Südwestmesse vor dem Start

Brillenkamera liest Blinden vor

Revolutionär: Die Brillenkamera als Vorlesehilfe für Blinde. Mischa Knebel vom Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden zeigt sie.Fotos: him

SCHWENNINGEN  (him) – Die Vor­be­rei­tun­gen für die Süd­west­mes­se sind bei­na­he abge­schlos­sen. Am Sams­tag wird das – laut Pres­se­mit­tei­lung – „neun­tä­gi­ge Groß­ereig­nis“ auf dem Schwen­nin­ger Mes­se­ge­län­de eröff­net. Der baden-würt­tem­ber­gi­sche Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann  (Die Grü­nen) wird die Eröff­nungs­re­de hal­ten.

Mehr als 700 Aus­stel­ler zei­gen wie­der  ihre Waren und Dienst­leis­tun­gen. „Bei uns ent­deckt man aktu­el­le Trends und cle­ve­re Pro­dukt­neu­hei­ten“, sagt Tobi­as Ertl, Pro­jekt­lei­ter der Süd­west Mes­se. Vom 10. bis zum 18. Juni bie­tet sie auf einer Ausstellungs­fläche von etwa 60.000 Qua­drat­me­tern Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen aus nahe­zu allen Berei­chen des Lebens sowie jede Men­ge Unter­hal­tung.

Beim tra­di­tio­nel­len Mes­se­rund­gang für die Medi­en  hat Mes­se­che­fin Ste­fa­nie Gosch­mann mit ihrem Team auf eini­ge beson­de­re Neu­hei­ten hin­ge­wie­sen. Bür­ger­meis­ter Det­lev Büh­rer ver­trat den erkrank­ten Ober­bür­ger­meis­ter Rupert Kubon.

Neuheiten: Vom Schnellbaukran bis zur begehbaren Mundhöhle

Im Ein­gangs­be­reich zeigt eine Fir­ma einen Schnell­bau­kran, der inner­halb von einer hal­ben Stun­de auf einer Bau­stel­le auf­ge­stellt wer­den kann. Und das funk­tio­niert sogar per Funk­fern­steue­rung. Was­ser­spie­le aus Edel­stahl mit LED-Beleuch­tung für um die 2000 Euro war­ten auf Käu­fer. Dicht dane­ben ein alt­mo­di­sches Motor­rad aus Eng­land, das das Quad­house aus Fisch­bach mit Leder noch ver­edelt.

Beim Stand der Zahn­ärz­te  lockt eine begeh­ba­re Mund­höh­le die Besu­cher. Gegen­über fei­ert die Stadt Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen ihr  Jubi­lä­um mit „Romeo und Julia“. Die Part­ner­stadt Zit­tau stellt sich vor. Aus Anlass von 25 Jah­ren deut­sche Uhren­stra­ße hat das Deut­sche Uhren­mu­se­um den Kuckuck von der Lan­des­gar­ten­schau „aus­ge­gra­ben und  reak­ti­viert“, wie der Chef des deut­schen Uhren­mu­se­ums in Furt­wan­gen Pro­fes­sor Edu­ard Saluz erzählt.

Brillenkamera für Blinde

Wirk­lich revo­lu­tio­när  ist eine Bril­len­ka­me­ra für Blin­de, die Mischa Kne­bel vom Blin­den- und Seh­be­hin­der­ten­ver­ein Süd­ba­den vor­führt. Die klei­ne Kame­ra wird an eine han­dels­üb­li­che Bril­le gesteckt. Wenn ein Blin­der nun auf ein Doku­ment schaut, foto­gra­fiert die Kame­ra die Sei­te. Ein Lese-Sprach-Com­pu­ter spricht den Text vor. Auf die­se Wei­se kön­nen Blin­de eigen­stän­dig gedruck­te Brie­fe, Bro­schü­ren oder auch Bücher sich vor­le­sen las­sen. Die Jour­na­lis­ten­schar war stark beein­druckt ob die­ses Fort­schritts.

Mischa Kne­bel zeigt, wie die Bril­len­ka­me­ra funk­tio­niert.

Der­zeit kos­tet das Gerät noch etwa 3000 Euro“, so Kne­bel auf Nach­fra­ge, „noch wird es nicht von den Kran­ken­kas­sen bezahlt.“  Die klei­ne Kame­ra kann aber noch mehr: Hebt der Blin­de den Arm in Gesichts­hö­he,  sagt das Gerät Datum und Uhr­zeit. Und: „Man kann auch eine Gesichts­er­ken­nung pro­gram­mie­ren. Dann sagt mir die Kame­ra, wer mir gegen­über­steht.“ Welch enor­men Fort­schritt die­ses klei­ne Gerät für Blin­de und Seh­be­hin­der­te bedeu­tet, kön­nen wohl nur Betrof­fe­ne ermes­sen.

Wei­te­re Etap­pen beim Mes­se­rund­gang waren Grab­höl­zer statt Grab­stei­nen, die ein Betrieb aus Süd­ba­den aus Eiche her­stellt. Der Foto­graf Jochen Scher­zin­ger aus Güten­bach hat eine Foto­se­rie mit alten Schwarz­wäl­der Hand­wer­ken auf­ge­legt. Das Schram­ber­ger Auto- und Uhren­mu­se­um ist wie­der mit einem Stand ver­tre­ten und führt die Iset­ta als Bei­spiel für die Klein­wa­gen der Nach­kriegs­zeit vor.

Die Milch macht’s

Bei der Lebens­mit­tel­ver­mark­tung in Hal­le N geht es die­ses Jahr um die Milch. Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Hauk (CDU) wird am Sonn­tag vor­be­schau­en. Die Land­frau­en bie­ten wie­der ihre Salat­plat­ten und Kar­tof­feln im Kräu­ter­man­tel. Einen rauch­frei­en Holz­ofen zeigt  Robert Frei im Frei­ge­län­de wegen sei­nes knat­tern­den Geräuschs hat er ihn „Rake­ten­ofen“ getauft. „Mul­dykip­per“, die sehr kom­pakt gebaut sind, fin­den sich weni­ge Schrit­te wei­ter.  Die Fir­ma Stai­ger aus Königs­feld  zeigt einen Hang­mä­her für extre­me Hang­la­gen, „der sogar auf der Stel­le wen­den kann“, wie Adri­an Leu­te ver­si­chert. Auch  Mäh­ro­bo­ter, die GPS-gesteu­ert sind, bie­te ihre Fir­ma an, berich­tet Vanes­sa Stai­ger: “Die lau­fen zehn Stun­den am Stück.“

Am Ende des Rund­gangs hat Mes­se-Press­spre­cher Ulrich Cra­mer auf die 14 Mus­ter­häu­ser am Ran­de des Mes­se­ge­län­des hin­ge­wie­sen: „Da kön­nen Sie auch schau­en, wie die Möbel wir­ken.“

Beim tra­di­tio­nel­len Richt­fest im Fest­zelt dank­te Bür­ger­meis­ter Büh­rer allen Mit­ar­bei­tern der Mes­se­ge­sell­schaft und der Stadt, den Hel­fern von Johan­ni­tern, der Poli­zei und der Feu­er­wehr. Dann schritt er zum Fass­an­stich. Obwohl er das „ noch nie vor­her gemacht“ habe, hat er den Zap­fen mit einem geziel­ten Schlag ins Fass gehäm­mert. Bei Brat­hähn­chen und Bier lie­ßen die Jour­na­lis­ten und die Hel­fer den Mit­tag aus­klin­gen.