Da waren sie noch gemeinsam am Ruder: die Südpol-Geschäftsführer Ralf Ganter (links) und Jürgen Reiter. Ganter ist mittlerweile aus der Geschäftsführung des Unternehmens ausgeschieden, das jetzt wiederum einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Foto: NECKARQUELLE

Die Nie­dere­scha­cher Agen­tur Süd­pol hat einen Antrag auf Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens gestellt. Das berich­tet die in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen erschei­nen­de NECKARQUELLE. Es ist nicht der ers­te Insol­venz­an­trag des Unter­neh­mens. Schon 2011 hat­ten die Geschäfts­füh­rer der Vor­gän­ger­fir­ma den Gang zum Amts­ge­richt ange­tre­ten.

Von Danie­la Schnei­der, NECKARQUELLE

Die­ses Mal hat der mitt­ler­wei­le allei­nig ver­blie­be­ne Geschäfts­füh­rer Jür­gen Rei­ter den Antrag auf Eröff­nung des Ver­fah­rens beim Vil­lin­ger Amts­ge­richt gestellt. Zur vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­te­rin wur­de sei­tens des Gerichts  Elke Bäu­er­le von der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft für Insol­venz­ver­wal­tung Schult­ze und Braun in Rott­weil bestimmt. Sie war ges­tern in Nie­dere­schach vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu ver­schaf­fen.

Hier, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Uhrenfabrik Peter ist der Geschäftssitz der Agentur. Foto: NECKARQUELLE
Hier, in den Räum­lich­kei­ten der ehe­ma­li­gen Uhren­fa­brik Peter ist der Geschäfts­sitz der Agen­tur. Foto: NECKARQUELLE

Die Süd­pol GmbH hat ihren Sitz in der Rott­wei­ler Stra­ße in Nie­der­schach in der auf­wen­dig und modern sanier­ten ehe­ma­li­gen Fabrik Peter-Uhren. Auf über 4000 Qua­drat­me­tern im zum „Expe­di­ti­ons­schiff“ umge­stal­te­ten Gebäu­de gaben sich einst – so jeden­falls der Ein­druck nach außen – immer wie­der wich­ti­ge Kun­den die Klin­ke in die Hand.  Die Krea­ti­ven waren mit aller­hand auch spek­ta­ku­lä­ren Auf­trä­gen immer wie­der im Gespräch gewe­sen. Erin­nert sei da an die Pro­sec­co-in-der-Dose-Kam­pa­gne mit  Hoteler­bin und Skan­dal-Girl Paris Hil­ton, mal ganz abge­se­hen von der Tat­sa­che, dass auch der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Karl Rom­bach mit der Agen­tur zusam­men­ge­ar­bei­tet hat und ihr sei­nen Slo­gan „Mit mir ka mer schwät­ze“ zu ver­dan­ken hat.

Außer­dem mach­te Süd­pol zum Bei­spiel Wer­bung für Groß­kun­den wie die Herm­le AG, Mai­co, Hess, Tes­to oder die Sport­händ­ler Sohn, Kaps und Sport-Mül­ler oder den Gesund­heits­ver­sand Hei­ne.

Des­halb über­rasch­te es schon Vie­le, als die Agen­tur oder genau­er die dama­li­ge Süd­pol GmbH & Co. KG und die dazu gehö­ri­ge Ver­wal­tungs­ge­sell­schaft 2011 einen Insol­venz­an­trag stell­te. Aus­schlag­ge­bend für die Zah­lungs­un­fä­hig­keit, so wur­de damals ver­mel­det, sei­en das Weg­bre­chen eines gro­ßen Kun­den und hohe Ver­bind­lich­kei­ten für die Nie­dere­scha­cher Immo­bi­lie gewe­sen, für die man damals hohe Miet-Lea­sing-Raten abzu­zah­len hat­te.

Die Süd­pol GmbH & Co. KG und die dazu gehö­ri­ge Ver­wal­tungs­ge­sell­schaft wur­den letzt­lich abge­wi­ckelt, an ihrer Stel­le wur­de die Auf­fang­ge­sell­schaft Süd­pol GmbH gegrün­det. Der dama­li­ge Insol­venz­ver­wal­ter gab das Ziel aus, das Unter­neh­men „durch Sanie­rung zu erhal­ten.“ Der Per­so­nal­stamm ver­rin­ger­te sich bis Juni 2012 von 30 auf dann 25 Mit­ar­bei­ter.

Damals war auch noch der zwei­te Geschäfts­füh­rer Ralf Gan­ter mit im Boot; er ist mitt­ler­wei­le aus der Süd­pol-Geschäfts­lei­tung aus­ge­schie­den.

Die Kun­den, so berich­te­ten die bei­den Geschäfts­füh­rer sei­ner­zeit im Juni 2012, blie­ben dem Unter­neh­men treu, neue kamen gar noch hin­zu, dar­un­ter auch die Schram­ber­ger Fir­men­grup­pe Kern-Lie­bers. Ein betriebs­wirt­schaft­li­ches Con­trol­ling wur­de ein­ge­führt, der kauf­män­ni­sche Bereich per EDV ver­stärkt. Die Mul­ti­me­dia- und die Gra­phik­ab­tei­lung wur­den zusam­men­ge­legt, eine eige­ne Ver­triebs­ab­tei­lung ins Leben geru­fen und der Fuhr­park mit ehe­dem zwölf Fahr­zeu­gen kom­plett auf­ge­löst. Auch die Preis­kal­ku­la­ti­on wur­de „ange­passt.“

Und dann war da auch noch die Idee, die Fir­men­räum­lich­kei­ten für spe­zi­el­le Events, Tagun­gen oder Semi­na­re zu ver­mie­ten, auch in Koope­ra­ti­on mit dem Donau­eschin­ger Cate­rer Gün­ther Kum­mer­län­der, übri­gens.

Der Erhalt per Unter­neh­mens­sa­nie­rung schien zunächst gelun­gen zu sein. Erst im Janu­ar die­ses Jah­res zum Bei­spiel lud die Wirt­schafts­för­de­rung Schwarz­wald-Baar-Heu­berg zum Unter­neh­mer­früh­stück in die Räum­lich­kei­ten der „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schmie­de“, unter deren Dach sich damals  auch Ralf Gan­ters Foto­stu­dio Inspi­ra­ti­ons, die Fir­men Ralf Gan­ter Art&Event und 1A Pre­sen­ta­ti­on und  Ide­en für Ide­en prä­sen­tier­ten. Letz­te­re sind im Übri­gen von der aktu­el­len Insol­venz alle aus­drück­lich nicht betrof­fen, son­dern aus­schließ­lich die Süd­pol GmbH.

Insol­venz­ver­wal­te­rin Elke Bäu­er­le berich­te­te ges­tern auf Nach­fra­ge der NECKARQUELLE, dass die Agen­tur unter ande­rem wohl in Schief­la­ge gera­ten sei, weil Dritt­kos­ten – also zum Bei­spiel Kos­ten für Foto­auf­trä­ge, Druck­kos­ten und ähn­li­ches – stets vor­fi­nan­ziert wer­den müss­ten; hin­zu kom­me eine offen­bar redu­zier­te Auf­trags­la­ge.

Gleich­zei­tig ver­wies die Fach­frau in Insol­venz­fra­gen dar­auf, dass es zum aktu­el­len Zeit­punkt noch „sehr, sehr früh“ sei, etwas über die kon­kre­ten Zukunfts­aus­sich­ten des Unter­neh­mens zu sagen.

Fest steht laut Bäu­er­le:  Aktu­ell  gibt es Gehalts­rück­stän­de, bei eini­gen der sie­ben ver­blie­be­nen Mit­ar­bei­ter seit zwei, bei ande­ren gar seit drei Mona­ten. Am Nie­dere­scha­cher Fir­men­sitz, in dem die Süd­pol GmbH Mie­te­rin ist, gebe es der­zeit „einen wenn auch sehr ein­ge­dampf­ten Agen­tur­be­trieb“, der auch wei­ter­lau­fe.

Die Immo­bi­lie selbst befin­det sich offen­bar im Besitz der Nie­dere­scha­cher Fir­ma Peter-Park GmbH; sie befasst sich mit dem Erwerb, der Bebau­ung und Ver­wer­tung von Grund­stü­cken und hat ihren Sitz eben­falls in dem Gebäu­de an der Rott­wei­ler Stra­ße.