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Dienstag, 22. September 2020

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OB-Kandidatin als Motivatorin

Buntspecht & Grüne im Austausch mit Dorothee Eisenlohr

Bei schweißtreibenden Temperaturen begrüßte Buntspecht Vorsitzender Peter Schimak im
Nebenzimmer des Gasthaus Schraivogel zum offenen Gespräch der Liste Buntspecht &
Grüne mit der OB-Kandidatin Dorothee Eisenlohr. Rund 35 Gäste waren laut Pressemitteilung der Liste Buntspecht gekommen und nutzten die Gelegenheit, um die derzeit einzige Frau unter den Bewerbern für das Oberbürgermeisteramt kennenzulernen.

Nach Vorstellung ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeiten, unter anderem beim Verband
Region Stuttgart, folgte die erste Frage aus dem Publikum. Was ihre Motivation sei, für das Amt der Oberbürgermeisterin von Schramberg zu kandidieren. Eisenlohr sprach von vielfältigen Motivationen. Zum einen wolle sie eine ordentlich strukturierte und motivierte
Verwaltung. „Verwaltungen sollen sich nicht mit sich selbst beschäftigen“, so Eisenlohr.

Eine zweite Motivation sei, dass es zu wenige Frauen im Amt des Oberbürgermeister gebe. Nach zahlreichen Wortmeldungen zu verschiedensten Themen meinte Eisenlohr schließlich: „Dies führt mich zu einer weiteren Motivation – Es gibt viel zu tun.“ Eisenlohr scheint sich auf die Herausforderungen, die auf die Stadt Schramberg warten, zu freuen.

Den Dialog suchen

Zum Thema Jugendliche und der Frage nach der gefühlten Sicherheit in der Stadt meinte
Dorothee Nagel aus dem Publikum, dass der Stadt die Stelle des Streetworkers fehle. Frank
Gerlach habe die in Schramberg früher hervorragend ausgefüllt und habe einen sehr guten Draht zu den Jugendlichen gehabt. Dorothee Eisenlohr wollte nichts versprechen, meinte aber, man brauche den Dialog mit den Jugendlichen und noch mehr Angebote.

Überhaupt gehe es ihr um Dialog, um alle Menschen in Schramberg zu erreichen. Wolfgang Geißler ergänzte, man müsse Bürgerprobleme erkennen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Beim Thema Busverkehr sagte Eisenlohr, dass eine bessere Anbindung an das
Schwarzwald-Baar-Klinikum ein bereits oft an sie heran getragener Wunsch sei. Aus dem
Publikum lobte Heide Pfaff den vom Land geförderten Regiobus von Schiltach nach Rottweil. Ergänzte aber, dass die Attraktivität des Busverkehrs noch weiter gesteigert werden müsse und nicht in erster Linie auf Rentabilität geschaut werden solle. Eisenlohr fügte hinzu, dass man niedrigschwellige Angebote brauche.

Volker Goerz schlug vor, die Bus-Taktung an die Industrie-Schichtzeiten anzupassen. Eisenlohr antwortete, dass man allerdings alle Umfeldbedürfnisse betrachten müsse, wie zum Beispiel auch Bahnanbindungen. Martin Himmelheber ergänzte, dass der Busverkehr sich maßgeblich an den Schulzeiten orientiere, da Schüler etwa 80 Prozent der Busfahrgäste ausmachten.

Mehr Eigenständigkeit für die Ortsteile?

Zu den Schramberger Stadtteilen machte Eisenlohr einen interessanten Vorschlag. Man könne sich überlegen, wie man den Ortsteilen mehr Freiräume verschaffen könnte. Eine Möglichkeit wären sogenannte Bürgerhaushalte, wie sie diese aus Stuttgart kenne. Über ein gewisses Budget könnten die Bürger eines Teilortes dann weitgehend selbst entscheiden, um kleinere Projekte umzusetzen. Bei den Themen Handel, Laden-Leerstand und Innenstadt möchte Eisenlohr schauen, dass man dem „City-Management“ Stellen-Ressourcen zur Seite stellt. Wenn möglich auch ohne Neueinstellung. „Touristen muss manebenfalls in die Stadt locken“, so Eisenlohr.

Als Vorbild für die lokale Wirtschaftsförderung erwähnte Volker Goerz die Existenzgründerinitiative EGON in Niedereschach. Hier scheint Goerz offene Türen bei Frau
Eisenlohr einzurennen. Als Netzwerkerin und derzeitige Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg scheinen solche Initiativen ganz in ihrem
Sinne.

Wohnraum und Klimaziele

Im Bezug auf die Wohnraumsituation und Attraktivität der Stadt ergänzte Eisenlohr: „Viele Fachkräfte pendeln ein. Eine Bindung an die Stadt ist auch gut für die Unternehmen.“ Eisenlohr, die das Wahl-Programm der Liste Buntspecht & Grüne mitbrachte und offensichtlich gründlich studiert hatte, meinte: „Ich möchte mich nicht anbiedern, aber ich kann alles in ihrem Programm mittragen.“ Im Bezug auf städtische Bauprojekte meinte Eisenlohr: „Ich finde ja Holz als Baustoff interessant.“ Mit den zukünftigen Bauprojekten (zum Beispiel
Schulcampus) könne sich die Stadt auch einen Ruf erarbeiten.

Dorothee Eisenlohr neben Peter Schimak und Gästen im Gasthaus Schraivogel. Fotos: pm

Auf die Frage des städtischen Umweltbeauftragten Karl Pröbstle zu den kommunalen Klimaschutzzielen meinte Eisenlohr: „Wir haben Einfluss auf die städtischen Gebäude und deren Energiebilanz. Man darf sich ruhig ehrgeizige Ziele setzen.“ Eisenlohr brachte danach selbst die Forderung des NABU nach einer „pestizidfreien Kommune“ zur Sprache. Da laut
Umweltbeauftragten Pröbstle hier keine großen Umstellungen von städtischer Seite aus
nötig wären, hätte man schon einen kleinen, sichtbaren Erfolg, so Eisenlohr.

Man merkte, dass Frau Eisenlohr motivieren möchte. Auch kleine Erfolge sichtbar machen. Auf die Frage von Peter Schimak nach Bürgerbeteiligung, beispielsweise mittels digitaler Medien, verwies Eisenlohr auf Grundsätzliches. Es gehe darum, die Weisheit der Vielen nutzbar zu machen. Als Methode nannte sie den Begriff „Art of hosting“. Dieser bedeutet in etwa, einen sicheren Rahmen für gute Gespräche und effiziente Selbstorganisation zu finden. Diesen sicheren Rahmen hatte Frau Eisenlohr an diesem Abend auf jeden Fall gefunden.

 

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