Freuen sich gemeinsam: Der Vorstandsvorsitzende der AOK-Baden-Württemberg Dr. Christopher Hermann, Stefanie Herzog, AOK Regionalchef Klaus Herrmann und Dr. Ralph Jäger von den Regiodocs. Fotos: him

SCHRAMBERG (him) – Einen rie­si­gen Blu­men­strauß über­reich­te der Lan­des­chef der AOK, Dr. Chris­to­pher Her­mann, am Mon­tag an Ste­fa­nie Her­zog aus Schram­berg. Die Erzie­he­rin ist das exakt 1,5 Mil­li­ons­te AOK-Mit­glied, das sich am Haus­arzt­pro­gramm der Kran­ken­kas­se betei­ligt.

Schon vor ein paar Mona­ten hät­ten sie die Ärz­te des Regi­odoc-Teams über das Haus­arzt­pro­gramm infor­miert. Die Vor­tei­le hät­ten sie über­zeugt und sie habe gesagt: „Ok, dann mach‘ ich das“, berich­tet sie bei einer klei­nen Fei­er im Neu­bau der Regi­odocs auf dem Sul­gen. Her­zog hat meist mit Dr. Susan­ne And­reae oder Dr. Ralph Jäger von den Regi­odocs zu tun, die zusam­men mit wei­te­ren Kol­le­gen die „über­ört­li­che Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaft“ mit fünf Zweig­pra­xen in Schram­berg-Tal, auf dem Sul­gen, in Hardt Aich­hal­den und Esch­bronn betrei­ben.

Bessere Vorsorge

Für Dr. Jäger ist der größ­te Vor­tei­le des Pro­gramms: „Wir kön­nen eine erwei­ter­te Gesund­heits­vor­sor­ge anbie­ten.“ Auch habe er kei­nen Zeit­ver­lust durch die kom­ple­xen Abrech­nun­gen mehr. Beim Haus­arzt­mo­dell zah­le die Kas­se eine Pau­scha­le. „Ich habe mehr Zeit für den Pati­en­ten.“ So sehe das Modell  durch­schnitt­lich vier Arzt­be­su­che mit je 15 Minu­ten Zeit beim Arzt je Quar­tal vor. „Für eine der jähr­li­chen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen habe ich sogar eine hal­be Stun­de.“ Weit mehr als sonst üblich.

Damit sich die Ärz­te betei­li­gen kön­nen, müs­sen sie beson­de­re Qua­li­täts­stan­dards nach­wei­sen: Pro­dukt­un­ab­hän­gi­ge Fort­bil­dun­gen, eine Min­dest­aus­stat­tung bei den Appa­ra­ten, inter­ne Qua­li­täts­zir­kel bei­spiels­wei­se. Vor­ge­se­hen sei auch eine direk­te­re Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Fach­ärz­ten. Die Haus­ärz­te erfüh­ren, wel­che Medi­ka­men­te die Fach­ärz­te jeweils ver­schrei­ben und wel­che Behand­lung die­se für einen Pati­en­ten als not­wen­dig anse­hen.

Dr. Chris­to­pher Her­mann berich­tet, dass das AOK-Haus­arzt­pro­gramm schon vor fast zehn Jah­ren von der AOK Baden-Würt­tem­berg, dem Haus­ärz­te­ver­band und MEDI Baden-Würt­tem­berg star­te­te: „Es ist deutsch­land­weit ein­ma­lig. Wir woll­ten uns nicht alles aus Ber­lin vor­schrei­ben las­sen.“

Dr. Chris­to­pher Her­mann.

Das Modell erlau­be den Ärz­ten, die Pati­en­ten nach per­sön­li­chen Bedürf­nis­sen zu behan­deln. Für Pati­en­tin­nen wie Ste­fa­nie Her­zog gebe es die Sicher­heit, dass ihr Haus­arzt jeder­zeit für sie da sei. Er wis­se, was mit sei­nen Pati­en­ten los sei und sei „ihr Lot­se im Gesund­heits­sys­tem“.

Hausarztberuf wird attraktiver

Die AOK mit weit mehr als vier Mil­lio­nen Mit­glie­dern in Baden-Würt­tem­berg habe sehr gute Erfah­run­gen mit dem Sys­tem gemacht. Etwa 4000 Haus- und Kin­der­ärz­te mach­ten lan­des­weit mit. In der Regi­on, so der Chef der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg  Klaus Herr­mann, sei­en von 250.000 Mit­glie­dern fast 100.000 im Haus­arzt­mo­dell. Mehr als 180 Haus­ärz­te in der Regi­on, etwa zwei Drit­tel, mach­ten mit. Im Raum Schram­berg sei­en es sogar etwa 80 Pro­zent.

Gera­de im länd­li­chen Raum ist das eine wich­ti­ge Kom­po­nen­te, denn das Modell macht den Haus­arzt­be­ruf attrak­ti­ver“, so Herr­mann. Hin­zu kom­men die medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­as­sis­ten­tin­nen, kurz VER­AHs,  die den Haus­arzt bei wich­ti­gen Auf­ga­ben wie zum Bei­spiel Rou­ti­ne-Haus­be­su­chen und Medi­ka­men­ten-Manage­ment ent­las­te­ten.

Der AOK sei es wich­tig, dass beson­ders die Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten beim Haus­arzt­mo­dell mit­mach­ten. So lie­ße sich die ambu­lan­te Behand­lung ver­bes­sern und sehr teu­re Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te ver­mei­den. Dass klap­pe auch recht gut, so Dr. Her­mann. Die Teil­neh­mer am Pro­gramm sei­en im Durch­schnitt zehn Jah­re älter als die  ande­ren AOK Mit­glie­der und auch häu­fi­ger krank als der Durch­schnitt. Wis­sen­schaft­ler der Unis Frank­furt und Hei­del­berg beglei­te­ten von Beginn an das Pro­gramm. Sie hät­ten fest­ge­stellt, dass die Teil­neh­mer weni­ger oft ins Kran­ken­haus muss­ten, weni­ger Medi­ka­men­te brauch­ten und Dia­be­ti­ker weni­ger unter Spät­fol­gen lit­ten.

Neben einer bes­se­ren Gesund­heits­vor­sor­ge haben die Pati­en­ten wei­te­re Vor­tei­le: Sie bekom­men schnel­ler Fach­arzt­ter­mi­ne. In den teil­neh­men­den Pra­xen gibt es Abend­sprech­stun­den bis 20 Uhr, und bei vie­len Medi­ka­men­ten ver­zich­tet die Kas­se auf Zuzah­lun­gen.

Gefragt, ob sie denn auch schon von dem für sie neu­en Haus­arzt­pro­gramm pro­fi­tiert habe, lacht Ste­fa­nie Her­zog und schüt­telt den Kopf: „Seit ich unter­schrie­ben habe, muss­te ich nicht mehr zum Arzt!“