Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Villingen wird Ende September geschlossen. Archiv-Foto: him

VILLINGEN-SCHWENNINGEN (him) – Als im Herbst 2014 der Flücht­lings­strom auch unse­re Regi­on erreich­te, hat die Regie­rung drin­gend nach Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten gesucht. In einer ehe­ma­li­gen Wohn­an­la­ge der fran­zö­si­schen Armee in Vil­lin­gen ent­stand im Febru­ar 2015 eine „bedarfs­ori­en­tier­te Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung“. Nun wird sie geschlos­sen. Ent­spre­chen­de Plä­ne hat­te die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung bereits im Novem­ber 2016 ange­kün­digt.

In  Abstim­mung mit dem Innen­mi­nis­te­ri­um wird das Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg die Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen zum 30. Sep­tem­ber schlie­ßen“, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung der Frei­bur­ger Behör­de.  Der Rück­bau der Ein­rich­tung sol­le wie vom Innen­mi­nis­te­ri­um vor­ge­se­hen bis Ende 2017 plan­mä­ßig erfol­gen.

Dank an Kommune und Ehrenamtliche

Regie­rungs­vi­ze­prä­si­dent Kle­mens Ficht hat den Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen, Dr. Rupert Kubon sowie Land­rat Sven Hin­ter­seh infor­miert. Auch die Ver­trags­part­ner des Regie­rungs­prä­si­di­ums sei­en kurz­fris­tig über die Ent­schei­dung des Lan­des unter­rich­tet wor­den. „Wir wer­den die wei­te­ren Schrit­te eng mit den vom Rück­bau betrof­fe­nen Insti­tu­tio­nen vor Ort abstim­men“, beton­te der Vize­prä­si­dent.

Regie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer dankt der Stadt und dem Land­kreis:  „Auch möch­te ich die Gele­gen­heit nut­zen, mich an die­ser Stel­le bei den zahl­rei­chen ehren­amt­li­chen Hel­fern aus Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und rund um die Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung zu bedan­ken. Sie haben mit ihren vie­len Ange­bo­ten wesent­lich dazu bei­getra­gen, den Flücht­lin­gen ein gutes Ankom­men in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen zu ermög­li­chen“, so Schä­fer.

Handgranate in die Erstaufnahmeeinrichtung sorgte für Schlagzeilen

Zu lan­des­wei­ten Schlag­zei­len brach­te es die Ein­rich­tung,  als im Janu­ar 2016 eine Hand­gra­na­te auf dem Gelän­de gelan­det war. Nach­dem die Poli­zei und die Staats­an­walt­schaft zunächst auch einen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund ver­mu­tet hat­ten, stell­te sich spä­ter her­aus, dass es sich bei dem Anschlag um eine Aus­ein­an­der­set­zung von Wach­un­ter­neh­men unter­ein­an­der han­del­te.

Drei in Rott­weil ansäs­si­gen Ange­klag­ten im Alter von 24, 23 und 23 Jah­ren warf die Staats­an­walt­schaft schließ­lich vor, in der Nacht vom 28. auf den 29. Janu­ar in Vil­lin­gen eine schar­fe Hand­gra­na­te auf einen mit drei Wach­leu­ten besetz­ten Con­tai­ner auf dem Gelän­de der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung gewor­fen zu haben. Dabei hät­ten sie in Kauf genom­men, dass die Gra­na­te Wach­leu­te töten kön­ne.

Einem 27 Jah­re alten Ange­klag­ten aus Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und einem 38 Jah­re alten Ange­klag­ten aus Walds­hut-Tien­gen, die zusam­men ein Sicher­heits­un­ter­neh­men betrie­ben haben, wur­de vor­ge­wor­fen, „die drei Ange­klag­ten aus Rott­weil zu ihrer Tat ange­stif­tet zu haben, um auf das mit der Bewa­chung der Flücht­lings­un­ter­kunft betrau­te riva­li­sie­ren­de Sicher­heits­un­ter­neh­men Druck aus­zu­üben“ mel­de­te die NRWZ damals. Im Pro­zess vor dem Land­ge­richt Kon­stanz erhiel­ten die Ange­klag­ten teil­wei­se mehr­jäh­ri­ge Haft­stra­fen.