Die „Pegida Dreiländereck“ floppt

Villingen-Schwenningen. Bisher präsentierte sich die Pegida Schwarzwald-Baar- Heuberg als anonymes Gebilde. Jetzt hat sie ein Gesicht: Sabrina Grellmann, 28 Jahre alt, klein zierlich, blond, durchaus hübsch und stimmgewaltig, politisch bisher nicht aktiv. Das hat sich grundlegend geändert: Sie hat sich geoutet, und an diesem Montagabend fand beim Villinger Münster die dritte Demonstration unter ihrer Führung statt.

Die „SBH-Gida“, wie sie sich nennt, will sich größer machen, als sie bisher erschien, deshalb sollte „die erste grenzüberschreitende Kundgebung stattfinden. „Pegida Dreiländereck“ nennt sie sich, angeküngigt waren Teilnehmer aus dem Bodenseegebiet, von Vorarlberg und aus der Schweiz. Es hilft nichts: Die Zahl der Teilnehmer ging kaum über 80 hinaus.

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Die SBH-Gida hat jetzt ein Gesicht: Sabrina Grellmann. Foto: Ralf Trautwein

Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn eilt Oberbürgermeister Richard Kubon (SPD) durch die Fußgängerzone. Er ist geladen. Weniger weil er wegen einer Sportlerehrung die Demonstration verpasst. Sondern vor allem, weil diese Demonstration in seiner Stadt inzwischen so viel Aufmerksamkeit erfährt. „Einfach nicht beachten, totschweigen“, rät der OB und machte seinem Unmut Luft: „Die Antifa wertet sie mit ihren Aktionen noch auf. Wir haben jetzt zwei Hundertschaften Polizisten im Hinterhof des Rathauses.“

Drüben auf dem Münsterplatz – weiträumig umstellt von Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken – weht ein kalter Wind. Die Kirche ist außen verdunkelt, drinnen findet ein Gottesdienst statt. Unvermittelt beginnt es zu blitzen und zu donnern, alle Glocken läuten. „Ein Zeichen von oben“, sagt jemand.

Die Polizei überwacht die Situation. Foto: Ralf Trautwein
Die Polizei überwacht die Situation. Fotos: Ralf Trautwein

Auf der Südseite sammeln sich gut 100, ausschließlich junge Anhänger des „Offenen Antifaschisten Treffens.“ Robert Hertkamp, der Sprecher, schimpft auf „die Rassisten“ und „die Spalter der Gesellschaft da drüben.“
Die Südseite – getrennt durch eine Pufferzone in der Breite des Münsters mit beidseitigen Absperrgittern – ist für die Pegida reserviert. Noch herrscht gähnende Leere auf dem großen Platz.

Derweil formieren sich 100 Meter Luftlinie weiter, im Zentrum der Fußgängerzone, im einsetzenden Schneeregen gut 200 Teilnehmer von „No Pegida“, veranstaltet vom DGB Südbaden. Mitorganisatorin Nicola Schurr sagt: „Der Wettergott ist kein Pegida-Fan“. Und: „Das ist keine Pegida wie in Dresden, das ist ein Haufen von Rechtspopulisten.“

IMG_4718Wirklich? Dafür gibt es diverse Indizien. Kenner der Szene wollen bei den letzten Aufmärschen der SBH-Gida „viele bekannte Gesichter aus dem rechten Milieu“ erkannt haben. Dazu zählt zum Beispiel die Gruppierung „Freie Kräfte“, die unter anderem vor einem Jahr eine historische Stadtführung zur jüdischen Geschichte Villingens gestört hat. Jürgen Schützinger, jahrelang NPD-Landesvorsitzender und seit drei Jahrzehnten Stadt- und Kreisrat, trat bisher zwar nicht bei den Pegida-Demonstrationen auf, aber er lässt keinen Zweifel, dass es „eine ideelle Verbindung“ gibt.

Die AfD im Schwarzwald-Baar-Kreis distanziert sich zwar offiziell von Pegida, aber sie steckt selber in großen Problemen. Erst jüngst ist Stadtrat Dirk Caroli mit der Begründung ausgetreten: „Rechtsradikale unterwandern die Partei.“ Die besetzen, so Caroli, inzwischen rund die Hälfte aller Führungspositionen in den baden-württembergischen Kreisverbänden.

Auf dem Münsterplatz stehen mittlerweile, ziemlich verloren, etwa 50 Pegida-Sympathisanten herum. Sabrina Grellmann – mit schwarzer Baskenmütze, schräg nach unten rechts über den Kopf gestülpt – richtet in einem Kleintransporter Mikrofon und Rednerpult ein.

Auf die Frage, ob man kurz reden könne, sagt sie: „Nein!“ Warum nicht? „Weil Sie von der Presse sind!“ Sogleich schirmt sie ein großgewachsener Gesinnungsfreund ab.

Hauptthemen unter den Teilnehmern. die Transparente wie „Wahrheit statt Lügenpresse“ tragen, sind Angst vor Überfremdung und Gefahren durch den Islam. Ähnlich äußern sich die Redner, wenn auch rhetorisch verbrämt. Nach einigem Suchen entdeckt man unter den Zuhörern auch zwei Schweizer aus Basel. Österreicher sind indessen nicht aufzutreiben, dafür zwei Frauen, die eine israelische Flagge schwenken. Über ihre Beweggründe wollen sie nichts sagen, nur so viel: „Wir stehen zu Pegida!“ Der Schneeregen wird immer stärker , die drei Demos enden ohne Zwischenfälle. Die Mannschaftswagen der Polizei ziehen nach und nach ab.

Ein Beobachter gibt sich angesichts des mageren Zulaufs überzeugt: „Das war’s dann!“ Nicht fürGrellmann: „Wir kämpfen weiter“, hat sie trotzig unter Beifall erklärt. Für den 22. März ist die nächste Pegida-Demo beim Villinger Münster  angemeldet.

 

 

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