Feier demonstriert große Verbundenheit mit der Region

BWLV-Präsident Eberhard Laur und Ehrengäste (v.l.). : Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, Landrat Stefan Bär, BM Rudolf Wuhrer, Brigitta Keller, Eberhard Laur, Justizminister und Schirmherr Guido Wolf und Bodo Stähle. Foto: pm

DENKINGEN – Mit einem gro­ßen Fest­akt hat der Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Luft­fahrt­ver­band (BWLV) – Part­ner und Dach­ver­band für rund 200 Ver­ei­ne und 20.000 Luft­sport­ler im Land – sein 90-jäh­ri­ges Bestehen auf dem Klip­pen­eck bei Den­kin­gen gefei­ert. Zugleich erfolg­te die offi­zi­el­le Über­ga­be der neu­en Tech­ni­schen Betriebs­werk­statt des Ver­ban­des.

Rund 300 Gäs­te waren vor Ort bei der Ver­an­stal­tung, deren Schirm­herr­schaft Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf über­nom­men hat­te. Im Anschluss hat­te die Arbeits­ge­mein­schaft der Flie­ger­grup­pen am Klip­pen­eck (ARGE) zu ihrem Flug­platz­fest gela­den.
Zumin­dest wet­ter­mä­ßig waren die Vor­aus­set­zun­gen für eine Fest­ver­an­stal­tung sowie ein Flug­platz­fest nicht die bes­ten: Zwi­schen­zeit­lich schüt­te­te es am Wochen­en­de wie aus Kübeln auf dem Klip­pen­eck.

Den­noch zeig­ten sich die Ver­an­stal­ter sehr zufrie­den mit der gro­ßen Reso­nanz und den guten Besu­cher­zah­len. „Wir freu­en uns über eine gelun­ge­ne Fei­er und zahl­rei­che posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen“, resü­mier­te Eber­hard Laur, der Prä­si­dent des Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Luft­fahrt­ver­ban­des. Und auch Sören Ebser, Spre­cher der ARGE, beton­te: „Zum Glück haben uns die Bewoh­ner der Anrai­ner­ge­mein­den nicht im Stich gelas­sen, und es kamen eini­ge Besu­cher.“

Die­se erleb­ten zunächst einen offi­zi­el­len Fest­akt mit zahl­rei­chen Ehren­gäs­ten, diver­sen Show­ein­la­gen, Musik und Bewir­tung. Den Anfang mach­te Fall­schirm­welt­meis­ter Klaus Renz, der pünkt­lich und ziel­ge­nau vor der neu­en Werk­statt­hal­le des BWLV lan­de­te und den Fest­gäs­ten sei­ne bes­ten Grü­ße über­brach­te.

In sei­ner Begrü­ßung dank­te BWLV-Prä­si­dent Eber­hard Laur allen Freun­den, Gön­nern sowie am Bau der Werk­statt Betei­lig­ten und erin­ner­te an die gro­ße Bedeu­tung des Klip­pen­ecks als Luft­sport­zen­trum in der Regi­on, wo der Ver­band künf­tig sei­ne Akti­vi­tä­ten bünd­le. Laur hielt zudem Rück­schau über den Bau der neu­en Werk­statt, in der nun alle Tech­ni­schen Lehr­gän­ge des Ver­ban­des statt­fin­den. Das zwei­ge­schos­si­ge Gebäu­de, das über eine Grund­flä­che von rund 400 Qua­drat­me­ter, ein gro­ßes Hebe­falt­tor an der Vor­der­sei­te sowie einen Sani­tär­trakt ver­fü­ge, der auch den Ver­ei­nen auf dem Klip­pen­eck zugu­te­kom­me, sei modern und bes­tens aus­ge­rüs­tet für alle Anfor­de­run­gen.

Gleich­zei­tig appel­lier­te Laur an die Poli­tik, dass es nicht noch mehr gesetz­li­che Ver­schär­fun­gen geben dür­fe, wel­che die Flie­ger­ge­mein­schaft unnö­tig belas­ten. Dane­ben droh­ten Ein­schrän­kun­gen durch Wind­kraft­pro­jek­te in Flug­platz­nä­he. Rund 40 Flug­plät­ze im Land sei­en hier betrof­fen, und auch am Klip­pen­eck gebe es Pla­nun­gen zur Errich­tung von 230 Meter hohen Wind­rä­dern in gerin­gem Abstand zum Flug­platz.

„Da stellt sich schon die Fra­ge: Wie lan­ge kön­nen wir unse­ren Sport noch aus­üben und laut­los unse­re Krei­se über der Hei­mat zie­hen?“, so Laur. Denn der Segel­flug in Baden-Würt­tem­berg habe eine lang­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on. Durch sei­ne so genann­te glo­ba­le Aus­bil­dungs­er­laub­nis betrei­be der BWLV die größ­te Segel­flug­schu­le der Welt. „Wir haben rund 1100 Flug­leh­rer, 900 Flug­zeu­ge und rund 2000 Flug­schü­ler pro Jahr in unse­ren Ver­ei­nen“, sag­te Laur.

In sei­ner Anspra­che gra­tu­lier­te Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf dem BWLV herz­lich zu des­sen Jubi­lä­um und der Über­ga­be der Tech­ni­schen Werk­statt. „Wie man sieht, bewegt die­se Fei­er die Men­schen, sie iden­ti­fi­zie­ren sich mit dem Klip­pen­eck und dem Segel­flug hier“, so Wolf. Im Hin­blick auf die Rol­le der Poli­tik gegen­über der Flie­ge­rei und ins­be­son­de­re dem Ehren­amt zeig­te sich Wolf: „Ich habe das Gefühl, dass die Leu­te im Ver­eins­we­sen in Sachen Regu­lie­rung erwar­ten: Weni­ger wäre mehr.“

In Sachen Wind­ener­gie posi­tio­nier­te sich Wolf klar für die Belan­ge der Flie­ge­rei: „Segel­flie­ger sind Freun­de der Natur. Wir soll­ten kei­ne künst­li­chen Kon­flik­te auf­bau­en. Es gibt wesent­lich bes­se­re Stand­or­te für Wind­rä­der als das Klip­pen­eck.“
Den­kin­gens Bür­ger­meis­ter Rudolf Wuh­rer erin­ner­te in sei­ner Fest­re­de an die Anfän­ge der Flie­ge­rei auf dem Klip­pen­eck 1932.

Den BWLV lob­te Wuh­rer als „Bewah­rer einer rei­chen Tra­di­ti­on. „Die enge Zusam­men­ar­beit mit der Gemein­de und den Men­schen vor Ort war immer von gegen­sei­ti­gem Ver­trau­en getra­gen und könn­te bes­ser nicht sein“, so Wuh­rer. Den­kin­gen sei ohne die Segel­flie­ger nicht denk­bar, und die Inves­ti­ti­on des Ver­ban­des ein star­kes Bekennt­nis zur Zukunft des Gelän­des am Klip­pen­eck. Wuh­rer über­gab Eber­hard Laur einen Gut­schein für einen Baum, der als­bald auf dem Klip­pen­eck gepflanzt wer­den soll.

Den Abschluss im Rei­gen der Fest­re­den bil­de­te Wolf­gang Müt­her, Prä­si­dent des Deut­sche Aero Clubs. Er dank­te dem BWLV für des­sen gro­ßes Enga­ge­ment und mahn­te, dass die Flie­ger alle­samt ver­pflich­tet sei­en, die lan­ge Tra­di­ti­on zu wah­ren und wei­ter­zu­ge­ben. Müt­her for­der­te, die Werk­statt zu einer ech­ten Wir­kungs­stät­te zu machen, von der aus zum Woh­le der Ver­ei­ne Gutes ent­ste­he.

Im Anschluss an die Fest­re­den über­reich­te BWLV-Prä­si­dent Eber­hard Laur an die bei­den lang­jäh­ri­gen Mit­glie­der und Segel­flug­pio­nie­re Bodo Stäh­le und Bri­git­ta Kel­ler die Ehren­mit­glied­schaft des Ver­ban­des. Der 91-jäh­ri­ge Stäh­le war bereits seit 1941 flie­ge­risch aktiv und ist dies bis heu­te. So war er unter ande­rem Mit­glied der Deut­schen Segel­flug­na­tio­nal­mann­schaft, nahm an meh­re­ren Deut­schen Meis­ter­schaf­ten teil, wirk­te als Segel­flug­leh­rer-Aus­bil­der und war dar­über hin­aus im Ver­band als Funk­tio­när tätig.

Auf sein Kon­to gehen fast 8000 Starts mit mehr als 4700 Flug­stun­den. Bri­git­ta Kel­ler war eine der ers­ten akti­ven Segel­flie­ge­rin­nen in Deutsch­land. Sie erflog in den 1950er- und 1960er-Jah­ren meh­re­re Höhen- und Wei­ten­re­kor­de, war eben­falls als lang­jäh­ri­ge Aus­bil­de­rin und Funk­tio­nä­rin aktiv. Beson­ders ver­dient mach­te sich Bri­git­ta Kel­ler um den Frau­en­luft­sport.
Im Anschluss ver­weil­ten die Besu­cher bei Bewir­tung und Musik der „Old Fashion Jazz­band“.

Zudem gab es Vor­füh­run­gen von Wil­helm Heinz, der vom Deger­feld mit sei­ner Extra 300 gekom­men war, und von Robin Kem­ter, der Segel­kunst­flug mit bun­tem Rauch in Per­fek­ti­on zeig­te. Am Segel­flug-Simu­la­tor des BWLV herrsch­te reger Andrang, und die Luft­sport­ju­gend des Ver­ban­des wie auch die Mit­ar­bei­ter der Stutt­gar­ter Geschäfts­stel­le des BWLV sorg­ten dafür, dass die Besu­cher bes­tens ver­sorgt waren. Bei guten Gesprä­chen klang die Fest­ver­an­stal­tung aus.

Beim anschlie­ßen­den Flug­platz­fest der ARGE Klip­pen­eck, das sich auch auf den Sonn­tag erstreck­te und das in den benach­bar­ten Hal­len statt­fand, nah­men die Besu­cher ger­ne das Ange­bot der Ver­ei­ne in Anspruch. Zwar mach­te das Wet­ter Auf­füh­run­gen im Frei­en unmög­lich. Den­noch konn­ten zumin­dest in den Hal­len eini­ge Modell­flug­zeu­ge gezeigt wer­den – und auch an den gro­ßen Flug­zeu­gen zeig­ten die Gäs­te reges Inter­es­se.

Meh­re­re Dut­zend Hel­fer waren vor Ort, dar­un­ter Frei­wil­li­ge des DRK und der Feu­er­wehr. Der Musik­ver­ein Den­kin­gen steu­er­te die musi­ka­li­sche Unter­ma­lung bei. Trotz der beschei­de­nen Wet­ter­ver­hält­nis­se waren die Hal­len gut gefüllt. „Zeit­wei­se bil­de­ten sich sogar Schlan­gen bei der Essens­aus­ga­be“, sagt der ARGE-Spre­cher Sören Ebser. Inso­fern bleibt allen Betei­lig­ten ein gemein­sa­mes Fazit: Das Fest­wo­chen­en­de auf dem Klip­pen­eck war rund­um gelun­gen.