Feierlicher Moment: Martina Schuster und Landrat Wolf-Rüdiger Michel mit Daniel und Samuel Kacsmar sowie dem Ehrengast des Abends Simone Hauswald (von links).Foto: Rainer Pohler/Landratsamt

Zum vier­ten Mal hat der Land­kreis Rott­weil Neu­bür­ger  zu einer gemein­sa­men Ein­bür­ge­rungs­fei­er ein­ge­la­den. Mehr als 300 Men­schen haben in der Zeit zwi­schen Ende Okto­ber 2017 und Ende Okto­ber 2018 die deut­sche Staats­bür­ger­schaft im Kreis erhal­ten.

Zur Ein­bür­ge­rungs­fei­er waren auch zahl­rei­che Bür­ger­meis­ter und Kreis­rä­te gekom­men, die sich nach dem offi­zi­el­len Teil mit „ihren“ Neu­bür­gern ange­regt unter­hiel­ten. In sei­ner Begrü­ßung berich­te­ter Land­rat Wolf Rüdi­ger Michel, dass in die­sem Jahr die größ­te Grup­pe mit 29 Ein­ge­bür­ger­ten die Bri­ten stell­ten. Knapp die Hälf­te der im Kreis leben­den Bri­ten hät­te die deut­sche Staats­bür­ger­schaft bean­tragt.

Sorge vor dem Brexit

Unter ihnen sind auch Annet­te Mel­vin und ihr Bru­der Micha­el aus Schram­berg. „Wir haben ein­fach Sor­ge, was pas­siert nach dem Bre­x­it“, erzählt Annet­te Mel­vin, die vie­le Jah­re die Schram­ber­ger Tal­stadt­feu­er­wehr kom­man­diert hat­te. Ihr Bru­der Micha­el ist seit Jahr­zehn­ten im Elfer­rat der Nar­ren­zunft aktiv und gera­de als Zunft­meis­ter wie­der­ge­wählt wor­den. Nun besit­zen die Mel­vins die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft. Bis­her sei „nicht bekannt, wel­chen aus­län­der­recht­li­chen Sta­tus die Bri­ten nach dem Bre­x­it haben wer­den“, erläu­tert dazu Mar­ti­na Schus­ter vom Ord­nungs­amt des Land­krei­ses.

Mit Blick auf die bei­den bekann­ten Schram­ber­ger for­der­te Michel die „Neu-Deut­schen“ auf, sich gesell­schaft­lich ein­zu­brin­gen und ehren­amt­lich zu enga­gie­ren, wäh­len zu gehen, aber auch sich für Wah­len auf­stel­len zu las­sen. „Sie sind nun Staats­bür­ger mit allen Rech­ten und Pflich­ten.“

48 Herkunftsnationen

Ins­ge­samt stam­men die Ein­ge­bür­ger­ten aus 48 Natio­nen, wie Schus­ter in einer Sta­tis­tik zusam­men gestellt hat. Nach den Bri­ten stel­len die Rumä­nen und die Tür­ken mit je 26, die Ita­lie­ner mit 25 und die Koso­va­ren mit 24 die größ­ten Grup­pen. Je ein neu­er Staats­bür­ger stammt aus Ango­la, Boli­vi­en, Chi­le, Chi­na, Litau­en, Make­do­ni­en, Mexi­ko, Nige­ria, Slo­we­ni­en und Tsche­chi­en.

Mit 79 stel­len die in Rott­weil woh­nen­den Ein­ge­bür­ger­ten die größ­te Grup­pe, gefolgt von Schram­berg mit 53, Obern­dorf 31, Sulz 21 sowie Deiß­lin­gen  und Dun­nin­gen mit je 16. Inter­es­san­ter­wei­se haben sich deut­lich mehr Frau­en (168) als Män­ner ( 135) ein­bür­gern las­sen.

Hauswald: Ziele sind wichtig

In ihrer Fest­re­de hat die frü­he­re Spit­zen­sport­le­rin Simo­ne Haus­wald über ihre sport­li­chen Erfol­ge im Biath­lon– aber auch Nie­der­la­gen und Ent­täu­schun­gen gespro­chen. Wich­tig sei, dass man sich im Leben Zie­le set­ze und dann alles dafür tue, um sie zu errei­chen. So habe sie sich schon als klei­nes Mäd­chen in den Kopf gesetzt, eines Tages bei olym­pi­schen Spie­len und Welt­meis­ter­schaf­ten dabei zu sein. Die­ses Ziel habe sie schließ­lich als Biath­le­tin geschafft und auch schließ­lich bei einer Welt­meis­ter­schaft eine Gold-Medail­le gewon­nen.

Haus­wald, die heu­te als Men­tal­trai­ne­rin arbei­tet, berich­te­te auch über ihre schwie­ri­ge per­sön­li­che Situa­ti­on: Ihre Mut­ter ist Korea­ne­rin, ihr Vater Deut­scher. Die­se dop­pel­te, auch kul­tu­rel­le Iden­ti­tät habe sie lan­ge nicht anneh­men wol­len. Sie sei aber für ihre gesam­te Per­sön­lich­keit wich­tig und berei­chernd. An die Besu­cher gewandt mein­te Haus­wald, es gehö­re viel Mut dazu und sei mit Sicher­heit nicht „so ein­fach, den Ent­schluss zu fas­sen, sei­ne Hei­mat, in der man auf­ge­wach­sen und wo man ver­wur­zelt ist, zu ver­las­sen und in ein ande­res Land zu gehen.“ Sie zie­he ihren Hut vor ihnen.

Verpflichtungsformel gesprochen

Bei einer klei­nen Zere­mo­nie spra­chen schließ­lich Dani­el und Samu­el Kacs­már aus Rott­weil vor Land­rat Michel die Ver­pflich­tungs­for­mel: „Ich erklä­re fei­er­lich, dass ich das Grund­ge­setz und die Geset­ze der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ach­ten und alles unter­las­sen wer­de, was ihr scha­den könn­te.” Weil die bei­den gebür­ti­gen Ungarn beson­de­re Inte­gra­ti­ons­leis­tun­gen vor­zu­wei­sen haben – sie haben ihren Real­schul­ab­schluss geschafft und machen bei­de eine Berufs­aus­bil­dung –, erhiel­ten sie bereits nach sechs Jah­ren ihre Ein­bür­ge­rung, so Schus­ter auf Nach­fra­ge der NRWZ. Übli­cher­wei­se dau­ert es acht Jah­re, bis man die Ein­bür­ge­rung bean­tra­gen kann.

Im Anschluss an den Fest­akt hat­te der Kreis für Geträn­ke und einen Imbiss gesorgt. Dabei hät­ten die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Aus­län­der­amts die Bewir­tung über­nom­men, um so ihrem Publi­kum auch die gebüh­ren­de Wert­schät­zung ent­ge­gen zu brin­gen, wie Schus­ter erläu­tert.