10 C
Rottweil
Montag, 17. Februar 2020

Südwestmetall fordert Kurskorrektur

Sicherung des Standorts muss im Vordergrund stehen

TUTTLINGEN / VILLINGEN-SCHWENNINGEN (pm)  – Am Donnerstag haben die Arbeitgeber ein Angebot in der laufenden Tarifrunde für die Beschäftigten der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) vorgelegt. Nun fordern die regionalen M+E-Arbeitgeber die IG Metall dazu auf, von ihrer überzogenen Forderung abzurücken, heißt es in einer Pressemitteilung von Südwestmetall.

 „Die IG Metall muss runter von ihrer Fünf-Prozent-Forderung, die zu einem sehr hohen Anteil nicht begründbar ist“, sagte Dr. Joachim Schulz, Vorsitzender der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau des Arbeitgeberverbands Südwestmetall am Freitag in Tuttlingen. Das Arbeitgeberangebot über 1,2 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten bezeichnete er als fair und angemessen: „Für unsere Beschäftigten bedeutet es angesichts der niedrigen Inflation ein echtes Plus im Geldbeutel. Und im Gegensatz zur IG-Metall-Forderung orientiert es sich an den realen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

Schulz verwies darauf, dass die Tarifentwicklung der letzten Jahre zu einem massiven Kostenschub in der M+E-Industrie geführt habe, der nicht durch höhere Produktivität aufgefangen werden konnte. Die Betriebe im Land würden heute kaum mehr produzieren als vor der Krise 2008/09. Die Beschäftigung sei hingegen leicht gewachsen, vor allem aber hätten die Tarifentgelte um rund ein Viertel zugelegt: „Wir produzieren also mit etwas mehr Beschäftigten kaum mehr als vor der Krise, aber das zu deutlich höheren Kosten.“

Die M+E-Beschäftigten im Land verdienten im Schnitt mittlerweile mehr als 61.000 Euro pro Jahr. Allein durch die letzten drei Tarifrunden seien rund 7.500 Euro dazugekommen, so Schulz: „So können wir nicht weitermachen.“ Wenn es den Unternehmen trotzdem noch ordentlich gehe, dann nur, weil mehr und mehr Produktion und Gewinn im Ausland gemacht werde, sagte der Bezirksgruppen-Vorsitzende: „Das wird aber auf Dauer nicht gutgehen, wenn wir damit eine überhöhte Lohnentwicklung im Inland alimentieren.“

„Erste dunkle Wolken ziehen bereits auf“, so Schulz. Er verwies dabei auf über zehn in den vergangenen Monaten mit Unterstützung von Südwestmetall in der Region geführte Ergänzungstarif- und Sozialplanverhandlungen bei Mitgliedsunternehmen, die entweder Personalabbau oder Abweichungen zum bestehenden Flächentarifvertrag zum Gegenstand gehabt haben.
 
Die letzten drei Tarifabschlüsse seit 2012 seien auf Basis von Erwartungen gemacht worden, die so nicht eingetreten seien, kritisierte Schulz: „Wir haben letztlich mehr verteilt, als es zu verteilen gab. Das hat unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv beschädigt.“ Anfang der 2000er Jahre sei Deutschland noch der „kranke Mann Europas“ gewesen, habe sich dann aber durch eine angemessene Lohnentwicklung und besserer politischer Rahmenbedingungen wieder berappelt: „In den letzten Jahren haben wir alles wieder verspielt und stehen fast noch schlechter da als in Zeiten als kranker Mann. Deshalb muss es in dieser Tarifrunde darum gehen, unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken und damit letztlich Produktion, Beschäftigung und Wohlstand im Land zu sichern.“

Scharf kritisierte er das Vorgehen der Gewerkschaft, die ihre Forderung mit immer neuen und abenteuerlicheren Begründungen aufstelle, die nichts mehr mit der Realität zu tun hätten. Früher habe die IG Metall Inflation und gesamtwirtschaftliches Produktivitätswachstum zur Begründung herangezogen. Heute, da beide Werte tief im Keller seien und zusammen nicht einmal ein Prozent betrügen, zaubere sie neue Begründungen wie die höhere Zielinflation der EZB und eine angebliche Trendproduktivität aus dem Hut: „Beides hat aber mit den realen Bedingungen, mit denen die Betriebe zurechtkommen müssen, nichts zu tun.“

Die aktuelle Fünf-Prozent-Forderung sei zwar niedriger als die der Vorjahre. Aber wenn Inflation und Produktivität jeweils um zwei Prozent wachsen würden, wäre  sogar eine Sieben-Prozent-Forderung noch moderater als die aktuelle, die zu gut 80 Prozent nicht begründbar sei. „Damit treibt die IG Metall die Erwartungen ihrer Beschäftigten in unrealistische Höhen, was die Lösungsfindung nur unnötig erschwert. Da muss die Gewerkschaft schleunigst das Ruder herumreißen“, sagte Schulz laut Pressemitteilung.

 

Mehr auf NRWZ.de