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Hal­lo Oma, ich bin es …”, oder auch: „Mein Name ist Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Mül­ler ” – Betrü­ger am Tele­fon ver­su­chen immer wie­der älte­ren Men­schen das erspar­te Geld aus den Taschen zu zie­hen. Das Poli­zei­prä­si­di­um reagiert nun mit einer zen­tra­ler Ermitt­lungs­grup­pe.

Krea­tiv sind sie, die Betrü­ger, die inzwi­schen auf viel­fäl­ti­ge Art und Wei­se ver­su­chen, älte­ren Men­schen das erspar­te Geld aus den Taschen zu zie­hen. Nicht sel­ten ist danach das gan­ze hart erspar­te Ver­mö­gen dahin. Ohne Skru­pel gehen die Betrü­ger dabei vor. Sie set­zen ihre Opfer gezielt unter Druck und zwin­gen sie zum Han­deln.

… schreibt Sarah König von der Pres­se­stel­le des Poli­zei­prä­si­di­ums Tutt­lin­gen.

Besonders verbreitete Phänomene laut Polizei:

  • Zunächst gibt es den soge­nann­ten Enkel­trick, bei dem sich der Anru­fer als Ver­wand­ter oder naher Ange­hö­ri­ger aus­gibt und einen finan­zi­el­len Eng­pass, z.B. einen spon­ta­nen Woh­nungs­kauf vor­täuscht. Die über­rum­pel­ten Opfer wer­den durch geschick­te Gesprächs­füh­rung dazu gebracht, dem „armen Ver­wand­ten” mit einer Finanz­sprit­ze aus­zu­hel­fen. Zur Geld­über­ga­be kann der ver­meint­li­che Ver­wand­te dann aus diver­sen Grün­den nicht kom­men und schickt „einen Freund”, den „Oma” natür­lich nicht kennt.
  • Min­des­tens eben­so häu­fig gibt sich der Anru­fer als Amts­per­son, häu­fig als Poli­zei­be­am­ter, Staats­an­walt oder Beam­ter vom Lan­des­kri­mi­nal­amt aus und gibt vor, das Eigen­tum der Opfer schüt­zen zu wol­len. Nicht sel­ten wird ein angeb­li­cher Ein­bruch in der Nach­bar­schaft oder eine fest­ge­nom­me­ne Täter­grup­pe, die es angeb­lich auf das Opfer abge­se­hen hat, vor­ge­täuscht. Der fal­sche Amts­trä­ger wür­de die Wert­ge­gen­stän­de des Ange­ru­fe­nen „sicher in Ver­wah­rung neh­men” und ver­ab­re­det sich zur Geld­über­ga­be.
  • Zu dem viel­fäl­ti­gen Reper­toire gehö­ren auch soge­nann­te „Schock­an­ru­fe”, bei denen der Anru­fer durch ein tra­gi­sches Ereig­nis über­rum­pelt wird, zum Bei­spiel, dass ein naher Ver­wand­ter einen Unfall ver­ur­sacht und ein Kind über­fah­ren habe. Für die Regu­lie­rung oder eine Ope­ra­ti­on wer­de nun drin­gend Geld gebraucht. 
  • Auch Ver­spre­chun­gen von einem angeb­li­chen Lot­to­ge­winn, für den aber erst ein­mal eine Anzah­lung oder eine Gebühr für die Über­wei­sung erho­ben wer­den müs­sen, sind bei den Gau­nern beliebt.
  • Neu in die­sem brei­ten Sor­ti­ment der Lügen­ge­schich­ten ist die soge­nann­te „MAL­TA-Mah­nung”. Die Opfer erhal­ten von einem angeb­li­chen Mit­ar­bei­ter der orts­an­säs­si­gen Bank einen Anruf, in dem mit­ge­teilt wird, dass die Bank Abbu­chungs­ver­su­che einer mal­te­si­schen Lot­to­ge­sell­schaft vom Kon­to der Geschä­dig­ten ver­hin­dert habe. Das Kon­to wür­de ent­spre­chend über­wacht und auch die Poli­zei sei ein­ge­schal­ten wor­den. Kur­ze Zeit spä­ter erhal­ten die Geschä­dig­ten tat­säch­li­che (fin­gier­te) Mahn­schrei­ben die­ser Lot­to­ge­sell­schaft. Die Täter bean­tra­gen im Anschluss mit­tels gefälsch­ter E-Mail­adres­se das Online-Ban­king für die Geschä­dig­ten bei des­sen Bank. Die­se schickt den Antrag an das Opfer und nach Erhalt die­ser Unter­la­gen mel­det sich der angeb­li­che Bank­mit­ar­bei­ter wie­der, um die Zugangs­da­ten abzu­glei­chen, damit wei­te­re Abbu­chungs­ver­su­che ver­hin­dert wer­den kön­nen. Somit erhal­ten die Täter die rich­ti­gen Bank­da­ten und trans­fe­rie­ren Gel­der auf aus­län­di­sche Kon­ten. Betrof­fen sind beson­ders Bank­kun­den im fort­ge­schrit­te­nen Alter, die bis­lang kei­ne Erfah­run­gen mit dem Online-Ban­king-Ver­fah­ren haben.

Die Betrü­ger stel­len sich bei all die­sen „Abzocker”-Anrufen sehr geschickt an. Durch mas­si­ves Ein­schüch­tern bau­en sie Druck auf und haben nicht sel­ten Erfolg. Der bis­her auf die­se Wei­se ent­stan­de­ne Scha­den im Prä­si­di­ums­be­reich Tutt­lin­gen liegt für das Jahr 2018 bereits jetzt bei über einer hal­ben Mil­lio­nen Euro, Ten­denz stei­gend.

Auf­grund des bedenk­li­chen Anstiegs die­ser Delik­te hat das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen nun bei der Kri­mi­nal­po­li­zei­di­rek­ti­on Rott­weil eine zen­tra­le Ermitt­lungs­grup­pe ein­ge­rich­tet, die sich spe­zi­ell mit Betrugs­phä­no­me­nen zum Nach­teil älte­rer Men­schen beschäf­tigt. Der Ansatz der Ermitt­lungs­grup­pe ist dabei in ers­ter Linie, die Auf­klä­rung die­ser Betrugs­straf­ta­ten. Durch eine über­re­gio­na­le Aus­wer­tung die­ser Betrugs­ma­schen und umfang­rei­che Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men will die Poli­zei dem Phä­no­men bei­kom­men. Hier­bei sol­len alle mit ein­ge­bun­den wer­den, die hel­fen, älte­re Mit­bür­ger mit den Warn­hin­wei­sen der Poli­zei zu errei­chen – von den Ange­hö­ri­gen über Mit­ar­bei­ter eines Pfle­ge­diens­tes und Bank­an­ge­stell­ten bis hin zu kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, Kom­mu­nen und sor­gen­den Nach­barn oder Bekann­ten. Ihre Poli­zei bit­tet sie alle, zu sen­si­bi­li­sie­ren, auf­merk­sam zu sein, Ver­än­de­run­gen im Ver­hal­ten älte­rer Men­schen zu bemer­ken und in Ver­dachts­fäl­len sofort Hil­fe bei Ange­hö­ri­gen oder ihrer Poli­zei­dienst­stel­le zu suchen!

Die Polizei gibt folgende Handlungshinweise:

  1. Ver­trau­en Sie am Tele­fon nicht beden­ken­los frem­den Per­so­nen. Auch nicht, wenn die­se sich als Amts­trä­ger, ent­fern­te Ver­wand­te oder alte Freun­de aus­ge­ben.
  2. Ver­ra­ten Sie am Tele­fon kei­nes­falls sen­si­ble Infor­ma­tio­nen, egal wel­cher Art, etwa Kon­to­da­ten, häus­li­cher Bar­geld­be­stand, oder ihre fami­liä­re Situa­ti­on.
  3. Las­sen Sie sich am Tele­fon nicht unter Druck set­zen. Legen Sie lie­ber auf.
  4. Über­ge­ben Sie nie Wert­sa­chen und Bar­geld zur Ver­wah­rung an Per­so­nen, die Sie nicht ken­nen und täti­gen Sie auch kei­ne Zah­lun­gen. Die Poli­zei lässt sich nie­mals gro­ße Sum­men Bar­geld, Wert­ge­gen­stän­de oder Schmuck aus­hän­di­gen!
  5. Soll­ten Sie einen sol­chen Anruf erhal­ten, notie­ren Sie sich die Tele­fon­num­mer, die auf ihrem Dis­play erscheint.
  6. Ver­trau­en Sie nie­mals der sicht­ba­ren Tele­fon­num­mer auf dem Dis­play Ihres Tele­fons. Die­se Num­mern kön­nen vor­ge­täuscht und über das Inter­net gene­riert wor­den sein und ver­mit­teln so den Ein­druck, ihre ört­li­che Poli­zei oder Bank ruft bei ihnen an, wäh­rend sie tat­säch­lich mit einem Betrü­ger, oft­mals im Aus­land tele­fo­nie­ren.
  7. Zie­hen Sie im Zwei­fel eine Ver­trau­ens­per­son oder Ihre Poli­zei ins Ver­trau­en. Die Poli­zei errei­chen Sie jeder­zeit unter 110 – lie­ber ein­mal zu viel, als ein­mal zu wenig!

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es bei der ört­li­chen Poli­zei­dienst­stel­le, den Kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Bera­tungs­stel­len in Tutt­lin­gen, Vil­lin­gen, Rott­weil, Freu­den­stadt und Balingen oder auch im Inter­net unter https://praevention.polizei-bw.de, dort auch zu ande­ren The­men.