Andreas Reiter bei seinem Vortrag in Schramberg. Foto: him

SCHRAMBERG (him) –  „Wenn jemand eine Rei­se tut, dann will er was erle­ben.“ Mit die­sem leicht abge­wan­del­ten Zitat von Mat­thi­as Clau­di­us lässt sich ein Impuls­re­fe­rat des öster­rei­chi­schen Zukunfts­for­schers Andre­as Rei­ter zusam­men­fas­sen.

Beim zwei­ten Schwarz­wäl­der Tou­ris­mus­kon­gress am Mon­tag in der H.A.U. sprach Rei­ter unter der Über­schrift „Zukunft braucht Her­kunft“ über Ent­wick­lun­gen im Tou­ris­mus, aber auch in der Gesell­schaft. Ihn habe der „Test­turm mit­ten in der Land­schaft“ fas­zi­niert, als er nach Schram­berg anreis­te. Das zei­ge, das Land­le­ben sei „anders als bis­her gewohnt: smart und krea­tiv“.

Die flüssige Moderne

Ins­ge­samt sei unser Leben heu­te von Brü­chen und Umbrü­chen bestimmt, einer „flüs­si­gen Moder­ne“. Da  wach­se die Sehn­sucht nach Sicher­heit und Gebor­gen­heit. „Natur und Land­schaft wer­den zu Flucht­hel­fern aus der Moder­ne.“ Für  den Tou­ris­mus  bedeut­sam sei, dass den Men­schen „Emo­ti­on wich­ti­ger als Infor­ma­ti­on“ sei.

Dabei hät­ten die Groß­städ­ter oft ein ganz fal­sches Bild vom Land: „Der Städ­ter hält das Land für einen Zoo“, zitier­te Rei­ter die Schrift­stel­le­rin Juli Zeh. Der Städ­ter kommt aufs Land, und fin­det High Tech. Im Gegen­zug wür­den die Städ­te grü­ner.

Den­noch hal­te der Trend an, dass es die jun­gen Leu­te, ins­be­son­de­re jun­ge Frau­en, in die Groß­stadt zie­he: „Da ist der Gen­pool inter­es­san­ter.“ Es gebe aber auch einen gegen­läu­fi­gen Trend zurück aufs Land. Erstaun­lich vie­le krea­ti­ve Fir­men  las­sen sich im länd­li­chen Raum nie­der, hat Rei­ter beob­ach­tet. „Das Land wird zum Zukunfts­la­bor.“

Tourismus und Industrie: Lebenslange Partnerschaft

In einer Regi­on wie dem Schwarz­wald, der Tou­ris­mus und Indus­trie bie­te, sei es wich­tig, Talen­te zu hal­ten. Das gelin­ge, wenn man  eine regio­na­le Lebens­qua­li­tät anstre­be, beson­de­re Attrak­tio­nen bie­te.

Und da kommt für Rei­ter der Tou­ris­mus ins Spiel: Was für die Ein­hei­mi­schen inter­es­sant sei, begeis­te­re auch die Gäs­te. „Machen Sie nichts nur für Tou­ris­ten, für die Ein­hei­mi­schen muss es toll sein“, rät er den ver­sam­mel­ten Tou­ris­mus­fach­leu­ten.

Wes­halb ver­rei­sen wir? Weil wir etwas erle­ben wol­len. Rei­sen als Sam­meln von Erin­ne­run­gen. Men­schen such­ten beson­de­re, magi­sche Plät­ze. „Die müs­sen aber insta­gram­fä­hig sein“, fügt Rei­ter schnell hin­zu: „Ich pos­te, also bin ich.“ Auch hier zei­ge sich der gesell­schaft­li­che Wan­del. Erleb­nis­se sei­en wich­ti­ger als Pro­duk­te. Jun­ge Leu­te kau­fen kei­ne Fil­me oder CDs mehr, um sie ins Regal zu stel­len. Sie laden sich Musik und Film her­un­ter. Sie nut­zen ein Auto statt es zu besit­zen. „Kon­su­mie­ren on demand.“

Wenn Indus­trie und Frem­den­ver­kehr so nah bei­ein­an­der sind wie im Schwarz­wald, sei das eine gro­ße Chan­ce, auch um Talen­te zu gewin­nen. In der Stei­er­mark haben sich gut 50 Betrie­be zusam­men­ge­tan, und bie­ten Erleb­nis­tou­ren für Schul­klas­sen an. In einem wegen der Bau­ar­bei­ten zum Bren­ner-Basis-Tun­nel eigent­lich der­zeit unschö­nen Tal bie­ten die Tou­ris­ti­ker Bau­stel­len-Tou­ren an. Sol­che Ange­bo­te schaf­fen Iden­ti­tät und sor­gen dafür gemein­sam mit ande­ren Erfah­run­gen zu machen. Rei­ters Fazit: Indus­trie und Tou­ris­mus haben kei­ne Affä­re, son­dern das ist eine lebens­lan­ge Bezie­hung.“