Die Buga-Seilbahn in Koblenz - ein Vorbild für Rottweil? Foto: Holger Weinandt (Infos zur Lizenz).

Die Nach­richt von der Rott­wei­ler Hän­ge­brü­cke, die die längs­te ihrer Art in der Welt wer­den soll, ist gera­de erst eine Woche alt, da liegt schon eine neue Idee vor. Gin­ge es nach den ört­li­chen Grü­nen, käme jetzt noch eine Seil­bahn vom Bahn­hof zur Innen­stadt dazu. Dann könn­ten Besu­cher der Stadt vom Bahn­hof bequem auch zur Hän­ge­brü­cke zum Turm gelan­gen.

Liegt abseits der Stadt und zudem im tal: der Rottweiler Bahnhof. Foto: pm
Liegt abseits der Stadt und zudem im Tal: der Rott­wei­ler Bahn­hof. Foto: pm

Bahn­hö­fe lie­gen ger­ne mal ungüns­tig: In Radolf­zell, bei­spiels­wei­se, tren­nen die Glei­se die Stadt vom Boden­see. Daher lau­fen dort die Pla­nun­gen für einen Umbau des Bahn­hofs und eine groß­zü­gi­ge Unter­füh­rung von der Stadt zum See, die See­tor­que­rung. Im ähn­lich gro­ßen Rott­weil liegt der Bahn­hof im Neckar­tal, der Höhen­un­ter­schied ist für Fuß­gän­ger müh­sam zu über­win­den.

Zweit­jüngs­te Idee, des­halb: eine wei­te­re Hal­te­stel­le gleich unter­halb des Spi­tals und ein Auf­zug zur Ver­bin­dung von Stadt und Hal­te­stel­le. Mit dem thyssenkrupp-Test­turm hat man die Auf­zug­bau­er ja schon in der Stadt. Erst bei der Vor­stel­lung der Hän­ge­brü­cke, die Innen­stadt und Turm ver­bin­den soll, ist die­ser Auf­zug wie­der erwähnt wor­den.

Sein Nach­teil: Eine sol­che Hal­te­stel­le „Rott­weil Mit­te” wür­de „nur” vom Ring­zug ange­fah­ren wer­den. Es ist für die Rei­sen­den, die von wei­ters her kom­men, also noch ein Umstieg von der Bahn auf den Ring­zug nötig.

Die­sen Umstieg wol­len die ört­li­chen Grü­nen jetzt ver­mei­den. Mit ihrer Idee gäbe es eine direk­te Ver­bin­dung vom Bahn­hof zur Innen­stadt: mit einer Seil­bahn. Wobei anzu­mer­ken ist, dass vom grü­nen Orts­ver­band Rott­weil-Zim­mern bis­lang nichts über die geplan­te Hän­ge­brü­cke vom Bocks­hof zum Ber­ner Feld zu hören war. Viel­mehr bezeich­nen sie das online als „spek­ta­ku­lä­re Idee”, die „Furo­re macht.” In einem Auf­ruf auf Face­book vom 22. Janu­ar heißt es: „Unse­re Mei­nungs­bil­dung beginnt. Wir brau­chen Euch dazu. Ver­än­dern oder bewah­ren? Oder gelingt eine geschmack­vol­le Ver­bin­dung zwi­schen alt und neu?” Ant­wor­ten sind kei­ne ein­ge­gan­gen.

Die Grü­nen holen für ihre Seil­bahn­idee etwas aus: „Mit Sie­ben­mei­len­stie­feln” mache sich Rott­weil der­zeit auf, „das ver­trau­te Alte spek­ta­ku­lär mit der Zukunft zu ver­bin­den.” Nach­hal­ti­ge Struk­tur­ver­än­de­run­gen aber sei­en eben­so wich­tig – „auch wenn die­se weni­ger in Super­la­ti­ven schwel­gen”, heißt es in dem von Frank Sucker ver­fass­ten Bericht des Orts­ver­bands der Grü­nen. Die­ser wün­sche sich ein „Update für die inner­städ­ti­schen Mobi­li­täts­ver­hält­nis­se: Fuß­gän­ger­freund­lich­keit, För­dern von Elek­tro­mo­bi­li­tät oder Erschlie­ßen der Poten­zia­le des Rad­ver­kehrs.” Auch der Öffent­li­che Nah­ver­kehr ver­die­ne einen Moder­ni­sie­rungs­schub, gera­de im Hin­blick auf die mit Test­turm und Hän­ge­brü­cke erwart­ba­ren Tou­ris­ten­strö­me und den Besu­cher­ver­kehr zur JVA, heißt es in der Erklä­rung des Orts­ver­bands.

Gast in der jüngs­ten Vor­stands­sit­zung des Orts­ver­bands war Tilo Schat­ter, zuletzt neben Sucker Kan­di­dat für den Rott­wei­ler Gemein­de­rat. Schat­ter gehe es beson­ders um Rott­weils topo­gra­fi­schen Nach­teil ging – die Anbin­dung der Innen­stadt an den abge­le­ge­nen Bahn­hof. Unter­tags fah­ren zwar vie­le Bus­se, doch hei­kel sei es ganz früh oder abends. Schat­ter klag­te auch über die Fahr­plä­ne an Hal­te­stel­len: „Sie sind zu klein, unbe­leuch­tet und für gera­de für älte­re Men­schen schwer les­bar.“ Wer wit­te­rungs­be­dingt im Bahn­hofs­ge­bäu­de Schutz sucht, fin­det dort kei­ne Bus­fahr­plä­ne.

Als vor­dring­lich erach­te­te die grü­ne Run­de eine Smart­pho­ne-App, die Kun­den aktu­ell über Ankunfts­zei­ten und Ver­spä­tun­gen von Bus­sen infor­miert. An stra­te­gisch wich­ti­gen Stel­len fehl­ten über­sicht­li­che elek­tro­ni­sche Anzei­ge­ta­feln. Vor­stands­mit­glied Jörg Hügel schlug die­se Stand­or­te vor: Fried­richs­platz, Bahn­hof, Näge­les­gra­ben, Post­amt, Land­rats­amt. In vie­len Städ­ten sei das kun­den­freund­li­cher Stan­dard. In ihrer Pres­se­mit­tei­lung urtei­len die Grü­nen so: „Es passt ein­fach nicht zusam­men, wenn Tou­ris­ten Rott­weil besu­chen, um moder­ne Archi­tek­tur und tou­ris­ti­sche High­lights zu bestau­nen, und dann kei­ne zeit­ge­mä­ße Ver­kehrs­in­fra­struk­tur antref­fen.”

Könnte hier eine Seilbahn hochlaufen? Foto: pm
Könn­te hier eine Seil­bahn hoch­lau­fen? Foto: pm

Sei eine Anbin­dung des Bahn­hofs an die Innen­stadt über eine Seil­bahn dann abwe­gi­ge Träu­me­rei oder Zukunfts­mu­sik? Die­se Fra­ge stel­len sich die Grü­nen der­zeit. 

Vor­stands­mit­glied Frank Sucker berich­te­te in der Sit­zung der Grü­nen über ein Gespräch mit dem öster­rei­chi­schen Unter­neh­men Dop­pel­mayr, das unter ande­rem die Seil­bahn Koblenz, auch Buga-Seil­bahn oder Rhein­seil­bahn genannt, gebaut hat, eine Luft­seil­bahn über den Rhein.

Es sei heu­te mög­lich, sol­che Bah­nen bedarfs­ab­hän­gig und ohne gro­ßen Per­so­nal­auf­wand zu betrei­ben, erklärt Sucker nun. Die Kos­ten sei­en inzwi­schen gerin­ger und bei ent­spre­chen­der ver­kehrs­po­li­ti­scher Begrün­dung flös­sen För­der­gel­der. Auch Fahr­rä­der lie­ßen sich mit so einer Seil­bahn trans­por­tie­ren. Ent­schei­dend für die Wirt­schaft­lich­keit sei – so habe ihm die öster­rei­chi­sche Fir­ma mit­ge­teilt- eine aus­rei­chen­de Nach­fra­ge. „Lässt sich die­se über Test­turm, Hän­ge­brü­cke, JVA errei­chen”, fragt Sucker. „Auf jeden Fall”, meint der Grü­ne, „soll­te es städ­ti­sches Ziel sein, mög­lichst vie­le Tou­ris­ten anzu­lo­cken, die umwelt­scho­nend mit der Bahn anrei­sen und die­se bei ihrer Ankunft am Bahn­hof dann nicht zu ent­täu­schen.”