Engelberd Leib referierte in Deißlingen zum Thema Patientenvollmacht. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN (mm) – In einem gut besuch­ten Vor­trag der katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung Deiß­lin­gen erläu­ter­te Engel­berd Leib, Geschäfts­füh­rer des Betreu­ungs­ver­eins im Land­kreis Rott­weil, im Gemein­de­zen­trum die Vor­zü­ge von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Vor­sor­ge­voll­macht.

Die emp­feh­len sich neben dem Bau­spar­ver­trag eigent­lich schon ab 18 Jah­ren, wie Leib beton­te. Sein Bei­spiel: Der 18-Jäh­ri­ge Sohn lan­det nach einem Motor­rad­un­fall in der Kli­nik, und wenn die Eltern dann kei­ne Voll­macht haben, bekom­men sie im schlimms­ten Fall nicht ein­mal Aus­kunft vom Arzt,  dür­fen nicht mit­ent­schei­den, wel­che Ein­grif­fe gemacht wer­den sol­len oder nicht.

Das­sel­be gilt auch unter Ehe­part­nern. Und die Pati­en­ten­ver­fü­gung ist rat­sam, damit man klar stel­len kann, was mit einem geschieht, wenn man das eines Tages nicht mehr selbst ent­schei­den kann. Sol­len die Maschi­nen abge­schal­tet wer­den, wenn man unheil­bar krank ist?

Leib riet aber vor allem dazu, sol­che Din­ge im Fami­li­en­kreis zu klä­ren. Und Voll­mach­ten nur sol­chen Men­schen aus­zu­stel­len, denen man wirk­lich ver­traut. Sonst kön­ne es einem pas­sie­ren, dass plötz­lich das Häus­le weg ist – der­je­ni­ge, der die Voll­macht hat, hat dann näm­lich auch die Fin­ger auf dem Ver­mö­gen.

Nicht alle Din­ge sind also gelöst, wenn man so vor­sorgt. Und manch­mal ist es auch bes­ser, sie nicht zu haben. Leib erzähl­te von einem Fall aus Schram­berg: Eine 4-Jäh­ri­ge lag nach einem Herz­in­farkt im Kran­ken­haus, nicht mehr ansprech­bar. Die Mut­ter hat­te kei­ne Ver­fü­gung, mein­te aber, ihre Toch­ter hät­te nie gewollt, an Appa­ra­ten zu  hän­gen den Rest ihres Lebens. Der Arzt wie­der­um war opti­mis­tisch, heu­te geht die  Frau wie­der arbei­ten.

Ist der alte Vater aber im Pfle­ge­heim und dement, kann es den Kin­dern sehr hel­fen, wenn sie sowohl Ver­fü­gung als auch Voll­macht haben. So kön­nen sie Anträ­ge stel­len und im schlimms­ten Fall das Eigen­heim ver­kau­fen, um die Kos­ten zu stem­men.

Wo depo­niert man nun so eine Voll­macht am bes­ten? Zuhau­se in den Akten, wo sie dann im Not­fall kei­ner fin­det? „Man kann eine Kopie beim Notar las­sen“, beton­te Leib. Zahl­rei­che Fall­bei­spie­le hat­te er mit­ge­bracht, immer­hin ist er selbst in oft genug als Betreu­er gefragt, auch bei Fäl­len, wo er vom Arzt gefragt wird, wie der Schwer­kran­ke wei­ter­be­han­delt wird.

Und er riet den zahl­rei­chen Zuhö­rern, die eige­nen Wün­sche für den Not­fall nicht nur mit der Fami­lie, son­dern auch mit dem Haus­arzt zu bespre­chen. Das loh­ne sich auf jeden Fall, auch wenn der dann mög­li­cher­wei­se eine Gebühr dafür ver­lan­ge.