Auf dem Gro­ßen Heu­berg mischen sich Fir­men in den Wahl­kampf ein. Für ein gro­ßes Pla­kat benut­zen sie uner­laubt ein Foto, das einen aus­tra­li­schen Jun­gen in Indi­en zeigt.

Das Foto eines unge­wöhn­li­chen „Wahl­pla­kats“ hat sich in die­ser Woche rasant im Netz ver­brei­tet. „Ist das ein Fake?“, fra­gen eini­ge Leser unse­rer Zei­tung. „Wahn­sinn“, fin­den ande­re. Stein des Ansto­ßes: Eine Fir­ma in Eges­heim (Kreis Tutt­lin­gen) hat ein gro­ßes Pla­kat an der Stra­ße auf­ge­stellt, auf dem die Fir­ma selbst, zwei Fir­men aus Obern­heim und eine aus Nusplin­gen mehr oder weni­ger sub­til Stim­mung gegen Aus­län­der machen – ver­packt in einen Wahl­auf­ruf.

Blick­fang des Pla­kats ist ein Foto, das die Begeg­nung einer gro­ßen Grup­pe von indi­schen Kin­dern mit einem ein­zel­nen blon­den, hell­häu­ti­gen Kind zeigt. Dar­über prangt die Über­schrift „Deutsch­land 2030“. Das Foto kur­siert bereits seit Jah­ren im Inter­net, wo es auch die Urhe­ber des Pla­kats her­un­ter­ge­la­den haben dürf­ten. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der NDR-Jour­na­list Fie­te Ste­gers die Urhe­ber des Bil­des aus­fin­dig gemacht: Eine aus­tra­li­sche Fami­lie hat­te bei einem Urlaub in Indi­en ein Kin­der­heim besucht und dabei eine Spen­de über­ge­ben (die gesam­te Recher­che mit TV-Bei­trag).

Die Eltern sind empört

Dabei war das Foto ent­stan­den, das den klei­nen Sohn der Fami­lie mit Kin­dern des Hei­mes zeigt. „Wir sind sehr trau­rig, dass das Bild für sol­che Pro­pa­gan­da ver­wen­det wird“, hat­te die Mut­ter im ver­gan­ge­nen Jahr dem NDR-Medi­en­ma­ga­zin ZAPP gesagt. „Wir hat­ten genau das Gegen­teil im Sinn.“ Der Vater des Jun­gen hat­te ver­ur­teilt, dass das Foto für poli­ti­sche Zwe­cke miss­braucht wird. „Das unter­stüt­zen wir auf gar kei­nen Fall.“ Auch das Kin­der­heim äußer­te sich empört.

In Deutsch­land hat­te das Foto gro­ße Ver­brei­tung gefun­den, nach­dem es die ehe­ma­li­ge CDU-Poli­ti­ke­rin und heu­ti­ge Unter­stüt­ze­rin der AfD, Eri­ka Stein­bach, auf Twit­ter geteilt hat­te. NDR-Jour­na­list Ste­gers sieht die Fir­men vom Gro­ßen Heu­berg in der Ver­ant­wor­tung. „Der Ursprung des Fotos ist heu­te ein­fach her­aus­zu­fin­den“, sagt er im Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER. Bei sei­ner Recher­che habe er aller­dings den Ein­druck gehabt, dass sich die­je­ni­gen, die es ver­brei­ten, dafür gar nicht inter­es­sie­ren. „Aber es geht um Kin­der, nie­mand wür­de wohl ger­ne das Foto sei­nes eige­nen Kin­des auf einem sol­chen Pla­kat wie­der­ent­de­cken wol­len.“

Der ZOLLERN-ALB-KURIER hat am Don­ners­tag ver­sucht, alle an der Akti­on betei­lig­ten Fir­men zu Wort kom­men zu las­sen. Eines der vier Unter­neh­men war tele­fo­nisch nicht erreich­bar, die ande­ren ver­wei­ger­ten jeden Kom­men­tar zu dem Pla­kat.