Christoph 11 rettet jetzt auch nachts

DRK: "Stärkung des Standorts und eine Verbesserung der medizinischen Versorgungsstrukturen"

Foto: DRF-Luftrettung

Wur­de nach Son­nen­un­ter­gang ein Ret­tungs­hub­schrau­ber in der Regi­on benö­tigt, kamen die Maschi­nen aus Bay­ern und der Schweiz. Am Sonn­tag, 1. Okto­ber hat sich das geän­dert.

Ret­tungs­hub­schrau­ber in Baden-Würt­tem­berg hat­ten bis­lang kei­ne Geneh­mi­gung, nach Son­nen­un­ter­gang Ein­sät­ze zu flie­gen. Bei schwe­ren Unfäl­len wur­den des­halb Maschi­nen aus Bay­ern oder der Schwei­ze­ri­schen Ret­tungs­flug­wacht Rega ein­ge­setzt. Dies hat sich jetzt geän­dert. Wie die deut­sche DRF-Luft­ret­tung mit­teilt, dür­fen die Besat­zun­gen in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen seit dem 1. Okto­ber auch in der Nacht zu ihren Ein­sät­zen flie­gen. Das ebne den Weg für eine bes­se­re nächt­li­che Pati­en­ten­ver­sor­gung in Baden-Würt­tem­berg – in medi­zi­ni­scher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht, so die DRF in ihrer Stel­lung­nah­me.

Ret­tungs­hub­schrau­ber im Ein­satz, hier in Vil­lin­gen­dorf. Foto: Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Vil­lin­gen­dorf
Foto: DRF-Luft­ret­tung

Vie­le Jah­re haben wir uns für eine Ein­füh­rung des Nacht­flugs in unse­rem Hei­mat­bun­des­land ein­ge­setzt. Jetzt ist die Ent­schei­dung gefal­len. Wir freu­en uns zum Woh­le der uns anver­trau­ten Pati­en­ten, dass wir die­se wich­ti­ge Auf­ga­be mit ‚Chris­toph 11‘ dar­stel­len dür­fen“,  erläu­tert Dr. Peter Huber, Vor­stand der DRF-Luft­ret­tung. Neben sei­nen regio­na­len Ein­satz­schwer­punk­ten wer­de der Hub­schrau­ber wegen sei­nes Allein­stel­lungs­merk­mals auch im gesam­ten Bun­des­land für nächt­li­che Inten­siv­trans­por­te zur Ver­fü­gung ste­hen. Damit könn­ten bei­spiels­wei­se schwer­kran­ke Kin­der, die in einer der  Kin­der­kli­ni­ken in Tübin­gen und Stutt­gart oder ande­ren inten­siv­me­di­zi­ni­schen Zen­tren drin­gend behan­delt wer­den müs­sen, schnell und scho­nend in die­se Spe­zi­al­kli­ni­ken geflo­gen wer­den.

Der Zol­lern-Alb-Kurier hat­te über die Plä­ne zur Nacht­flug­er­laub­nis früh berich­tet. Er nann­te etwa den kurio­sen Fall eines schwe­ren Unfalls an Ostern in sei­nem Ver­brei­tungs­ge­biet. Der Bei­fah­rer wur­de damals im Wrack des Wagens ein­ge­klemmt. Wäh­rend Hel­fer der Feu­er­wehr den 24-Jäh­ri­gen aus den Trüm­mern schnit­ten, mach­te sich ein Ret­tungs­hub­schrau­ber der Schwei­zer Rega auf den Weg nach Alb­stadt. Die Schwei­zer Ret­ter flo­gen den Schwer­ver­letz­ten schließ­lich nach Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen in die Unfall­kli­nik. Iro­nie der Geschich­te: Genau dort, an der Kli­nik in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen, ist auch Chris­toph 11 sta­tio­niert, jener Ret­tungs­hub­schrau­ber der DRF-Luft­ret­tung, der für den Zol­lern­alb­kreis zustän­dig ist.

Nun kommt der Hub­schrau­ber direkt aus Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen zu den Unfäl­len in der Regi­on, bei denen er benö­tigt wird. Da bedeu­tet kür­ze­re Anflug­zei­ten, die wie­der­um bewir­ken dass Not­fall­pa­ti­en­ten schnel­ler in eine Spe­zi­al­kli­nik geflo­gen wer­den kön­nen. Gera­de bei beson­ders schwe­ren Ver­let­zun­gen ist dies ent­schei­dend. Zuvor war dies nachts nur mit Ret­tungs­wa­gen auf der Stra­ße mög­lich, bezie­hungs­wei­se muss­ten län­ge­re War­te­zei­ten bis zum Ein­tref­fen der Maschi­ne aus Bay­ern oder der Schweiz hin­ge­nom­men wer­den.

Seit Juli 2017 kommt an der Sta­ti­on in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen laut DRF-Luft­ret­tung ein neu­er Hub­schrau­ber des Typs H 145 zum Ein­satz, der sich durch sei­ne Leis­tungs­stär­ke, sein hoch­mo­der­nes digi­ta­les Cock­pit und die neue Medi­zin­tech­nik aus­zeich­ne. Für die Luft­ret­tung rund um die Uhr sei die­ser dank sei­ner Nacht­flug­aus­stat­tung und der Aus­rüs­tung mit Nacht­sicht­ge­rä­ten opti­mal geeig­net. Um für eine größt­mög­li­che Sicher­heit an Bord zu sor­gen, besteht bei der DRF Luft­ret­tung – im Gegen­satz zu ande­ren gän­gi­gen Nacht­flug­kon­zep­ten – nachts die Hub­schrau­ber­be­sat­zung aus vier Per­so­nen: Zwei Pilo­ten, einem Not­arzt und einem Not­fall­sa­ni­tä­ter.

Die Dienst­zei­ten­er­wei­te­rung an der Luft­ret­tungs­sta­ti­on in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen bedeu­tet eine Stär­kung des Stand­orts und eine Ver­bes­se­rung der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­struk­tu­ren vor allem im Schwarz­wald-Baar-Kreis“, erklärt Win­fried Bau­mann, Geschäfts­füh­rer des DRK-Ret­tungs­diens­tes Schwarz­wald Baar. Pas­sie­re bei­spiels­wei­se nachts ein Unfall in einem abge­le­ge­nen Tal des Schwarz­walds, kön­ne der boden­ge­bun­de­ne Ret­tungs­dienst den Hub­schrau­ber für die Wei­ter­füh­rung der not­ärzt­li­chen Ver­sor­gung und den anschlie­ßen­den Trans­port in eine Kli­nik nach­for­dern. Bau­mann: „Dank der kür­ze­ren Flug­zei­ten kön­nen so die regio­na­len boden­ge­bun­de­nen Ret­tungs­dienst­struk­tu­ren in der Nacht ent­las­tet wer­den.”