Wenn es juckt und kratzt — Neurodermitis

Kinder mit Neurodermitis müssen ihre Haut mit Feuchtigkeit spendenden Cremes schützen. Foto: pm

Neu­ro­der­mi­tis ist eine chro­nisch-entzündliche Hauterkrankung und gehört zu den häu­fig­sten Krankheit­en im Kindes- und Jugen­dal­ter. Im Land­kreis Rot­tweil waren 2016 nach ein­er Auswer­tung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg 2079 AOK-Ver­sicherte davon betrof­fen.  Darüber berichtet die AOK:

Das entspricht einem Anteil von 2,8 Prozent an allen Ver­sicherten. Im Schwarzwald-Baar-Kreis war dieser Anteil mit 2,9 Prozent ähn­lich, im Land­kreis Tut­tlin­gen dage­gen niedriger (1,8 Prozent). In der gesamten Region sind aber immer mehr Men­schen deswe­gen in ärztlich­er Behand­lung. Im Schnitt der ver­gan­genen Jahre ist die Zahl der Betrof­fe­nen um rund neun Prozent jährlich gestiegen.

In der Win­terzeit lei­den viele Men­schen mit Neu­ro­der­mi­tis beson­ders unter ihren Beschw­er­den. Gründe sind die kalte Luft im Freien und die trock­ene Heizungsluft in der Woh­nung. „In der Regel geht Neu­ro­der­mi­tis mit starkem Juck­reiz, trock­en­er, schup­piger und geröteter Haut ein­her. Die Krankheit tritt mehrheitlich bere­its in den ersten bei­den Leben­s­jahren erst­mals auf, ver­läuft schub­weise und hat ein vom Leben­salter der Betrof­fe­nen abhängiges Erschei­n­ungs­bild. Mit zunehmen­dem Alter klin­gen die Symp­tome oft­mals ab“, erk­lärt Pri­vat­dozentin Dr. Sabine Knap­stein, Ärztin bei der AOK.

Viele junge Menschen betroffen

In der Region ist fast jed­er zweite Betrof­fene (45 Prozent) unter 25 Jahre alt. Beson­ders häu­fig erkrankt sind Ein- bis Vier­jährige. In dieser Alters­gruppe sind über sieben Prozent wegen Neu­ro­der­mi­tis in Behand­lung. Bei den Zehn- bis 14-Jähri­gen sind es noch über vier Prozent.

Das Risiko, an Neu­ro­der­mi­tis zu erkranken, ist zu einem großen Teil erblich bed­ingt. „Vor­beu­gende Maß­nah­men, für die in Stu­di­en nachgewiesen wäre, dass sie vor Neu­ro­der­mi­tis schützen kön­nen, gibt es bish­er nicht. Hin­weise auf eine vor­beu­gende Wirkung gibt es lediglich für Nahrungszusätze mit pro­bi­o­tis­chen Bak­te­rien“, berichtet die AOK-Medi­ziner­in. Die Erkrankung ist in den let­zten Jahren häu­figer gewor­den. Daher wird ver­mutet, dass neben Vererbung auch Umweltver­schmutzung oder die immer bessere Hygiene eine Rolle spie­len.

Eine gute Hautpflege, Medika­mente und das Ver­mei­den von Reizstof­fen und anderen Aus­lösern kön­nen die Beschw­er­den meis­tens soweit lin­dern, dass ein weit­ge­hend nor­males Leben möglich ist“, so Knap­stein. Lin­derung ver­schafft Kindern und Jugendlichen auch ein Neu­ro­der­mi­tis-Over­all. Damit kann ver­hin­dert wer­den, dass man sich im Schlaf blutig kratzt. Der Over­all wird vom Arzt verord­net.