ThyssenKrupp startet Montage der rekordverdächtigen Fassade am Testturm

246 Meter hoch: der Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Grafik: pm
246 Meter hoch: der Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Grafik: pm

Die Bau­ar­bei­ten des Test­turms von thyssenkrupp in Rott­weil schrei­ten wei­ter plan­mä­ßig vor­an: Die Fas­sa­de des 246 Meter hohen Turms aus Poly­te­tra­flu­or­ethy­len (PTFE)-Glasgewebefaser gilt als der­zeit höchs­tes Mem­bran­pro­jekt der Welt. Das mel­den das Unter­neh­men und die Stadt­ver­wal­tung Rott­weil am Don­ners­tag in einer gemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung.

Die Instal­la­ti­on stellt dem­nach das gesam­te Pla­nungs­team vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen: Für die Mon­ta­ge der Mem­bran wer­den beson­ders geschul­te Mon­teu­re ein­ge­setzt, die Zer­ti­fi­ka­te und Nach­wei­se für Klet­ter­ein­sät­ze in sol­chen Höhen besit­zen. Zur­zeit sind zwei beweg­li­che Arbeits­platt­for­men am Test­turm im Ein­satz, auf denen die Mon­teu­re sowohl die Außen­fas­sa­de ver­mes­sen, als auch Abstands­hal­ter und Roh­re für die Kon­struk­ti­on befes­ti­gen. Die Mem­bran wird dabei von oben nach unten in drei Abschnit­ten mon­tiert. Durch den stu­fen­wei­sen Über­gang ist die Fas­sa­de im unte­ren Bereich annä­hernd blick­dicht und wird nach oben hin durch das weit­ma­schi­ge­re Gewe­be trans­pa­ren­ter.

Die rund 17.000 Qua­drat­me­ter gro­ße Hül­le aus dem poly­mer­be­schich­te­ten Glas­fa­ser­ge­we­be wird dem Test­turm für Auf­zugs­in­no­va­tio­nen sein fina­les Erschei­nungs­bild ver­lei­hen. Das Gewe­be wird in Bah­nen von gut drei Metern Län­ge pro­du­ziert und danach zu gro­ßen Mem­bran­fel­dern ver­schweißt. Zudem ist es ein hoch­kom­ple­xer Werk­stoff, der lang­le­big und nahe­zu selbst­rei­ni­gend ist. Die Mem­bran ver­leiht dem Turm nicht nur das gewis­se Etwas, son­dern schützt ihn auch vor inten­si­ver Son­nen­ein­strah­lung und redu­ziert die Eigen­be­we­gung des Gebäu­des, indem sie die Kräf­te des Win­des zer­legt. Die Hül­le wur­de bereits aus­gie­big im Wind­ka­nal getes­tet und von einem unab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen­bü­ro zer­ti­fi­ziert.

Für das Pla­nungs­team von Tai­yo Euro­pe, die sich mit 29 Mit­ar­bei­tern eigens um die Fer­ti­gung und Mon­ta­ge der Mem­bran küm­mern, ist der Test­turm in jeg­li­cher Hin­sicht etwas Beson­de­res. „Die Pla­nungs­pha­se sowie die Mon­ta­ge bedeu­tet für uns eine neue Her­aus­for­de­rung, weil die Anfor­de­run­gen und Vor­ga­ben völ­lig ein­zig­ar­tig sind. Wir von Tai­yo Euro­pe sind stolz, dass wir bei die­sem ein­zig­ar­ti­gen Pro­jekt mit­wir­ken kön­nen“, betont Hubert Rei­ter, Geschäfts­füh­rer von Tai­yo Euro­pe.

Wir freu­en uns sehr, dass die Bau­ar­bei­ten mit der Mon­ta­ge der Mem­bran auf die Ziel­ge­ra­de ein­bie­gen und der Turm dann sei­ne end­gül­ti­ge Gestalt anneh­men wird“, so Rott­weils Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf. Die span­nen­de Arbeit der Exper­ten von Tai­yo Euro­pe, die schon den Mill­en­ni­um Dome in Lon­don, den Air­port von San Fran­cis­co, den Deut­schen Pavil­lon bei der Expo in Mai­land oder die Mer­ce­des-Benz-Are­na in Stutt­gart mit tex­ti­ler Archi­tek­tur aus­ge­stat­tet haben, wer­de in Rott­weil sicher­lich mit gro­ßem öffent­li­chen Inter­es­se ver­folgt und die Begeis­te­rung in der Bevöl­ke­rung für den Test­turm wei­ter stei­gern. „Die Men­schen in der gesam­ten Regi­on aber auch zahl­rei­che Tou­ris­ten, die Rott­weil schon seit Bau­be­ginn wegen des Turms besucht haben, sind sehr gespannt dar­auf, wie unser neu­es Wahr­zei­chen künf­tig aus­se­hen wird.“

Da die Bau­ar­bei­ten plan­mä­ßig vor­an­schrei­ten, beginnt der For­schungs­be­trieb im Dezem­ber 2016. Im Mai 2017 wird der Turm dann für Besu­cher geöff­net. „Für thys­sen­krupp Ele­va­tor wird der Test­turm in Rott­weil eine Schlüs­sel­funk­ti­on bei der Umset­zung der glo­ba­len Inno­va­ti­ons­stra­te­gie spie­len, die eine ent­schei­den­de Bedeu­tung für den Erfolg des Unter­neh­mens hat“, so Andre­as Schie­ren­beck, Vor­stands­vor­sit­zen­der von thys­sen­krupp Ele­va­tor. Gemein­sam mit dem Auf­zugs­werk in Neu­hau­sen auf den Fil­dern und als Teil des glo­ba­len For­schungs- und Ent­wick­lungs­netz­werks bil­det der Test­turm ein Inno­va­ti­ons­zen­trum für Auf­zugs­tech­no­lo­gi­en in Deutsch­land. Hier wer­den zukünf­tig Mobi­li­täts­lö­sun­gen ent­wi­ckelt und zer­ti­fi­ziert, um Städ­te zu den lebens­wer­tes­ten Orten der Welt zu machen.

thys­sen­krupp baut seit 2014 gemein­sam mit dem Gene­ral­un­ter­neh­men Züb­lin den Auf­zugs­test­turm. Zu den Zukunfts­tech­no­lo­gi­en, die in Rott­weil getes­tet wer­den, zählt ins­be­son­de­re die neu­es­te Auf­zugs­ge­nera­ti­on, der MULTI. Im Test­turm sind drei der zwölf Turm­schäch­te für das neue MUL­TI-Sys­tem vor­ge­se­hen. Als Antrieb kommt die Magnet­schwe­be­tech­no­lo­gie aus dem Trans­ra­pid zum Ein­satz.

Die­se hat eine Viel­zahl von Vor­tei­len: Durch die seil­lo­se Kon­struk­ti­on kön­nen meh­re­re Auf­zugs­ka­bi­nen in einem Auf­zugs­schacht betrie­ben wer­den. Das erhöht die Beför­de­rungs­ka­pa­zi­tät in einem Schacht um bis zu 50 Pro­zent und redu­ziert gleich­zei­tig den Platz­be­darf des Auf­zugs im Gebäu­de um die Hälf­te. Dazu kön­nen sich die Auf­zü­ge sowohl seit­wärts als auch ohne Limit in die Höhe bewe­gen, was eine nie dage­we­se­ne Archi­tek­tur der Gebäu­de erlaubt.