Neukirch, ein Ortsteil der Stadt Rottweil, wird von der Bundesstraße 27 durchschnitten, die von Sachsen-Anhalt bis zur Schweizer Grenze verläuft. Jetzt wurde bekannt: Der Bund plant eine Umfahrung, die in diesem Fall eine Untertunnelung bedeutete. 2030 könnte das Realität werden. 

13.000 Fahrzeuge täglich. Mit dieser Zahl rechnet das Bundesverkehrsministerium auf der B 27 zwischen Rottweil und Balingen im Jahr 2030, für das die Behörde jüngst den Bundesverkehrswegeplan vorgestellt hat. Bereits heute donnern auch zur abendlichen Stunde alle paar Sekunden Autos durch Neukirch, das mitten auf dieser Strecke liegt. Und pro Minute mindestens zwei, drei Lkw. Der Ort mit seinen 660 Einwohnern ist damit in zwei Hälften zerschnitten, eine links und eine rechts der Bundesstraße. Das Verkehrsministerium nennt den Abschnitt eine „enge Ortsdurchfahrt auf wichtiger Hauptverkehrsachse.“ Die „Verkehrssicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer“ sei „nur noch grenzwertig.“

Den Leuten im Ministerium ist klar, dass etwas getan werden muss. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 steht deshalb: „Nulllösung mit erheblichen Nachteilen für das Schutzgut Mensch, Durchgangsverkehre führen zur Lärm- und Abgasbelastung der Ortsdurchfahrt.“ Soll heißen: Die Situation nicht zu ändern, ist vor Ort nicht hinnehmbar.

Doch: Wie soll Neukirch umfahren werden? Topografisch ist das schwierig. Die B 27 schlängelt sich von Rottweil aus bergauf, biegt ein in das Dorf. Rechts der Straße – in Richtung Süden – ist ein stark abfallender Hang.  Links – in Richtung Norden – liegt auf der Kuppe bereits Neukirch. Um den Ort weiter nördlich zu umgehen, müsste die Straße also an anderer Stelle empor steigen.

Umgehung Neukirch: Lage des Projektes. Quelle: BVMI
Umgehung Neukirch: Lage des Projektes. Quelle: BVMI

Deshalb wollen die Planer in die Tiefe gehen. Es soll ein Tunnel gegraben werden unter Neukirch hindurch. Für 25,1 Millionen Euro, so der aktuelle Planungsstand. 900 Meter lang wird der eigentliche Tunnel, zweispurig soll er sein. Das sind die Bruttokosten ohne Planungskosten, Preisstand 2014. Die Umgehung Neukirch ist Teil eines Ausbaus der B 27, dazu gehören auch eine Ortsumfahrung von Schömberg sowie eine weitere von  Endingen und Erzingen.

Aktueller Lageplan. Quelle: Geobasisdaten © Landesamt für Geoinformationen und Landesentwicklung Baden-Württemberg, www.lgl-bw.de , Az.: 2851.9-1/19
Aktueller Lageplan. Quelle: Geobasisdaten © Landesamt für Geoinformationen und Landesentwicklung Baden-Württemberg, www.lgl-bw.de , Az.: 2851.9-1/19

Wo genau der Neukircher Tunnel verlaufen soll, ist noch unklar. Zum einen könnte er etwa auf der bisherigen Strecke verklaufen, die die B 27 durch den Ort nimmt. Möglich erscheint den Planern zudem eine Nordumfahrung durchgehend außerorts auf einer Länge von 1,63 Kilometern, davon erin Tunnel bergwärts über 470 Meter. Dort wird trotz der Mehrlänge nur von unwesentlich höheren Kosten ausgegangen, das gebe auch keine innerörtliche Problematik, allerdings wird diese Variante als nachteiliger für Fauna und Flora gesehen. Das Ministerium bevorzugt die erste Variante.

Der Bauausschuss des Gemeinderats ist am Mittwoch von der Stadtverwaltung über den Planungsstand informiert worden, der Ortschaftsrat Neukirch wusste vorher bereits Bescheid.

Oberbürgermeister Ralf Broß sagte zur Aufnahme der Umgehung Neukirch in den Bundesverkehrswegeplan: „Wir sind jetzt einen Schritt weiter gekommen.“ Er hat in den vergangenen Tagen bereits ein Schreiben an den Deutschen Städtetag  verfasst, in dem er die Dringlichkeit des Projekts aus städtischer Sicht unterstreicht, ist am Mittwoch bekannt gegeben worden. Darin heißt es:

Die Stadt Rottweil begrüßt die Berücksichtigung mit vordringlichem Bedarf der seit langem geforderten Ortsumfahrung für den Stadtteil Neukirch. Die starke Verkehrsbelastung und der hohe Schwerverkehrsaneil dieses Abschnitts (der B 27) bringen nicht mehr hinnehmbare Lärmbelastungen für die dortigen Anwohner und eine deutliche Wertminderung der Grundstücke in der Ortsmitte mit sich.“

Unterstützung erhält die Stadt auch seitens des Landkreises Rottweil und des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heubergs – der wie Broß allerdings bedauerte, dass es die Gäubahn nicht in den vordringlichen Bedarf geschafft habe. 

 

 

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