Flüchtlingsstrom: Landratsamt Rottweil sucht Wohnungen

Flüchtlingsstrom: Landratsamt Rottweil sucht Wohnungen

KREIS ROTTWEIL, 17. Oktober (elch) – Die Zahl der Flüchtlinge im Kreis Rottweil steigt. Bisher kann das Landratsamt sie alle unterbringen, sucht aber dringend weitere Unterkünfte – auch per Zeitungsanzeige.

Christoph Frank macht sich Sorgen. Sorgen über fehlende Wohnungen für die Flüchtlinge, die in die Region kommen. Der Vorsitzende des Freundeskreises Asyl in Rottweil erkennt bei den Menschen im Landkreis wohl eine steigende Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen. Allein 30 aktive Bürger unterstützen ihn bei der Betreuung und Begleitung der Betroffenen in Rottweil, erteilen den Menschen Deutschunterricht, geben Rat in Rechtsfragen, packen mit an bei Hilfsaktionen. Auch die Kooperation mit der Römerschule, an der die Kinder unterrichtet werden, klappe gut.

„Jetzt müssen wir die Bevölkerung noch wachrütteln, ihre leer stehenden Wohnungen zu nutzen und Flüchtlingen anzubieten. Der Wohnraum ist da“, ist sich Frank sicher. Doch fehle noch die Bereitschaft, ihn zu vermieten. Gerade die Flüchtlinge aus Syrien benötigten geeignete Wohnungen, um die Sammelunterkünfte verlassen zu können. „Sie haben teils grauenvolle Erlebnisse hinter sich“, berichtet er, „bangen um ihre Familie daheim und haben Angst, weiter flüchten zu müssen. Diese Menschen benötigen Friede und Ruhe.“

Herbert Schneider, beim Landratsamt zuständig für Asylsuchende, präsentiert nackte Zahlen. Ziffern, die zeigen, dass der Krieg in Syrien nicht nur über die Fernsehbilder in unsere Wohnzimmer schwappt.

Die notleidenden Menschen sind in unserer Region angekommen: 360 Flüchtlinge in vorläufiger Unterbringung registriert er in seiner Statistik. Menschen, die im Kreis Rottweil zumeist in Gemeinschaftsunterkünften leben und auf den Abschluss ihres Asylverfahrens warten.

Allein 180 Menschen aus 13 Nationen wohnen in Rottweil in der Unteren Lehrstraße. Damit ist das mehrstöckige Haus in Neckarnähe voll. Dazu kommen weitere zehn Syrer und vier jüdische Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion, deren Bleiberecht bereits bestätigt ist.

Kontingentflüchtlinge werden diese Menschen im Amtsdeutsch genannt. Sie leben in kleineren Wohnungen, sollen in Deutschland dauerhaft eine Heimat finden.

252 Flüchtlinge aus aller Herren Länder wurden allein dieses Jahr in den Kreis Rottweil geschickt. 45 Menschen aus Syrien, größtenteils Familien mit Kindern, seien dabei. Weiterhin zählt Schneider Asylbewerber aus den ehemaligen jugoslawischen Gebieten, dem Irak, einigen afrikanischen Ländern oder Georgien auf.

Die monatliche Quote der zugewiesenen Flüchtlinge liege derzeit bei 50 Menschen, gibt er an. Ob es bis zum Jahresende mehr werden, kann er heute nicht sagen. „Bisher finden wir für alle Flüchtlinge noch Unterkünfte“, sagt Schneider. „Wir können die Probleme bewältigen“.

Klagen aus anderen Landkreisen über steigende Mieten kann er bisher nicht bestätigen. Doch teilweise erhalte das Landratsamt Angebote, „die wir ablehnen müssen“. Zu alt seien die Gebäude, welche die Mitarbeiter des Sozialamtes vorgeschlagen bekommen, der Zustand sei zu schlecht.

Für die Asylbewerber gesucht würden vor allem Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis, etwa in Schramberg, Oberndorf, Epfendorf und Dornhan.

Haben die Asylbewerber den Status der Duldung erreicht oder leben bereits länger als 24 Monate in Deutschland, können sie auch in kleineren Gemeinden wohnen. Dann sucht deren Rathaus ihnen ein festes Dach über dem Kopf. Rund zwölf solcher Fälle zählt Herbert Schneider, beim Landratsamt zuständig für Asylsuchende, im Landkreis. Verteilt werden die Menschen aber nicht nach Gutdünken der Verwaltung, sondern nach einem festen Schlüssel, der sich an der Einwohnerzahl der Dörfer und Städte bemisst. Nach Rottweil kommen so 1,3 Prozent der Flüchtlinge, die Baden-Württemberg zugewiesen werden.

Für Christoph Frank, Vorsitzender des Freundeskreises Asyl in Rottweil, ist die steigende Zahl der Flüchtlingszuweisungen kein Problem. „Wir haben den Platz, müssen ihn nur freimachen und die Menschen so willkommen heißen“, stellt er fest er. Die südlichen Länder in Europa seien viel stärker belastet. „Da können wir nicht einfach weggucken, sondern müssen mithelfen.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 17. Oktober 2014 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/region-rottweil/fluechtlingsstrom-landratsamt-rottweil-sucht-wohnungen/56323