Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Amely Schweizer. Foto: Moni Marcel

ROTTWEEIL/TUTTLINGEN (mm) – Tau­sen­de von Bil­dern, in denen Kin­der und Jugend­li­che nackt und in ein­deu­ti­gen Posen dar­ge­stellt oder sogar miss­braucht wer­den, soll ein 45-Jäh­ri­ger aus Tutt­lin­gen aus dem Inter­net her­un­ter­ge­la­den und als „Mas­tur­ba­ti­ons­vor­la­ge“, so nennt das der Staats­an­walt, benutzt haben.

 

Dar­um geht es in einem am Mitt­woch gestar­te­ten Pro­zess vor dem Rott­wei­ler Land­ge­richt. Zwei­mal soll er zudem selbst klei­ne Mäd­chen heim­lich foto­gra­fiert haben, wie sie nackt im Was­ser spiel­ten oder von der Mut­ter ange­zo­gen wur­den. Die­se Bil­der, mit Fokus auf Intim­be­reich und Gesäß der Kin­der, habe er an einen Unbe­kann­ten geschickt. Der Mann ist seit April in Haft, seit Juli in einer psych­ia­tri­schen Kli­nik, und geht es nach dem Staats­an­walt, dann soll das auch so blei­ben.

 

Sei­ne Auf­ga­be zum Pro­zess­auf­takt war eine undank­ba­re: Er ver­las hun­der­te von Beschrei­bun­gen der gefun­de­nen Bil­der, Beschrei­bun­gen, bei denen man sich fast wünsch­te, die Ver­tei­di­ge­rin wäre mit ihrem Antrag, die Öffent­lich­keit aus­zu­schlie­ßen, durch­ge­kom­men. Denn was hier zu hören ist, ist schier uner­träg­lich: Klein­kin­der, die ver­ge­wal­tigt wer­den, Kin­der mit Schnul­ler und Strumpf­bän­dern, klei­ne Mäd­chen in Netz­strumpf­ho­sen, die Män­ner oral befrie­di­gen, gefes­selt teil­wei­se und sogar gefol­tert wer­den.

 

Schon einschlägig vorbestraft

 

Doch die Kam­mer unter Vor­sitz von Karl­heinz Mün­zer lehn­te den Aus­schluss der Öffent­lich­keit ab, erst, wenn Zeu­gen zu Wort kom­men und das Sexu­al­le­ben des Man­nes beleuch­tet wird, pas­siert das wohl ohne Zuhö­rer und Pres­se. Bis dahin hört die Öffent­lich­keit, was dem Mann vor­ge­wor­fen wird. Der selbst zwei Kin­der hat, die sei­ne Exfrau aber nicht mehr zu ihm lässt, nach einem frü­he­ren Vor­fall, wegen dem er schon zwei Jah­re im Gefäng­nis ver­brach­te.

 

Unstetes Berufsleben

 

Wegen dem er, nach­dem es bekannt wur­de, auch sei­nen Job ver­lor. Über­haupt scheint sein Berufs­le­ben sehr unstet, mehr als ein oder zwei Jah­re beim glei­chen Betrieb fin­det man kaum in sei­nem Lebens­lauf. Zwei Leh­ren hat er abge­bro­chen, arbei­te­te dann in ver­schie­de­nen Berei­chen, für Zeit­ar­beits­fir­men, als Lage­rist, Rei­ni­gungs­kraft oder Detek­tiv. Aber auch eine musi­sche Sei­te scheint der Mann zu haben, so begann er nach dem frü­hen Tod sei­nes Vaters Key­board zu spie­len, war spä­ter als Allein­un­ter­hal­ter bei Hoch­zei­ten oder Geburts­ta­gen, und auch als Zau­ber­künst­ler unter­wegs.

 

Der Vater starb, als der Ange­klag­te zwölf Jah­re alt war. Er habe immer das Gefühl gehabt, sein Vater habe sei­nen jün­ge­ren Bru­der bevor­zugt. Der Vater: Im Stra­ßen­bau tätig, in sei­ner Frei­zeit Jäger und im Schüt­zen­ver­ein aktiv. Die Mut­ter Haus­frau, der klei­ne Sohn spiel­te lie­ber mit Mäd­chen als Fuß­ball. Jetzt, in der Psych­ia­trie, kön­ne er das ver­ar­bei­ten, habe einen Brief an den längst ver­stor­be­nen Vater geschrie­ben.

 

Der Pro­zess wird am Diens­tag, 28. Novem­ber um neun Uhr fort­ge­setzt, aller­dings erst ein­mal unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit, ab zehn Uhr könn­te es dann öffent­lich wei­ter­ge­hen.