Pressesprecher Thilo Sehling bei den Kamelen. Gut zu erkennen, dass die Tiere ihr Winterfell verlieren. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Inzwi­schen scheint schon wie­der die Son­ne:  Der Umzug des Cir­cus Roland Busch von Balingen nach Schram­berg fand unter denk­bar uner­freu­li­chen Begleit­um­stän­den statt. (Wir berich­te­ten an ande­rer Stel­le)

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Der Cir­cus ist da. Foto: him

Die Stadt sieht die Sache sach­lich. Der Zir­kus habe „sich bereits vor eini­gen Wochen im Rat­haus gemel­det und eine Ver­an­stal­tungs­flä­che für ein Gast­spiel ange­fragt“, teilt die Ver­wal­tung am Mon­tag mit. Da der Zir­kus ein ange­mel­de­tes Gewer­be betrei­be und der Stadt­ver­wal­tung kei­ne Rechts­ver­stö­ße oder ande­re Grün­de gegen die Ver­mie­tung bekannt gewe­sen sei­en, „wur­de mit ihm ein Nut­zungs­ver­trag für eine Flä­che auf dem Witt­um­ge­län­de abge­schlos­sen.“  Die Stadt habe „kei­ne recht­li­che Hand­ha­be, um uns von dem Nut­zungs­ver­trag zu lösen“,  so Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog.

Auch die Vor­fäl­le beim Gast­spiel in Balingen rei­chen wohl nicht aus. Dort war ein Kamel nach einer Vor­stel­lung ver­en­det: „Es hat­te eine Kolik“, sagt der Pres­se­spre­cher des Cir­cus Rudolf Busch, Thi­lo Seh­ling. Das habe der Vete­ri­när ein­deu­tig fest­ge­stellt. Zu einer Schlä­ge­rei auf einem Park­platz bei einem Ein­kaufs­markt woll­te Seh­ling nichts sagen: „Das unter­su­chen Kri­po und Staats­an­walt­schaft.“

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Thi­lo Seh­ling bei einer ande­ren Grup­pe Kame­le. Foto: him

Die Tier­schüt­zer kri­ti­sie­ren den Ein­satz von Wild­tie­ren im Zir­kus. „Wild­tie­re gehö­ren nicht in die Zir­kus­ma­ne­ge, denn sie stel­len beson­ders hohe Ansprü­che an ihre Hal­tung und Unter­brin­gung“, schreibt der Vor­sit­zen­de des Schram­ber­ger Tier­schutz­ver­eins Clau­dio Di Simio. „In einem Zir­kus­un­ter­neh­men ist eine ver­ant­wort­ba­re Hal­tung von Wild­tie­ren grund­sätz­lich nicht mög­lich.“ Tho­mas Mos­mann, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­bands der Tier­schutz­al­li­anz, schreibt:  „Aus ethi­scher Sicht gibt es kei­ner­lei Recht­fer­ti­gung, Wild­tie­re zum Zweck des Geld­erwerbs gefan­gen zu hal­ten, zu dres­sie­ren und zum Ver­gnü­gen in der Mane­ge vor­zu­füh­ren.“

Die­sen Kri­ti­kern nimmt Seh­ling den Wind aus den Segeln: „Wir haben kei­ne Raub­tie­re und kei­ne Wild­tie­re, das sind Haus- oder Nutz­tie­re, näm­lich Kame­le, Ponys, Pfer­de, Lamas, Zebras und Zie­gen.“ Sogar ein paar Hüh­ner tum­meln sich auf dem Gelän­de. Seh­ling ärgert, dass über den Zir­kus mit sei­nen etwa 40 Mit­wir­ken­den ein „shit­s­torm“ los­ge­bro­chen sei, „ohne dass sich die Leu­te vor­her infor­miert haben.“

Am Mitt­woch­vor­mit­tag auf dem Witt­um­ge­län­de haben die Zir­kus­leu­te die Zel­te und Gehe­ge für die Tie­re auf­ge­baut. Der Boden ist tief, teil­wei­se noch schnee­be­deckt. Doch die Unter­stän­de und Boxen der Tie­re sehen ordent­lich aus. Seh­ling, im Haupt­be­ruf „Clown Rob­by“, zeigt auf die Kame­le und ärgert sich: „Da kom­men Leu­te vor­bei und sehen das zot­te­li­ge Fell, machen Bil­der mit dem Han­dy, stel­len sie ins Netz und erzäh­len, die Tie­re sei­en schlecht gepflegt. Dabei ver­lie­ren die nur gra­de ganz nor­mal ihr Win­ter­fell.“ Er steigt in das Gehe­ge und zieht ein Haar­bü­schel ab. Das Kamel kuschelt sich an ihn.

Seh­ling ist über­zeugt, dass es Zir­kus­pfer­den oft­mals bes­ser gehe als pri­vat gehal­te­nen Pfer­den: „Die kom­men oft nur ganz kurz mal raus und ste­hen sonst in der Box, bei uns ist immer jemand da.“

Neben eini­gen Tier­dres­sur­num­mern bie­tet der Zir­kus klas­si­sche Artis­tik mit Ver­ti­kal­tü­chern, eine Feu­er­show ist dabei, Jon­gla­ge und Mes­ser­wer­fer sind dabei, die mit Toma­hawks und Mor­gen­ster­nen für Span­nung sor­gen.

Revier­lei­ter Erich Moos­mann und sein Stell­ver­tre­ter Ulrich Fischer schau­en auf dem Gelän­de vor­bei. Aus poli­zei­li­cher Sicht sei alles in Ord­nung, erklärt Moos­mann der NRWZ. Ein Vete­ri­när hat­te tags zuvor die Zir­kus­leu­te und –Tie­re besucht. „Die Vor­aus­set­zun­gen für eine tier­ge­rech­te Hal­tung wur­den wei­test­ge­hend erfüllt“, so sein Fazit laut der Spre­che­rin des Land­rats­amts Bri­git­te Stein.

Noch steht das große Zelt nicht. Foto: him
Noch steht das gro­ße Zelt nicht. Foto: him

Noch steht das gro­ße Zelt nicht. „Wir war­ten, bis der Boden etwas tro­cke­ner ist“, sagt Clown Rob­by, „aber das geht schnell bei uns.“ Seit Tagen scheint end­lich mal wie­der die Son­ne.

Info: Der Cir­cus Rudolf Busch gas­tiert  vom 28. April bis 1. Mai auf dem Witt­um­ge­län­de in Schram­berg Sul­gen Info unter  www.circus-busch-rudolf.de, Tickets unter 0175 32 75 25 2