OB Thomas Herzog: „Ich will meinen Job gut erfüllen“

SCHRAMBERG – Er startet eher spät. Amtsinhaber Thomas Herzog hatte seine Bewerbungsunterlagen Mitte März zwar gleich als erster abgegeben, doch dann tat sich mehr als zwei Monate nichts. Alles blieb ruhig, vielleicht ein bisschen zu ruhig für Herzog. Er hat ganz normal im Rathaus gearbeitet, Sitzungen geleitet, Termine vereinbart.

Dann kam Dorothee Eisenlohr am 20. Mai und wirbelte los. Sie nahm sich bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, deren Geschäftsführerin sie ist, bis in den August hinein Urlaub. „Ich kann verstehen, wenn sich die Leute wundern, dass ich bisher keine Wahlkampftermine angekündigt habe“, erklärt Herzog, „aber ich habe ein Amt und einen Job und den will ich gut erfüllen.“

Seit Monaten sei sein Terminkalender eigentlich voll. Die vier Kandidaten-Vorstellungstermine, die habe er selbstverständlich geblockt, aber sonst? „Demnächst beginnen auch wieder die Sitzungen von Ortschaftsräten, Gemeinderat und Ausschüssen…“ bittet er um Nachsicht. Auf Wahlplakate will er verzichten. „Ich fand die Entscheidung der Parteien und Gruppierungen, im Kommunalwahlkampf nicht zu plakatieren, gut.“

Gespräch auf dem Schulhof

Zum Gespräch mit der NRWZ hat Herzog sich einen Tisch auf dem Schulhof des Gymnasiums ausgesucht. Symbolträchtig. Zum einen ist der neue Schulhof während seiner Amtszeit gebaut worden. „Zum anderen, weil ich hier neun Jahre Schulausbildung genossen habe.“ Und dann sieht man im Hintergrund die Heilig-Geist-Kirche: „Da bin ich getauft worden, da hatte ich Erst-Kommunion, da war ich jahrelang Ministrant.“  Keiner  der Kandidaten greift die anderen frontal an, aber subtile Signale senden sie schon. Dieses heißt: Ich bin von hier.

Herzog hat seinen Flyer mitgebracht. Viele Fotos zeigen einen entspannten OB, einen Thomas Herzog, der sich in seinem Städtle umschaut, mit den Leuten redet, beim Herrenausstatter eine Krawatte kauft, auf der Baustelle telefoniert. Er beschreibt, was er schon  in den vergangenen acht Jahren geschafft hat  und was er noch vor hat. Sein Slogan: „Gemeinsam Schrambergs Zukunft schaffen.“  Das Papier, da hat er Wert drauf gelegt, ist umweltfreundlich hergestellt.

Mit Hypotheken gestartet

In acht Jahren ist viel passiert. Frage: „Gleich zu Beginn hatten Sie zwei große Hypotheken zu bewältigen: das seit Jahren geschlossene Freibad und das leer stehende Krankenhaus?“   Ein lang gezogenes: „Jaaaa“ und ein deutliches Ausatmen folgen. „Das waren spannende Aufgaben.“ Beim Krankenhaus gehe es jetzt um die Nachnutzung. Die Gesundheitsversorgung sei dank des Gesundheitscampus in Sulgen und des demnächst eröffneten Medzentrums im Tal wohl gesichert: „Vorausgesetzt es werden genügend junge Leute Medizin studieren.“ 

Die Nachnutzung. Herzog erinnert an den Schweizer Investor, der die Stadt zum Narren gehalten habe. Nun gebe es ein realistisches Konzept. „Das steht und fällt, damit, dass das Gebiet ums Krankenhaus Sanierungsgebiet wird.“  Im  zweiten Anlauf habe man das geschafft. Aber weshalb dauert das alles so lange? Es braucht eine Satzung für ein Sanierungsgebiet und einen Bebauungsplan. Zu Beginn seiner Amtszeit, so Herzog, habe man etwa ein Jahr für einen Bebauungsplan gebraucht, aber die gesetzlichen Bestimmungen sind strenger geworden: „Jetzt rechnen wir zwei bis zweieinhalb Jahre….“

Beim Berneckstrand möge man sich erinnern, in welchem Zustand das schon jahrelang leer stehende Bad sich befand. Nach der Eingemeindung Tennenbronns sei klar gewesen, ein weiteres Bad kann sich Schramberg nicht leisten. Dank Unterstützung der Glücksspirale sei man an den Berneckstrand gegangen: „Ich erinnere mich gut an die Bürgerbeteiligung in der Aula, wie wir das gestalten.“ Ärgerlich sei dann gewesen, dass unter anderem wegen mehrerer Personalwechsel die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien. Aber heute werde das Gelände gut angenommen.

Das badschnass als Erfolgserlebnis

Ein echtes Highlight seiner ersten Amtszeit sei das neue Hallenbad „badschnass“:  Auch das sei in großem Konsens, mit Bürgerbeteiligung geplant und gebaut worden – und das im Kostenrahmen. „Dreimal mehr als 100.000 Besucher im Jahr – der Erfolg hat uns recht gegeben, ein Familien- statt eines Spaßbades zu bauen.“

Auf der Haben-Seite sieht Herzog auch, dass  der Schulcampusplan in großer Einmütigkeit vom Gemeinderat beschlossen wurde. Auch das Stadtentwicklungsprogramm 2030+ sei nach der  Landesgartenschaubewerbung auf den Weg gebracht.

Auch die Bauarbeiten an der Berneck-, der  Schillerstraße, der Oberndorfer Straße seien auch dank der Ausbaubeiräte sehr gut gelaufen. Bürgerbeteiligung, Ausbaubeirat: Stichworte, die  mehrmals fallen. Will heißen: Leute, das gibt’s doch alles schon.

Mehr Eigenständigkeit für die Ortsteile?

Was es bislang nicht gibt, sind eigene Budgets für die Ortsteile. Eine Forderung, die Caroli erhebt, und die Eisenlohr zumindest „interessant“ findet. Herzog ist eher skeptisch. Große Projekte seien nur gesamtstädtisch zu stemmen. „Da schauen wir, was steht als nächstes an, und dann setzen wir im Gemeinderat die Prioritäten fest.“ 

So werde in diesem Jahr die Grundschule in Waldmössingen für 1,4 Millionen Euro saniert. Das Freibad in Tennenbronn sei das nächste große Projekt und die Festhalle auf dem Sulgen. „Es kann nicht jedes Jahr jeder Stadtteil die gleichen Mittel bekommen“, ist Herzog überzeugt. Und bei kleineren Investitionen in einen Spielplatz oder bei der Pflege von Grünanlagen: „Am Geld ist so etwas nie gescheitert“, meint Herzog.

Kein Zufall, dass wir aufs Thema Personal kommen. Herzog sieht „unter anderem durch einige Wechsel in Führungspositionen die Dynamik im Team gestärkt“. Auch und gerade im Baurechtsbereich werde die Verwaltung neue Wege gehen bis hin zur elektronischen Bauakte, verspricht er. Dank der Digitalisierung sei die Verwaltung in vielen Bereichen inzwischen besser aufgestellt.

Im Plausch mit Feuerwehrkameraden beim, Festzeltaufbau. Foto: him

Ein Blick auf die Uhr: Es ist zehn vor eins. Drüben auf dem Berneckparkplatz bauen 40 Feuerwehrleute das Festzelt fürs Jubiläum auf. Herzog hat veranlasst, dass die Stadt Wecken und Wurst spendiert. „Die müssten inzwischen heiß sein.“ Er will schnell rüber gehen und Dankeschön sagen. Und sich ein bisschen sehen lassen im Wahlkampf kann ja auch nichts schaden.

 

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