Ein Rottweiler Großprojekt steht kurz vor der Vollendung: Nach mehr als einjähriger Grundsanierung (seit September 2015) beginnt am kommenden Mittwoch der Gerüst-Abbau am Schwarzen Tor. Am darauffolgenden Wochenende wird das Rottweiler Wahrzeichen „in neuem altem Glanz erstrahlen”, wie es Stadtsprecher Tobias Hermann formuliert.

Bei dem rund 800 Jahre alten Denkmal wurde – zum ersten Mal seit 50 Jahren – jeder Stein vom Boden bis zum Dach gleichsam umgedreht und notfalls ausgetauscht. „Wir haben die Ruß- und Dreckschicht entfernt, ungefähr 25 Tonnen Steine ausgewechselt und 1500 bis 1800 Meter neue Fugen verlegt”, berichtet Steinbildhauer Klaus Locher aus Fridingen (Donau), ein Experte für Stein-Retaurierung. Der größte und schwerste Stein, der ausgetauscht werden musste, wog allein 16 Zentner.

Restaurator Stefan Widmer. Foto: pm
Restaurator Stefan Widmer. Foto: pm

Restaurator Stefan Widmer, ein gebürtiger Rottweiler, der auch schon im Jemen gearbeitet hat und aus der früheren gleichnamigen Bäckerei stammt, glaubt, dass die Grundsanierung „die nächsten 100, 200 Jahre halten wird”. Allerdings rät er, nach etwa 50 Jahren mal nachzuschauen, falls eventuell kleinere Nachbesserungen nötig sind. Die Fugen halten noch länger. „Wir haben teilweise flüssiges Blei verwendet”, sagt Klaus Locher, „das hält locker 200 bis 300 Jahre.”

Für die Grundsanierung sei es höchste Zeit gewesen. „Wir haben an der ganzen Fassade nicht nur etwa 800 Löcher, sondern auch lockeres Gestein gefunden, das jederzeit hätte herunterfallen können.”

Nach dem Abbau des Gerüsts, so Stefan Widmer weirer, sei es kein Schwarzes Tor mehr im eigentlichen Sinn, sondern ein deutlich helleres als in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Arbeiten haben auch zwei neue Erkenntnisse geliefert: Zum einen ist jetzt der endgültige Beweis erbracht, dass das einstmals rundum bemalte Schwarze Tor bei einer ersten Sanierung im Jahr 1571 schwarz bemalt worden sei und daher auch seinen Namen habe. Der Grund ist so schlicht wie die Farbgebung: Das war damals die billigste Lösung.

Zum zweiten entdeckten Widmer und Co. im Durchgang, wo zum ersten Mal überhaupt ein Gerüst aufgebaut wurde, Spuren von Malereien. Sie wurden gesichert. Jetzt gibt es Überlegungen, die wertvollen Zeugen der Vergangenheit eventuell anzustrahlen. „Meine Aufgabe ist der Erhalt nach maximaler Möglichkeit”, sagt Stefan Widmer.

Die Arbeiten erfordern Kosten von rund 1,2 Millionen Euro. 700.000 Euro muss die Stadt selbst aufbringen, 250.000 Euro übernimmt der Bund und 150.000 Euro das Land. Weitere 100.000 Euro kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die sich vor allem aus Toto-Lotto-Geldern finanziert. Die provisorische Folie, die das Tor während der Bauarbeiten täuschend echt umhüllte, kostete 6500 Euro.

Das Gerüst im Durchgang bleibt vorerst noch stehen, um Restarbeiten zu erledigen. Aber spätestens zum Narrentag, das versprechen die Verantwortlichen hochheilig, wird es verschwunden sein.

Die Geschichte des Schwarzen Tors

Das Schwarze Tor geht auf das Jahr 1230 zurück. Die Erbauer nutzten Materialien aus der Umgebung: Stuben-, Buntstein und Dolomit. Für Tuff nahmen sie die damals weiten Fahrten ins Bäratal auf sich. Zweimal, 1571 und 1705, wurde das Tor erhöht. Zunächst um zwei Geschosse mit abschließenden Zinnenkranz und offenem Umgang. Zeitgleich wurde der Treppenturm mit Wendeltreppe angebaut.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde aus dem Zinnenkranz ein weiteres Geschoss, zudem erhielt der Bau ein zeltförmiges Dach. Das Schwarze Tor weist heute eine Traufhöhe von 23 Metern auf. Der aus Buckelquadern errichtete Torturm besteht aus sieben Geschossen. Es ist das einzig erhaltene Stadttor von Rottweil. Um das Schwarze Tor rankt sich auch eine mündlich überlieferte Legende. Demnach ist der Villinger Stadtheld Romäus, der zum überlebensgroßen Riesen stilisiert wurde, nachts nach Rottweil marschiert, hat dort das Stadttor aus den Angeln gehoben und dieses nach Villingen getragen. här

 

 

-->