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Dienstag, 25. Februar 2020

Wie hirngerechtes Lernen gelingen kann

ROTTWEIL (pm) – „Können ist wichtiger als Wissen“ oder „Mehr Freiheit und Verantwortung bringt mehr Erfolg beim Lernen“ – waren zentrale Thesen eines Vortrags von Prof. Dr. Peter Struck an der Konrad-Witz-Schule für Eltern und Lehrkräfte.

Grundlage seiner Ausführungen sind Erkenntnisse der Hirnforscher und Lernpsychologen wie hirngerechtes Lernen gelingen kann. Der bundesweit bekannte Erziehungswissenschaftler von der Uni Hamburg gab zum einen den zahlreich erschienenen Kollegen aus allen Schularten manchen Fingerzeig in Richtung veränderte Unterrichtskultur und erinnerte daran, wie Wissen erfolgreicher durch Tun und Handlungsorientierung gespeichert wird als durch bloßes Hören und Sehen.

Zum andern erläuterte der Professor den ebenfalls zahlreich erschienen Eltern, dass beim Lernen oftmals weniger auch mehr sein kann oder, wie Ganztagesschulen durch Rhythmisierung mehr Vorteile bieten als die noch weit verbreitete Halbtagesschule. Dabei stellte Struck dar, wie Kinder und Jugendliche durch mehr Bildungszeit nicht nur mehr lernen sondern mehr Freizeit haben, damit Elternhäuser entlastet und Nachhilfekosten vermindert werden können.

Bei der sehr gut besuchten Veranstaltung im Musikpavillon konnte die große Hörerschar erfahren, wie Jungen anders lernen als Mädchen, Kinder anders lernen als Jugendliche und dies zu anderen Zeitpunkten. Warum also den Unterricht für Jugendliche nicht später beginnen und enden lassen? – stelle er provozierend in den Raum.

Professor Struck konnte Eltern wie Lehrkräften veranschaulichen, dass junge Menschen infolge der multimedial vernetzten Kinderzimmer und der Smartphones heute ganz andere Hirnvernetzungen haben als früher und deshalb auf ganz andere Weisen lernen als frühere Generationen.

Für den Umgang mit den neuen Medien gab der Wissenschaftler drei Empfehlungen mit: auswählen, dosieren und begleiten! Dabei verwies er auf die Erkenntnis, wonach bis zum 13. Lebensjahr die Wesenspersönlichkeit ziemlich fest geprägt ist und demnach alle Einflüsse durch etwa viel TV-Konsum oder Ballerspiele am PC besonders in der Kindheit unter strengster Beobachtung stehen sollte.

Ausführlich behandelte Struck die neuen Herausforderungen durch die Heterogenität an allen Schularten und belegte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen die vielfältigen Lernchancen für alle, insbesondere für stärkere Lerner durch die Mischung der Lerngruppen. Die Unterschiede nutzen für das Lernen in Partnerarbeit und kleinen Gruppen und das individuelle Lernen stärken, wie es insbesondere an der Gemeinschaftsschule gefordert wird, sind wichtige Faktoren des Lernerfolgs.

Kinder und Jugendliche brauchen mehr Freiräume für selbstständiges Lernen, damit mehr Verantwortung. Die sei eine wichtige Motivationskraft, mehr als Noten und Zensurendruck, denn Lernen braucht Zukunfts- und Kompetenzorientierung. Angst war schon immer ein schlechter Lernbegleiter. Im Gegenteil fördern Erfolgserlebnisse die Lust. Gerade Kinder unter 14 Jahren können erfahren, wie sie nicht für Mama oder Papa lernen, sondern sich für ihre Fähigkeiten und ihr Wissen anstrengen. Ordnungs- und Anstrengungsbereitschaften werden in jungen Jahren zugrunde gelegt.

Zum Schluss führte Professor Struck aus, was gute Schulen auszeichnet. Dabei freuten sich das Kollegium mit Schulleitung und Eltern über seine Bemerkung, dass die KWS insbesondere mit der Gemeinschaftsschule viele Aspekte und Kriterien erfülle.

 

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