Und das sei wich­tig und tra­ge auch zum Frie­den in der Gesell­schaft bei. „Wir sind dank­bar, dass es jüdi­sches Leben in Rott­weil gibt.“

Foto: Moni Marcel
Foto: Moni Mar­cel

Lan­des­rab­bi­ner Mos­he Flo­men­man beton­te, das neue Got­tes­haus wer­de nicht nur Raum für Gebe­te und das Stu­di­um der Tho­ra sein, son­dern für den Dia­log, eine Begeg­nungs­stät­te. Die Bau­stel­le hat nun sei­nen Segen, und die Vor­sit­zen­de der Gemein­de Rott­weil/Vil­lin­gen- Schwen­nin­gen, Tat­ja­na Mal­afy einen gro­ßen Blu­men­strauß. Sie bedank­te sich vor allem bei Rami Suli­man, „ohne ihn wäre das Pro­jekt nicht zustan­de gekom­men.“

Foto: Moni Marcel
Foto: Moni Mar­cel

Gemein­sam mit Vil­lin­gen-Schwen­nin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Rupert Kubon grif­fen dann alle zum Spa­ten – die Bau­hel­me blie­ben außen vor, dafür tru­gen die betei­lig­ten Her­ren ja eine Kip­pa. Und weil die Freu­de über den Neu­bau so groß ist, began­nen die einen spon­tan zu sin­gen, schließ­lich wur­de getanzt und dann begab man sich in die der­zei­ti­gen Syn­ago­gen­räu­me in der Obe­ren Haupt­stra­ße, um gemein­sam wei­ter­zu­fei­ern.