Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger: Weniger arbeiten, mehr denken

Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger: Weniger arbeiten, mehr denken

„Wir freuen uns, dass wir solche Dinge machen können wie den Testturm von Rottweil“ – das war nicht nur eine Nettigkeit, die Dr. Heinrich Hiesinger den 1300 in der vollen Tuttlinger Stadthalle sagte: Aufzüge sind ein wichtige Geschäftsfeld der Thyssen Krupp AG, deren Vorstandsvorsitzender Hiesinger seit 2011 ist.

Der Chef von 155.000 Menschen in der ganzen Welt war zum IHK-Neujahrstreff gekommen und überzeugte auf der ganzen Linie. Sein Vortrag war gut verständlich, auch für betriebswirtschaftliche Laien, begeisterte aber auch die Profis. Und so mancher mag doch ins Grübeln gekommen sein, als der Schwabe Hiesinger sagte: „Ich bin so gut wie nie am Wochenende in der Firma. Aber ich arbeite trotzdem – ich denke!“

„Engineering. Tomorrow. Together“ – so laute der Wahlspruch des Konzerns. Hiesinger machte an einem Beispiel deutlich, wie das gemeint sei: Die Flughäfen würden immer größer, die Wege immer weiter. Und so hätten seine Ingenieure einen Fahrsteig entwickelt, der beschleunigt. Anfangs mit normaler Geschwindigkeit losfährt, „und in der Mitte sind Sie so schnell wie Usain Bolt beim 100-Meter-Lauf“, sagte der CEO aus Bopfingen. „Das ist dann wie ein Aufzug ohne Seil“.

Und genau hier habe der nächste Schritt eingesetzt. Der Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai sei 800 Meter hoch. Um die Menschen ohne allzu lange Wartezeiten transportieren zu können, braucht’s Transportmittel. Und so seien 45 Prozent der Grundfläche für die Aufzüge da. Man könne die auch nicht schneller fahren lasen, denn bei mehr als acht Meter je Sekunde bekämen die Fahrgäste Magen- oder Ohrenprobleme. Und mehr Aufzüge je Schacht könne man nicht fahren lassen – eben wegen des Seils. Die Lösung: Aufs Seil verzichten, dann können in einem Schacht mehrere Aufzüge verkehren. „Und eben solche Aufzüge werden in Rottweil getestet.“

Begeistert zeigte er sich, dass IHK-Präsident Dieter Teufel in seiner Begrüßung von „unserem Turm“ gesprochen habe. Teufel legte im Anschluss gleich nach: „Vielen Dank, dass Sie uns unsern Turm hier bauen“, sagte er. Das wollte Rottweils OB Ralf Broß nicht so stehen lassen: „Es ist unser Turm!“ Er überreichte dem Gast einen Rottweiler von Otmar Hörl.

Doch die Reden waren nur der eine Teil der Neujahrstreffs. Vertreter aus Wirtschaft, Behörden und Politik waren auch wegen der Begegnungen, Gespräche und auch des gemeinsamen Biers oder Wassers gekommen – was auch ausgiebig genutzt wurde. Auffällig war aber, dass der OB der Doppelstadt, Rupert Kubon, nicht gekommen war. Im Vorfeld hatte er dagegen protestiert, dass die Veranstaltung von den Schwenninger Messehallen in die viel kleinere Tuttlinger Stadthalle verlegt worden war.

Aber das hatte seine Gründe, wie Teufel sagte: „Wir haben uns für den Wechsel von Villingen-Schwenningen nach Tuttlingen entschieden, weil bei der Planung im Herbst nicht abzusehen war, ob die Messehalle Villingen-Schwenningen nochmals für die Aufnahme von Flüchtlingen benötigt wird.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 15. Januar 2016 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/region-rottweil/thyssen-krupp-chef-hiesinger-weniger-arbeiten-mehr-denken/106740