Die Nach­fol­ge­fra­ge ist geklärt: Knapp ein hal­bes Jahr, nach­dem sich das Unter­neh­men  von einem Tag auf den ande­ren von sei­nem bis­he­ri­gen Chef Nor­bert Scheuch  getrennt hat­te, mel­det Heck­ler und Koch am Mon­tag: „Dr.-Ing. Jens Bodo Koch, der­zeit Spre­cher der Geschäfts­füh­rung der Atlas Elek­tro­nik GmbH mit Sitz in Bre­men, wird künf­tig die Geschäf­te des welt­markt­füh­ren­den Klein­waf­fen­her­stel­lers Heck­ler & Koch lei­ten.“

Der pro­mo­vier­te Inge­nieur Koch ver­fü­ge über „umfang­rei­che indus­tri­el­le und bran­chen­spe­zi­fi­sche Erfah­run­gen“ und wer­de ab dem 1. Mai als Vor­sit­zen­der des Vor­stands die Füh­rung der Heck­ler & Koch Grup­pe über­neh­men.

Wer ist Atlas?

Atlas ist ein Her­stel­ler von Ortungs­sys­te­men für die zivi­le und mili­tä­ri­sche Schiff­fahrt. Beson­ders bei der Aus­rüs­tung von U-Boo­ten ist Atlas enga­giert. Das Unter­neh­men beschäf­tigt  etwa  2100 Mit­ar­bei­ter welt­weit. Zu den Geschäfts­zah­len  teil­te  Pres­se­spre­cher Stef­fen Leuthold  auf Nach­fra­ge der NRWZ mit, dass Atlas im ver­gan­ge­nen Jahr 434 Mil­lio­nen Euro Umsatz erwirt­schaf­tet habe. Der 45-jäh­ri­ge Mana­ger war von Früh­jahr 2014 bis Früh­jahr 2016 bei der bri­ti­schen Atlas-Toch­ter „Direc­tor“ und in Bre­men seit 2016 „COO und Mit­glied des Exe­cu­ti­ve Board”. Koch war seit­her für die Sonar­sys­te­me ver­ant­wort­lich.

Korruptionsskandale

Atlas Elek­tro­nik muss­te im Juni 2017 sat­te 48 Mil­lio­nen Euro an die Han­se­stadt Bre­men zah­len, weil das Unter­neh­men in Kor­rup­ti­ons­af­fä­ren in Peru und Grie­chen­land ver­wi­ckelt war. Das berich­te­te Spie­gel online (SPON) am 1. Juni 2017. In Grie­chen­land soll das Unter­neh­men einem Han­dels­ver­tre­ter 13 Mil­lio­nen Euro Pro­vi­sio­nen bezahlt haben. Die­ser soll sei­ner­seits grie­chi­sche Amts­trä­ger geschmiert haben, um den Rüs­tungs­auf­trag zu erhal­ten, so SPON. Ähn­lich sei es in Peru gelau­fen. Seit 2013 lie­fen die Ermitt­lun­gen der Bre­mer Staats­an­walt­schaft.

Die 48 Mil­lio­nen soll­ten den Gewinn abschöp­fen, den Atlas bei den bei­den Geschäf­ten gemacht hat­te. Im Gegen­zug habe die Staats­an­walt­schaft die Ermitt­lun­gen gegen das Unter­neh­men wegen Bestechung ein­ge­stellt. Koch erklär­te damals, mit der Mil­lio­nen-Zah­lung wer­de ein für das Unter­neh­men belas­ten­des Kapi­tel abge­schlos­sen.

Heck­ler und Koch bekommt neu­en Chef. Foto: him

Neustart in Oberndorf

Für ihn selbst soll nun in Obern­dorf ein neu­es Kapi­tel begin­nen.  „Ich freue mich sehr, mit Dr. Koch eine fach­lich wie mensch­lich her­vor­ra­gend geeig­ne­te Per­sön­lich­keit gefun­den zu haben, die den ein­ge­schla­ge­nen inno­va­ti­ven und pro­fi­ta­blen Wachs­tums­kurs des Unter­neh­mens nach­hal­tig vor­an­trei­ben wird“, erklärt laut Heck­ler-und-Koch-Pres­se­mit­tei­lung Die­ter John, der Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats der H&K AG und der Heck­ler & Koch GmbH. John hebt auch  Kochs „Ver­än­de­rungs­ma­nage­ment­ex­per­ti­se” her­vor. Koch wer­de das „Füh­rungs­team opti­mal ergän­zen und die Zukunft der Heck­ler & Koch Grup­pe pro­ak­tiv und nach­hal­tig posi­tiv gestal­ten“. Koch selbst ließ mit­tei­len, er freue sich sehr dar­auf, „Teil der Heck­ler & Koch Erfolgs­ge­schich­te zu wer­den.”

Schiffsbau-Experte

2011 war  Koch Arbeits­kreis­lei­ter „Schiffbau/Schiffstechnik“ beim VDI. Des­sen Ham­bur­ger Bezirks­ver­ein lud zu einer Fach­ta­gung „S.O.S. SECURITY ON SHIPS“ ein. Als Wis­sen­schaft­ler hat­te er 2005 an der tech­ni­schen Uni­ver­si­tät in Ham­burg-Har­burg gear­bei­tet und sich damals mit Schiff­bau­the­men befasst. Im Dezem­ber 2016 nahm Koch zusam­men mit wei­te­ren Ver­tre­tern von Rüs­tungs­be­trie­ben  an einer Regie­rungs­rei­se des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums nach Indi­en teil.

Atlas Elek­tro­nik, der der­zei­ti­ge Arbeit­ge­ber von Koch, hat eine beweg­te Fir­men­ge­schich­te. Eine Wur­zel geht ins 19. Jahr­hun­dert auf die AEG zurück. In den 1990er Jah­ren kam das Unter­neh­men zur Vul­kan Werft, und wur­de nach deren Kon­kurs an die bri­ti­sche BAE Sys­tems und Rhein­me­tall ver­kauft.  Heck­ler und Koch gehör­te eben­falls  eini­ge Jah­re zu die­sem bri­ti­schen Rüs­tungs­kon­zern. Nach wei­te­ren Eigen­tü­mer­wech­seln gehört Atlas inzwi­schen zum thys­sen­krupp-Kon­zern.

Scheuchs Kündigungsschutzklage: Verhandlung im April

Der frü­he­re Chef von Heck­ler und Koch, Scheuch hat gegen sei­nen Raus­wurf Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ein­ge­reicht. Ein ursprüng­lich für den 12. Dezem­ber vor­ge­se­he­ner Ter­min wur­de wegen eines Rich­ter­wech­sels kurz­fris­tig abge­sagt. Laut Vize­prä­si­dent Dr. Thi­lo Reb­mann vom Land­ge­richt Rott­weil soll nun am 6. April über Scheuchs Kla­ge ver­han­delt wer­den.

Nor­bert Scheuch bei sei­nem ein­zi­gen Auf­tritt vor der Pres­se Mit­te August 2017 in Glatt. Zwei Wochen spä­ter war er sei­nen Job los. Archiv-Foto: him