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Freitag, 21. Februar 2020

Lotse im Gesundheitssystem

AOK ehrt die 1,5 Millionste Teilnehmerin im AOK-Hausarztprogramm

SCHRAMBERG (him) – Einen riesigen Blumenstrauß überreichte der Landeschef der AOK, Dr. Christopher Hermann, am Montag an Stefanie Herzog aus Schramberg. Die Erzieherin ist das exakt 1,5 Millionste AOK-Mitglied, das sich am Hausarztprogramm der Krankenkasse beteiligt.

Schon vor ein paar Monaten hätten sie die Ärzte des Regiodoc-Teams über das Hausarztprogramm informiert. Die Vorteile hätten sie überzeugt und sie habe gesagt: „Ok, dann mach‘ ich das“, berichtet sie bei einer kleinen Feier im Neubau der Regiodocs auf dem Sulgen. Herzog hat meist mit Dr. Susanne Andreae oder Dr. Ralph Jäger von den Regiodocs zu tun, die zusammen mit weiteren Kollegen die „überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft“ mit fünf Zweigpraxen in Schramberg-Tal, auf dem Sulgen, in Hardt Aichhalden und Eschbronn betreiben.

Bessere Vorsorge

Für Dr. Jäger ist der größte Vorteile des Programms: „Wir können eine erweiterte Gesundheitsvorsorge anbieten.“ Auch habe er keinen Zeitverlust durch die komplexen Abrechnungen mehr. Beim Hausarztmodell zahle die Kasse eine Pauschale. „Ich habe mehr Zeit für den Patienten.“ So sehe das Modell  durchschnittlich vier Arztbesuche mit je 15 Minuten Zeit beim Arzt je Quartal vor. „Für eine der jährlichen Vorsorgeuntersuchungen habe ich sogar eine halbe Stunde.“ Weit mehr als sonst üblich.

Damit sich die Ärzte beteiligen können, müssen sie besondere Qualitätsstandards nachweisen: Produktunabhängige Fortbildungen, eine Mindestausstattung bei den Apparaten, interne Qualitätszirkel beispielsweise. Vorgesehen sei auch eine direktere Kommunikation mit den Fachärzten. Die Hausärzte erführen, welche Medikamente die Fachärzte jeweils verschreiben und welche Behandlung diese für einen Patienten als notwendig ansehen.

Dr. Christopher Hermann berichtet, dass das AOK-Hausarztprogramm schon vor fast zehn Jahren von der AOK Baden-Württemberg, dem Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg startete: „Es ist deutschlandweit einmalig. Wir wollten uns nicht alles aus Berlin vorschreiben lassen.“

Dr. Christopher Hermann.

Das Modell erlaube den Ärzten, die Patienten nach persönlichen Bedürfnissen zu behandeln. Für Patientinnen wie Stefanie Herzog gebe es die Sicherheit, dass ihr Hausarzt jederzeit für sie da sei. Er wisse, was mit seinen Patienten los sei und sei „ihr Lotse im Gesundheitssystem“.

Hausarztberuf wird attraktiver

Die AOK mit weit mehr als vier Millionen Mitgliedern in Baden-Württemberg habe sehr gute Erfahrungen mit dem System gemacht. Etwa 4000 Haus- und Kinderärzte machten landesweit mit. In der Region, so der Chef der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg  Klaus Herrmann, seien von 250.000 Mitgliedern fast 100.000 im Hausarztmodell. Mehr als 180 Hausärzte in der Region, etwa zwei Drittel, machten mit. Im Raum Schramberg seien es sogar etwa 80 Prozent.

„Gerade im ländlichen Raum ist das eine wichtige Komponente, denn das Modell macht den Hausarztberuf attraktiver“, so Herrmann. Hinzu kommen die medizinischen Versorgungsassistentinnen, kurz VERAHs,  die den Hausarzt bei wichtigen Aufgaben wie zum Beispiel Routine-Hausbesuchen und Medikamenten-Management entlasteten.

Der AOK sei es wichtig, dass besonders die Hochrisikopatienten beim Hausarztmodell mitmachten. So ließe sich die ambulante Behandlung verbessern und sehr teure Krankenhausaufenthalte vermeiden. Dass klappe auch recht gut, so Dr. Hermann. Die Teilnehmer am Programm seien im Durchschnitt zehn Jahre älter als die  anderen AOK Mitglieder und auch häufiger krank als der Durchschnitt. Wissenschaftler der Unis Frankfurt und Heidelberg begleiteten von Beginn an das Programm. Sie hätten festgestellt, dass die Teilnehmer weniger oft ins Krankenhaus mussten, weniger Medikamente brauchten und Diabetiker weniger unter Spätfolgen litten.

Neben einer besseren Gesundheitsvorsorge haben die Patienten weitere Vorteile: Sie bekommen schneller Facharzttermine. In den teilnehmenden Praxen gibt es Abendsprechstunden bis 20 Uhr, und bei vielen Medikamenten verzichtet die Kasse auf Zuzahlungen.

Gefragt, ob sie denn auch schon von dem für sie neuen Hausarztprogramm profitiert habe, lacht Stefanie Herzog und schüttelt den Kopf: „Seit ich unterschrieben habe, musste ich nicht mehr zum Arzt!“

 

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