Familienbild mit Bischöfen. Fotos: vhh

DIETINGEN – „Eine klei­ne bra­si­lia­nisch-deut­sche Bischofs­kon­fe­renz“ freu­te sich Weih­bi­schof Tho­mas Maria Renz bei sei­ner Begrü­ßung in der St. Niko­laus­kir­che in Die­tin­gen. Zu Besuch waren Bischof Leo­nar­do Ulrich Stei­ner, bis vor kur­zem Gene­ral­se­kre­tär der bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Bischof Jai­me Speng­ler, Erz­bi­schof von Por­to Aleg­re und ers­ter stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und Bischof Ber­nar­do Johan­nes Bahl­mann, Bischof von Obi­dos am Ama­zo­nas und Vor­sit­zen­der der Bischö­fe in Ost-Ama­zo­ni­en.

Mit ihnen fei­er­ten Dekan Albrecht Zepf, Ver­wand­te von Pater Godo­f­re­do Sie­ber, Freun­de, Gemein­de­mit­glie­der und Gäs­te als Mit­tel­punkt ihres Besuchs Got­tes­dienst. Dabei rück­te Welt­kir­che ganz nah, denn alle drei brach­ten einen Impuls aus ihrer Arbeit in Bra­si­li­en mit, denn „wenn drei Bischö­fe da sind, gibt es auch drei Pre­dig­ten“, mein­te Bischof Bahl­mann schmun­zelnd.

Erz­bi­schof Speng­ler erzähl­te von einem Pas­to­ral­be­such. Es gab dort eine Frau, arm und in gro­ßer Not. Zwei ihrer Söh­ne waren in kri­mi­nel­le Geschäf­te ver­wi­ckelt und wur­den in kür­zes­ter Zeit ermor­det. Bei einem Besuch traf man sie an wie schla­fend, die Bibel als Kopf­kis­sen unter ihrem Ohr, dabei konn­te sie gar nicht lesen. Auf die Fra­ge danach ant­wor­te­te sie: Ich ver­su­che zu erlau­schen, was Gott mir sagen will. Zu erlau­schen, was Gott sagen will, aber auch das Zuhö­ren in der Begeg­nung mit den Men­schen sind die Weg­wei­ser, wenn es hier in Deutsch­land wie auch dort in Bra­si­li­en dar­um geht Wege zu fin­den, Jugend­li­chen den Glau­ben zu erschlie­ßen und Fami­li­en zu beglei­ten. In einem Nach­ge­spräch wur­de es kon­kret: „Selbst­ver­let­zung und Selbst­mord sind ein gro­ßes The­ma an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten in mei­ner Diö­ze­se.“ Es ist wich­tig, das beim Namen zu nen­nen und die Augen nicht vor der Not der Jugend­li­chen zu ver­schlie­ßen.

Bischof Stei­ner berich­tet von sei­ner Arbeit in der Haupt­stadt Bra­si­lia: Dort gibt es die größ­te Fave­la (Armen­vier­tel) Bra­si­li­ens, viel­leicht sogar die größ­te Süd­ame­ri­kas. Aber es gibt auch vie­le leben­di­ge Gemein­den. Trotz gro­ßer Nöte ist die Dank­bar­keit die Basis, auf der sich vie­le, gera­de auch jun­ge Men­schen für ihre Nächs­ten in Dienst neh­men las­sen. Die­se Dank­bar­keit zu pfle­gen leg­te er den Mit­fei­ern­den an Herz.

Bischof Bahl­mann berich­te­te aus dem Ama­zo­nas­ge­biet. Mit cir­ca zwei Dut­zend Pries­tern betreut er etwa 180 000 Katho­li­ken. Bis zu 150 Orts­ge­mein­den umfasst eine Pfarr­ge­mein­de. Vor Ort lei­ten Lai­en, oft Frau­en die Gemein­den. Auch zu den Brän­den im Ama­zo­nas­ge­biet nahm er Stel­lung: „Im Ama­zo­nas­ge­biet war die Kir­che schon immer eine, die sich ein­misch­te, kon­kret anpack­te und für die Rech­te der Men­schen ein­stand.“ Des­halb schwei­gen die Bischö­fe Ama­zo­ni­ens auch nicht, wenn es um die Wald­brän­de geht. Wenn die Poli­tik nicht bereit ist, Hil­fe aus Deutsch­land und ande­ren Län­dern anzu­neh­men, muss das nicht hei­ßen, dass Kir­che nicht ihre welt­kirch­li­chen Ver­bin­dun­gen nutzt, wenn es um die Auf­fors­tung der Regen­wäl­der geht. Das Feu­er wer­de schon lan­ge zur Pfle­ge der bestehen­den Wei­den ein­ge­setzt, so Bahl­mann, aber die Brän­de, die jetzt wüten, sind außer Kon­trol­le. Sie sind gelegt, um noch mehr wirt­schaft­li­chen Gewinn zu erzie­len. Fort­schritt wer­de immer gemes­sen am Gewinn. Aber wir soll­ten Fort­schritt dar­an mes­sen, wie gut es uns gelingt, die Welt als Got­tes Schöp­fung zu begrei­fen und so zu leben. Das schließt auch uns Men­schen ein. Natur fängt nicht irgend­wo an. Wir Men­schen sind Teil davon. Unter der Über­schrift “Ganz­heit­li­che Öko­lo­gie“ sind die­se Gedan­ken Schwer­punkt­the­ma der Ama­zo­ni­en-Syn­ode, eines Tref­fens von etwa 120 Bischö­fen aus neun Län­dern aus der Ama­zo­nas­re­gi­on mit dem Papst, das am 6. Okto­ber in Rom beginnt.

Kir­che packt kon­kret an: Ein Bei­spiel dafür ist das Kran­ken­haus­schiff „Papa Fran­cis­co“, das seit Juni auf dem Ama­zo­nas die medi­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung von etwa 700 000 Men­schen auf ca 1000 km sichert. Zuguns­ten die­ses Pro­jek­tes konn­te Bischof Bahl­mann am Ende des Abends eine Spen­de von mehr als 2700 Euro aus der Kol­lek­te und von der Kir­chen­ge­mein­de St. Niko­laus über­ge­ben wer­den. „Bei uns Fran­zis­ka­nern heißt es: eure Ver­wand­ten sind auch unse­re Ver­wand­ten, und so kön­nen wir uns als gro­ße Fami­lie ver­ste­hen.“, sag­te er zum Abschluss des Got­tes­diens­tes. Dies wur­de spür­bar an die­sem Abend. Groß­fa­mi­lie Sie­ber und die Kir­chen­ge­mein­de Die­tin­gen freu­en sich jetzt schon auf den nächs­ten Besuch. Bis dahin, so baten die Bischö­fe, bleibt mit uns im Gebet ver­bun­den.