Nicht verhandlungsfähig: Prozess stockt

Das Landgericht Rottweil.

Rott­weil (mm/gg). Direkt nach Pro­zess­auf­takt wur­de die Ver­hand­lung gegen ein inzwi­schen geschie­des Ehe­paar unter­bro­chen. Den bei­den wird vor­ge­wor­fen, als Mit­glie­der der Geschäfts­füh­rung eines Fleisch­be­triebs im Land­kreis kurz vor des­sen Insol­venz Gel­der in sie­ben­stel­li­ger Höhe für sich abge­zweigt zu haben – Untreue also.

Mit­te 2011 kam die erschre­cken­de Nach­richt: Der Betrieb ist insol­vent. Damals hieß es, dem mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men hät­te einer­seits die Ein­kaufs­macht der gro­ßen Waren­haus­ket­ten und und ande­rer­seits die Ver­kaufs­macht weni­ger Flei­sch­an­bie­ter zuge­setzt.

Tat­säch­lich aber sol­len die bei­den mit der Geschäfts­füh­rung Betrau­ten im gro­ßen Stil Gel­der abge­zweigt haben. Die Ankla­ge wirft ihnen vor, als Täter bezie­hungs­wei­se Gehil­fe im Rah­men der Geschäfts­füh­rung des im Land­kreis Rott­weil ansäs­si­gen mit­tel­stän­di­schen Betrie­bes ab dem Jah­re 2006 unbe­fugt Gel­der ent­nom­men und für eige­ne Zwe­cke ver­wen­det zu haben, bevor es im Jah­re 2011 zur Insol­venz des dama­li­gen Betrie­bes kam. Der Scha­den soll sich auf eine unte­re sie­ben­stel­li­ge Sum­me belau­fen.

Von der Insol­venz waren etwa 120 Mit­ar­bei­ter des Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens betrof­fen. Die­ses bestand damals rund 50 Jah­re. Es besteht – unter neu­er Lei­tung – auch heu­te wie­der. Das Nach­fol­ge­un­ter­neh­men ist, dar­auf legt ein Spre­cher des Land­ge­richts gegen­über der NRWZ Wert, nicht vom am Don­ners­tag begin­nen­den Pro­zess betrof­fen.

Der star­te­te sto­ckend. Direkt nach Pro­zess­auf­takt wur­de die Ver­hand­lung gegen das geschie­de­ne Ehe­paar unter­bro­chen. Die Frau sei, so erklär­te ihre Anwäl­tin, nicht pro­zess­fä­hig. Doch der Gut­ach­ter konn­te dies im Vor­feld des Pro­zes­ses nicht end­gül­tig klä­ren. Er woll­te den ers­ten Pro­zess­tag abwar­ten, um sich vor Ort ein Bild machen zu kön­nen, aber dann erschien die Ange­klag­te nicht. Also mach­ten sich Exmann, Gut­ach­ter und Anwäl­tin auf den Weg zu ihr.

In anschlie­ßen­der nicht­öf­fent­li­cher Sit­zung gab der Gut­ach­ter bekannt, die Frau lei­de an einem ängst­lich-depres­si­ven Misch­zu­stand, wes­halb sie an die­sem Tag nicht ver­hand­lungs­fä­hig sei. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter Karl-Heinz Mün­zer teil­te dies der Öffent­lich­keit mit – inzwi­schen war auch der ange­klag­te Exmann nicht mehr im Gerichts­saal, er muss­te sei­ner geschie­de­nen Frau bei­ste­hen, so hieß es.

Mün­zer ergänz­te, die Ange­klag­te sei durch­aus bereit, sich hel­fen zu las­sen und auch am Pro­zess teil­zu­neh­men, habe auch Medi­ka­men­te, „doch die hat sie bedau­er­li­cher­wei­se falsch dosiert ein­ge­nom­men“, wie er erklär­te.
Die Ver­hand­lung wur­de unter­bro­chen und wird am Don­ners­tag, 27. Novem­ber um 9 Uhr fort­ge­setzt. Ins­ge­samt sind zwölf Ver­hand­lungs­ta­ge ange­setzt, 18 Zeu­gen sol­len gehört wer­den.

Der betrof­fe­ne Fleisch- und Wurst­her­stel­ler hat der­weil die Kehrt­wen­de geschafft. Eine Auf­fang­ge­sell­schaft hat­te den Betrieb bereits im Sep­tem­ber 2011 über­nom­men. Das Unter­neh­men belie­fe­re gro­ße Dis­coun­ter, die dank der Qua­li­tät der Pro­duk­te des Fleisch­wa­ren­her­stel­lers ihr Inter­es­se an des­sen Erhalt bekun­det hät­ten, hieß es damals.