Dem­nächst  beginnt beim Land­ge­richt Kon­stanz ein gro­ßer Straf­pro­zess gegen elf mut­maß­li­che Mafia-Mit­glie­der, die im Schwarz­wald-Baar-Kreis ihr Unwe­sen getrie­ben haben sol­len. Wo das Ver­fah­ren statt­fin­det, sei noch unklar.  Das Land­ge­richt in Kon­stanz bie­te  nicht genü­gend Sicher­heit, so der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Kon­stanz Andre­as Mathy in einer Pres­se­mit­tei­lung. Unter den Ange­klag­ten ist laut Medi­en­be­rich­ten auch der frü­he­re Wirt eines Lokals in Rott­weil, Pla­ci­do A.

Die Staats­an­walt­schaft Kon­stanz habe am 21. Febru­ar 2018 Ankla­ge gegen elf Män­ner ita­lie­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit bezie­hungs­wei­se ita­lie­ni­scher Her­kunft zum Land­ge­richt Kon­stanz wegen ban­den­mä­ßi­gen Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge und wei­te­rer schwe­rer Straf­ta­ten erho­ben, so Mathy.„Gegen einen Ange­schul­dig­ten lau­tet die Ankla­ge zudem auf ver­such­ten Mord.” Die in Deutsch­land und Ita­li­en geführ­ten Ermitt­lun­gen erbrach­ten Bezü­ge zur sizi­lia­ni­schen Cosa Nos­tra und zur kala­bri­schen ‚Ndran­ghe­ta.

Umfangreiche Anklage

Die mitt­ler­wei­le zuge­stell­te Ankla­ge­schrift lis­tet auf 117 Sei­ten 54 Tat­vor­wür­fe auf. Im Mit­tel­punkt steht ein lukra­ti­ver Rausch­gift­han­del in gro­ßem Stil, den die zwi­schen 25 und 52 Jah­re alten Ange­schul­dig­ten laut Ankla­ge von Ende 2013 an bis Mit­te 2017 betrie­ben. „Die vier Haupt­an­ge­schul­dig­ten sol­len den Han­del initi­iert und kon­trol­liert, drei wei­te­re sich an den Geschäf­ten in unter­schied­li­cher Wei­se betei­ligt haben”, heißt es in der Mit­tei­lung.

Die vier rest­li­chen Ange­schul­dig­ten sei­en in gro­ßem Umfang wei­ter­ver­kau­fen­de Abneh­mer der Rausch­gift­ban­de gewe­sen. Bei den ange­klag­ten Taten geht es um ins­ge­samt 250 Kilo­gramm Mari­hua­na sowie Haschisch im zwei­stel­li­gen und Koka­in im ein­stel­li­gen Kilo­gramm­be­reich. Fast 50 Kilo­gramm Rausch­gift habe die Poli­zei im Zuge der Ermitt­lun­gen sicher­ge­stellt.

Auch habe die Poli­zei zur Siche­rung der Abschöp­fung der Erlö­se aus dem Rausch­gift­han­del Ver­mö­gen im Wert von 400.000 Euro beschlag­nahmt. Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de im Wert von wei­te­ren 4,5 Mil­lio­nen Euro sei­en in dem von der Staats­an­walt­schaft Paler­mo geführ­ten Par­al­lel­ver­fah­ren sequestriert wor­den.

Schüsse auf Gaststätte

Einem der vier Haupt­an­ge­schul­dig­ten wirft die Staats­an­walt­schaft außer­dem ver­such­ten Mord vor. Er soll wegen einer aus Rausch­gift­ge­schäf­ten ent­stan­de­nen Strei­tig­keit im Mai 2017 mit einem schar­fen Revol­ver fünf Schüs­se in das erleuch­te­te Fens­ter einer Gast­stät­te im Schwarz­wald-Baar-Kreis abge­ge­ben und dabei bil­li­gend in Kauf genom­men habe, einen oder meh­re­re Men­schen zu töten. Tat­säch­lich blie­ben die bei­den in der Gast­stät­te befind­li­chen Per­so­nen aber unver­letzt.

Wei­te­re Ankla­ge­punk­te lau­ten auf gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung, Anstif­tung zur Brand­stif­tung, Ver­ab­re­dung zum schwe­ren Raub, gewerbs­mä­ßi­ges Ver­schaf­fen gefälsch­ter amt­li­cher Aus­wei­se sowie uner­laub­ten Besitz von Schuss­waf­fen.

Internationale Zusammenarbeit

Der Ermitt­lungs­er­folg ist das Ergeb­nis einer kon­zer­tier­ten Akti­on deut­scher und ita­lie­ni­scher Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den”, so Mathy wei­ter. „Die auf­wän­di­gen Ermitt­lun­gen, die auf einen Hin­weis der Guar­dia di Finan­za in Paler­mo zurück­gin­gen, waren von Beginn an durch die enge und frucht­ba­re Zusam­men­ar­beit mit den ita­lie­ni­schen Stel­len geprägt.”

Das Ermitt­lungs­ver­fah­ren, an dem zeit­wei­se bis zu 300 Beam­te betei­ligt waren, wur­de über neun Mona­te geführt, wäh­rend derer die in bei­den Län­dern täti­gen Staats­an­wäl­te und Poli­zei­be­am­ten in regel­mä­ßi­gem Aus­tausch stan­den. Eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung war dabei die akri­bi­sche Ana­ly­se und Zusam­men­füh­rung der Erkennt­nis­se aus den über Mona­te hin­weg in bei­den Län­dern geführ­ten tech­ni­schen Über­wa­chungs­maß­nah­men.

Neun der vor ihrer Fest­nah­me im Juni 2017 über­wie­gend im Schwarz­wald-Baar-Kreis ansäs­si­gen Ange­schul­dig­ten befin­den sich in Unter­su­chungs­haft, wobei ein in Unter­su­chungs­haft befind­li­cher Ange­schul­dig­ter von Ita­li­en nach Deutsch­land aus­ge­lie­fert wur­de. Die gegen zwei wei­te­re Betei­lig­te erlas­se­nen Haft­be­feh­le wur­den gegen Auf­la­gen außer Voll­zug gesetzt. Ins­ge­samt rich­ten sich die Ermitt­lun­gen gegen 46 Beschul­dig­te, von denen sich 35 nicht in Haft befin­den. Die Ver­fah­ren gegen die­se 35 Per­so­nen wur­den abge­trennt und wer­den geson­dert geführt.

Da das Land­ge­richt Kon­stanz über kei­nen Ver­hand­lungs­saal ver­fügt, der die bei neun inhaf­tier­ten Ange­klag­ten nöti­gen Sicher­heits­stan­dards bie­tet, wird die Haupt­ver­hand­lung vor­aus­sicht­lich nicht in Kon­stanz statt­fin­den.