Waldmössingen: Trübe Quelle Regenüberlauf

Schmutzwasser gelangt in den Heimbach / Regeln der Technik eingehalten

SCHRAMBERG (him) – Nach längeren Regenfällen oder wenn der Schnee schmilzt, dann wird der Heimbach nicht nur aus klaren Quellen gespeist, er bekommt auch ordentlich Zufluss aus einer eher trüben Quelle: Das Regenüberlaufbecken beim Abenteuerspielplatz. In breitem Strom ergießt sich dann grau-bräunlich gefärbtes Wasser über die sonst trockenen Pflastersteine hinunter in den Bach.

„Bedenklich“ findet das Hariolf Schneider aus Waldmössingen. Zumal der Regenüberlauf seine Fracht kurz vor dem Spielplatz in den Heimbach münden lässt. „Ich lasse meine Kinder nicht mehr am Heimbach spielen“, sagt Schneider. Er hat beobachtet, dass viele auswärtige Besucher im Sommer den Heimbach nutzen, um Getränke oder Wassermelonen zu kühlen. „Die wissen ja nicht, was da vielleicht drin rumschwimmt.“

Nah beieinander: Regenüberlaufbecken und Spielplatz.
Nah beieinander: Regenüberlaufbecken und Spielplatz.

Die NRWZ hat Klaus Dezember, den Abteilungsleiter Tiefbau im Schramberger Rathaus gefragt, ob das denn so sein muss, dass da ungeklärtes Kanalisationswasser in den Heimbach fließt. „Ja, leider“, so seine Antwort. Jede Kläranlage könne nur eine bestimmte Wassermenge verarbeiten. Wenn diese Menge bei Stark- oder Dauerregen überschritten werde, würde das Wasser in den Regenüberlaufbecken (RÜB) aufgefangen. Wenn diese voll seien, werde Wasser in Flüsse und Bäche geleitet.

Dieses Wasser sei aber „von Grobstoffen schon gereinigt.“ Die setzen sich unten im Becken ab. Mit Rechen und anderen technischen Kniffen werde weitgehend verhindert, dass Fäkalien in die Bäche gelangen, aber „es kann passieren“, so Dezember. Das sei natürlich „nicht unproblematisch“. Auch er sei nicht glücklich mit dieser Lösung in Waldmössingen, aber sie entspreche „den anerkannten Regeln der Technik.“

Graubraun läufts heraus.
Graubraun läufts heraus.

 

Und Dezember hat Zahlen, die etwas beruhigen: „Im Jahr 2015 hat das RÜB an 34 Tagen in den Heimbach Wasser eingeleitet. Am stärksten betroffen waren die Monate März bis Mai mit 18 Abschlagstagen.“ Von Juni bis einschließlich August floss lediglich an sechs Tagen Kanal-Wasser aus dem RÜB in den Heimbach. Nur ein Bruchteil – Dezember spricht vom Faktor 15 – dessen, was der Heimbach im Frühjahr abbekommt, muss er im Sommer verkraften. Wenn also möglicherweise Kinder am Bach spielen, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie mit dem Schmutzwasser in Berührung kommen. Das Landratsamt werde auch regelmäßig informiert und bekomme die Daten von der Einleitung: „Vom Landratsamt haben wir keine Beanstandungen.“

Neben starken Regenfällen gebe es aber auch andere Gründe, dass das Wasser ungeklärt in die Flüsse gelangt: „Wir hatten schon Fälle, da hat ein Pullover im Abwasser die ganze Kläranlage außer Kraft gesetzt.“ Derlei „Schmutzfracht“ blockiere Rohre und Pumpen, und das Wasser werde ungeklärt abgeleitet.

Auch wenn die „Regeln der Technik“ eingehalten sind, in diesem Jahr möchte die Stadt weitere Verbesserungen in Waldmössingen am Regenüberlaufbecken installieren lassen: „Wir haben dafür 40.000 Euro im Haushalt vorgesehen“, so Dezember.

 

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