”Fensterbohrer” festgenommen: 51-Jähriger nach 100 Einbrüchen in Haft

Seine Mittäter sollen aus dem Landkreis Rottweil stammen / Fensterbohreinbrüche in Lauterbach, Schramberg und Schiltach wohl aufgeklärt.

Einbrecher bei der Tat. Foto: Flickr

Die Poli­zei hat offen­bar einem 51-jäh­ri­gen Kroa­ten das Hand­werk gelegt. Auf das Kon­to des mut­maß­li­chen Berufs-Ein­bre­chers sol­len mehr als 100 Ein­brü­che gehen, alle in der Regi­on ver­übt. Gegen den Mann wur­de Haft­be­fehl erlas­sen, tei­len Poli­zei und Staats­an­walt­schaft mit. Er soll ein soge­nann­ter Fen­s­ter­boh­rer sein. Sei­ne Mit­tä­ter sol­len aus dem Land­kreis Rott­weil stam­men.

Einen wei­te­ren gro­ßen Ermitt­lungs­er­folg im Bereich der Woh­nungs­ein­bruchs­kri­mi­na­li­tät kön­nen die Poli­zei­prä­si­di­en in Kon­stanz, Offen­burg und Tutt­lin­gen ver­mel­den. In enger Zusam­men­ar­beit gelang es den spe­zi­ell zur Bekämp­fung der Woh­nungs­ein­brü­che ein­ge­rich­te­ten Ein­hei­ten bei den Prä­si­di­en einen 51-jäh­ri­gen Mann zu ermit­teln, der mut­maß­lich für weit mehr als ein­hun­dert Woh­nungs­ein­brü­che in Fra­ge kommt.

Der Beschul­dig­te konn­te in der Nacht von Mon­tag auf Diens­tag von einem mobi­len Ein­satz­kom­man­do in Hau­sach (Orten­au­kreis) fest­ge­nom­men wer­den. Seit Sep­tem­ber 2016 war der 51-Jäh­ri­ge nach Anga­ben der Ermitt­ler über­wie­gend in den Land­krei­sen Kon­stanz, Offen­burg und Rott­weil aktiv.

”Vie­les spricht dafür”, dass der jetzt fest­ge­nom­me­ne Mann auch für die Fen­s­ter­bohr­ein­brü­che in Lau­ter­bach, Schram­berg und Schiltach im ver­gan­ge­nen Herbst ver­ant­wort­lich ist, so Poli­zei­spre­cher Micha­el Aschen­bren­ner auf Nach­fra­ge der NRWZ. Dies wer­de aber erst im Ein­zel­nen noch abge­klärt.

Dabei ging der Mann stets nach dem glei­chen Modus Ope­ran­di vor. Mit der so genann­ten ”Fen­s­ter­boh­rer-Metho­de” soll es dem Mann gelun­gen sein, Fens­ter zu öff­nen und in die Tat­ob­jek­te ein­zu­stei­gen. Da die Ein­brü­che aus­nahms­los in den Nacht­stun­den erfolg­ten, waren die Opfer offen­bar zu Hau­se und schlie­fen über­wie­gend.

Bei zwei Ein­brü­chen in Zell am Har­mers­bach und in Gen­gen­bach wur­den die Bewoh­ner jedoch auf das Trei­ben auf­merk­sam und stan­den dem Ein­dring­ling plötz­lich gegen­über. Bei­de Male flüch­te­te die­ser sofort, so dass es glück­li­cher­wei­se zu kei­ner Kon­fron­ta­ti­on mit den Opfern kam.

Auch am west­li­chen Boden­see, beson­ders in den Ort­schaf­ten Allens­bach, Heg­ne und Rei­chen­au, kommt der Beschul­dig­te für zahl­rei­che Ein­brü­che in Fra­ge.

Über­wie­gend such­te der Mann nach Bar­geld und Mobil­te­le­fo­nen, in weni­gen Aus­nah­me­fäl­len ent­wen­de­te der 51-Jäh­ri­ge auch Schmuck oder Uhren. Dem Beschul­dig­ten auf die Spur kamen die Ermitt­ler im ver­gan­ge­nen Monat.

Nach Hin­wei­sen aus der Bevöl­ke­rung im Zusam­men­hang mit meh­re­ren Ein­brü­chen in Schiltach (Land­kreis Rott­weil) sowie auf­grund von eige­nen Erkennt­nis­sen erga­ben sich kon­kre­te Ver­dachts­mo­men­te gegen den Mann, berich­ten nun Poli­zei und Staats­an­walt­schaft. Im Lau­fe von wei­te­ren, meist ver­deckt geführ­ten Ermitt­lun­gen, habe sich der Tat­ver­dacht zuse­hends erhär­tet.

Als der Beschul­dig­te in der Nacht von Mon­tag auf Diens­tag aber­mals auf Die­bes­tour gegan­gen sei, sei­en die Fahn­der sozu­sa­gen mit auf ”Tour” gewe­sen. In Hau­sach schnapp­te die Fal­le schließ­lich zu. Bei der Fest­nah­me leis­te­te der Mann kei­nen Wider­stand. Der gesam­te Dieb­stahls­scha­den soll sich laut Poli­zei auf mehr als 175.000 Euro belau­fen.

Kein Unbekannter

Ein Unbe­kann­ter ist der 51-Jäh­ri­ge, kroa­ti­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge bei den euro­päi­schen Poli­zei­be­hör­den indes nicht. So war er in den letz­ten zehn Jah­ren beson­ders in der Schweiz und Öster­reich als ”Fen­s­ter­boh­rer” in Erschei­nung getre­ten. Dort saß der Beschul­dig­te auch meh­re­re Haft­stra­fen ab.

In Deutsch­land war der Mann in einer Gemein­de im Land­kreis Kon­stanz gemel­det. Eine Mit­tä­te­rin (36 Jah­re) sowie ein Mit­tä­ter (48 Jah­re), die den Mann mit Fahr­diens­ten sowie beim Aus­bal­do­wern von Tat­ob­jek­ten unter­stützt haben sol­len, sind im Land­kreis Rott­weil wohn­haft. Das Amts­ge­richt Rott­weil erließ auf Antrag der Staats­an­walt­schaft Rott­weil mitt­ler­wei­le Haft­be­fehl gegen den 51-jäh­ri­gen Haupt­tä­ter.

”Trotz der zuneh­men­den Erfol­ge bei der Bekämp­fung der Woh­nungs­ein­brü­che soll­te man stets dar­auf ach­ten, dass Fens­ter und Türen mit Siche­rungs­tech­nik ver­se­hen sind”, rät Micha­el Aschen­bren­ner von der Poli­zei­di­rek­ti­on Tutt­lin­gen. So erschwe­ren bei­spiels­wei­se abschließ­ba­re Tür­grif­fe den Ein­bre­chern ihr ver­werf­li­ches Tun enorm, erklärt der Poli­zist. Die Prä­ven­ti­ons­re­fe­ra­te der Poli­zei­prä­si­di­en bera­ten kos­ten­los.

Mit der Fest­nah­me des 51-Jäh­ri­gen zei­ge sich ein­mal mehr, dass die Poli­zei in der Bekämp­fung von Woh­nungs­ein­brü­chen beson­ders dann erfolg­reich ist, wenn sich eine spe­zi­ell ein­ge­rich­te­te Ermitt­lungs­ein­heit bei den Poli­zei­prä­si­di­en um die­ses, für das Sicher­heits­ge­fühl der Bür­ger so wich­ti­ge, Delikts­feld küm­mert, heißt es in der Erklä­rung von Poli­zei und Staats­an­walt­schaft wei­ter. Im vor­lie­gen­den Fall sei das prä­si­di­um­s­über­grei­fen­de Zusam­men­wir­ken die­ser Ein­hei­ten von Erfolg gekrönt gewe­sen.

”Nicht nur die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sind über die Fest­nah­me des ‘Fen­s­ter­boh­rers’ erleich­tert”, kon­sta­tiert Poli­zist Aschen­bren­ner. Die Ermitt­ler sei­en beson­ders froh, einem offen­sicht­lich unver­bes­ser­li­chen Berufs-Ein­bre­cher das Hand­werk gelegt und damit zur Stär­kung des Sicher­heits­ge­fühls bei den Bür­gern wesent­lich bei­getra­gen zu haben.