Der Grüne Hubert Nowack erklärt: „Turmbesucher brauchen Parkplätze draußen in Turmnähe. Mit Ladestationen für Elektroautos.“ Foto: pm
Der Grüne Hubert Nowack erklärt: „Turmbesucher brauchen Parkplätze draußen in Turmnähe. Mit Ladestationen für Elektroautos.“ Foto: pm

Die Orts-Grü­nen schau­en sich (ein wenig auch selbst-) zufrie­den den Ver­lauf der Dis­kus­sio­nen um die geplan­te Rott­wei­ler Hän­ge­brü­cke Ber­ner Feld-Innen­stadt an. Sie machen offen­bar eine neue Art von Ver­bun­den­heit bei den jun­gen Men­schen mit ihrer Stadt aus, vie­le sei­en neu­er­dings „stolz auf ihr Rott­weil”, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung. Das lässt die Grü­nen einer ande­ren Grup­pie­rung die Zunei­gung ver­sa­gen: den Brü­cken­geg­nern.

Rott­weils Grü­ne hat­ten die Dia­log­grup­pe Hän­ge­brü­cke ange­regt und schau­ten in ihrer jüngs­ten Vor­stands­sit­zung auf den bis­he­ri­gen Ver­lauf. Sie erklä­ren sich damit zufrie­den. Dank neu­tra­ler Mode­ra­ti­on schlüpf­ten Befür­wor­ter und Geg­ner in die Seh­wei­sen Anders­den­ken­der, erklärt der Grü­nen-Orts­vor­stand. Respekt­voll, sie der Umgang. „Ein beson­de­rer Vor­gang ange­sichts wach­sen­der Ver­ro­hung in den sozia­len Medi­en“, mein­te Vor­stands­spre­cher Frank Sucker.

Die Grü­nen zei­gen laut einer Pres­se­mit­tei­lung nach ihrer gemein­sa­me Sit­zung von grü­nem Orts­vor­stand und Gemein­de­rä­ten zwar Ver­ständ­nis für den Zeit­druck der neu­en Bür­ger­initia­ti­ve gegen die Hän­ge­brü­cke, die nöti­gen Unter­schrif­ten für ein Bür­ger­be­geh­ren gegen die Hän­ge­brü­cke zu sam­meln. Den­noch bedau­er­ten sie, dass die­se Initia­ti­ve nicht die Ergeb­nis­se des bür­ger­schaft­li­chen Dia­logs abwar­te­te. So wecke sie den Ein­druck, dass sie sich – Dia­log hin, Dia­log her – bereits fest­ge­legt hat und kein noch so bril­lan­tes Argu­ment sie erschüt­tern kann. Die Grü­nen hof­fen: Es möge sich nun kei­ne ver­bies­ter­te Pola­ri­sie­rung anbah­nen.

Bei aller Sym­pa­thie fürs bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment konn­te der Vor­stand sich nicht zu einer Unter­stüt­zung des Bür­ger­be­geh­rens durch­rin­gen. Zu sehr irri­tier­te nach eige­nen Anga­ben ein Leser­brief von Dr. Win­fried Hecht (abge­druckt in der aktu­el­len NRWZ zum Wochen­en­de), in dem die­ser alle Unter­schrei­ber als Brü­cken­geg­ner ver­bucht, „die ihrer Stadt eine Zukunft auch ohne Hän­ge­brü­cke zutrau­en.“ Die Grü­nen hal­ten die Brü­cke dage­gen „nach wie vor für ein ori­gi­nel­les Bin­de­glied zwi­schen his­to­ri­schem Stadt­bild und moder­ner Archi­tek­tur”, erklä­ren sie. Rott­weil sei nicht nur eine Stadt der Tür­me, son­dern auch mar­kan­ter Brü­cken. In der Dia­log­grup­pe habe man gespürt, wie sehr die­se moder­nen Akzen­te gera­de jun­ge Men­schen stolz auf ihr Rott­weil mach­ten. Hier kei­me eine ganz neue Art von Ver­bun­den­heit.

Die Grü­nen ver­ken­nen dabei nach eige­nen Anga­ben nicht die Haupt­ri­si­ken des Brü­cken­baus: Ver­kehrs­be­las­tun­gen, Schad­stof­fe, Lärm. „Doch Jam­mern und Zagen bringt nichts”, erklä­ren sie. Die Pro­ble­me sei­en viel­mehr Her­aus­for­de­rung und Chan­ce, den Stadt­ver­kehr neu zu den­ken. Es ste­he sogar eine Rott­wei­ler Ver­kehrs­wen­de an. Die Innen­stadt ver­tra­ge eigent­lich kei­ne alt­mo­di­schen Ver­bren­nungs­mo­to­ren, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung. Vor­dring­lich ist für den Grü­nen-Stadt­rat Hubert Nowack dies: „Turm­be­su­cher brau­chen Park­plät­ze drau­ßen in Turm­nä­he. Mit Lade­sta­tio­nen für Elek­tro­au­tos.“ Und Vor­stands­mit­glied Jörg Hügel sekun­diert: „Das eilt jetzt!“ Auch im Rad­ver­kehr schlum­me­re noch ein unaus­ge­schöpf­tes Poten­zi­al, sind sich die Grü­nen in ihrer Pres­se­mit­tei­lung sicher. Dank E-Bikes ver­wan­del­ten sich Rott­weils topo­gra­fi­sche Nach­tei­le in Rad­ler­ver­gnü­gen pur. Fürs Früh­jahr pla­nen die Grü­nen daher Akti­vi­tä­ten hin zu einer Rad-Kul­tur­stadt Rott­weil.

Ganz wich­tig sei eine Auf­wer­tung des Bahn­hofs. „Kein Zug ohne Bus am Bahn­hof“, for­der­te Nowack. Auch ein wei­te­rer Ring­zug-Halt mit Auf­zug in die Stadt­mit­te wäre ein gro­ßer Fort­schritt. Vor­stands­mit­glied Gabrie­le Schnei­der ließ nicht locker und sprach als Wunsch­traum eine Seil­bahn an, die den Bahn­hof qua­si mit­ten in die Stadt ver­schiebt. Ohne Umstieg in den Ring­zug, ohne Fahrpläne. Kos­ten für die Stadt? Spre­cher Frank Sucker infor­mier­te, dass etwa die Fir­ma Dop­pel­mayr bei aus­rei­chen­der Nach­fra­ge solch eine Seil­bahn finan­ziert und betreibt.