Eine Flüchtlingsunterkunft: das ehemalige Freizeitheim der AWO auf dem Vaihingerhof. Archiv-Foto: rottweil.net

Jetzt ist das „Vor­zei­ge­pro­jekt“, wie es Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß nennt, gestar­tet: Am Diens­tag die­ser Woche sind die ers­ten 20 Flücht­lin­ge in den Vai­hin­ger Hof ein­ge­zo­gen. Wei­te­re 50 sol­len im Febru­ar fol­gen. Damit wären etwa gleich vie­le Asyl­be­wer­ber wie Ein­woh­ner in dem Wei­ler Vai­hin­ger­hof bei Neu­kirch. Gleich­zei­tig sind ins alte Spi­tal in Rott­weil 60 Flücht­lin­ge gekom­men.

Hier wie dort han­delt es sich um Frau­en, Jugend­li­che und Kin­der aus Kriegs­ge­bie­ten. Eigent­lich war die Ankunft bereits für Mit­te Dezem­ber geplant, aber dann kam es zu Ver­zö­ge­run­gen.

Wäh­rend die Nut­zung des Vai­hin­ger Hofs vor­erst unbe­grenzt läuft, gibt es für das alte Spi­tal in Rott­weils Innen­stadt eine Gren­ze, wenn auch kei­ne kon­kre­te: Die Flücht­lin­ge dür­fen blei­ben, „bis die Hotel-Plä­ne eines Inves­tors spruch­reif sind“, wie es aus der Stadt­ver­wal­tung heißt. Das könn­te aller­dings schnel­ler gehen als gedacht, so die wei­te­re Aus­kunft, denn die Gesprä­che lie­fen ver­hei­ßungs­voll.

Bereits seit kurz vor Weih­nach­ten sind 30 Flücht­lin­ge im frü­he­ren Gebäu­de des Wirt­schafts­kon­troll­diens­tes (WKD) beim alten Poli­zei­ge­bäu­de und gegen­über der Feu­er­wa­che unter­ge­bracht. Damit beher­bergt die Stadt Rott­weil inzwi­schen mehr als 400 der rund 1400 Asyl­be­wer­ber im Land­kreis – deut­lich mehr als die vor­ge­schrie­be­ne Quo­te.

In Vai­hin­ger­hof ist, wie berich­tet, etwas ziem­lich Ein­zig­ar­ti­ges ent­stan­den. Nach­dem die Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO) ihr Erho­lungs­heim im frü­he­ren Schaf­stall Ende 2013 auf­ge­ge­ben hat­te und das Gebäu­de leer stand, hat es jetzt eine Bür­ger­ge­mein­schaft mit etwa 20 Fami­li­en aus dem Dorf gekauft, um das orts­prä­gen­de Ensem­ble zu erhal­ten und an den Land­kreis ver­mie­tet.

Der­weil sind die Flücht­lings­zah­len in den Bedarfs­ori­en­tier­ten Erst­auf­nah­me­stel­len (BEAs) der Regi­on seit Dezem­ber dras­tisch gesun­ken. Das gilt vor allem für die frü­he­re Kaser­ne in Vil­lin­gen, wo bis vor kur­zem 1200 Men­schen unter­ge­bracht waren, jetzt sind es noch 100. Ähn­lich sieht es bei den bei­den Ein­rich­tun­gen aus, die laut Ver­trag Ende März geschlos­sen wer­den müs­sen: Auf dem Schwen­nin­ger Mes­se­ge­län­de ist die Zahl von 850 auf 120 gesun­ken, in der frü­he­ren Kaser­ne Immen­din­gen, wo Daim­ler baut, von 1200 auf 160. Die bei­den wei­te­ren BEAs im Regie­rungs­be­zirk sind spär­lich belegt: In Frei­burg befin­den sich gera­de noch 30 von 920 Flücht­lin­gen, in Sas­bach­wal­den 120 von 750.

Ein­zig Donau­eschin­gen ist mit 1900 Asyl­be­wer­bern nahe an der Kapa­zi­täts­gren­ze von 2600. Mar­kus Adler, Spre­cher des Regie­rungs­prä­si­di­ums Frei­burg, wagt nicht zu sagen, wie die Ent­wick­lung in den kom­men­den Wochen ver­lau­fen wird. „Wir müs­sen uns alle Mög­lich­kei­ten offen hal­ten“, sagt er.