Zunehmender Facharbeitermangel beim Karosserie- und Fahrzeugbau macht Sorgen

0
102
Ass. jur. Joachim Vojta bei seinen interessanten Ausführungen. Foto: pm

REGION ROTTWEIL – In diesem Jahr trafen sich die Mitglieder der Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung im Kammerbezirk Konstanz, welche die Landkreise Konstanz, Rottweil, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Waldshut umfasst, zur Mitgliederversammlung im Hotel „Sternen“ in Kirchen-Hausen.

Als Referent konnte Obermeister Josef Zepf, Tuttlingen, Ass. jur. Joachim Vojta von der Handwerkskammer Konstanz begrüßen.

In seinem nachfolgenden Jahresbericht sprach der Obermeister von einer guten konjunkturellen Entwicklung bei den Betrieben der Karosserie-Instandsetzung und Lackierung. Das handwerkliche Instandsetzen beschädigter Karosserien erfordert fundierte Fachkenntnisse und natürlich geeignete Werkzeuge. Beides findet man im Karosserie-Fachbetrieb, der herstellerunabhängig arbeitet und Fahrzeuge aller Marken repariert.

Sorgen bereitet jedoch der zunehmende Facharbeitermangel sowie die Gewinnung des geeigneten Nachwuchses. Mit der im Jahr 2014 gestarteten Nachwuchskampagne „We want you!“ unterstützt der Zentralverband die Mitgliedsbetriebe beim Finden von geeigneten Auszubildenden.

Die Zukunftsaussichten für das Gewerk bewertete der Obermeister verhalten positiv. Moderne hochtechnische Fahrzeuge können im Unfallschadenfall fachgerecht nur im Karosserie-Fachbetrieb instand gesetzt werden, wozu auch die fachmännische Lackierung gehört, so Obermeister Josef Zepf.

Abschließend berichtete er von den einzelnen Innungsaktivitäten, unter anderem der Gesellenversammlung und der Gemeinschaftsfahrt mit den Kollegen der Kfz-Innung zur „automechanika“ nach Frankfurt.
Im Nachgang zu den Innungsaktivitäten ging Geschäftsführer Kurt Scherfer auf die Finanzpläne der Innung ein. Neben der Jahresrechnung wurde auch der Haushaltsplan einstimmig abgenommen bzw. beschlossen.

Im Hauptreferat des Abends ging Ass. jur. Joachim Vojta, Handwerkskammer Konstanz, auf die Frage ein: „Wer trägt die Kosten für Aus- und Einbau bei schadhaften Teilen des Herstellers?“ Vojta sprach von einem Erfolg für das Handwerk. Autohäuser und Werkstätten können künftig von ihren Lieferanten nicht nur neues Material, sondern auch die Ein- und Ausbaukosten ersetzt verlangen, wenn sie deren mangelhaftes Material zum Beispiel bei einer Reparatur verwendet haben.

Einziger Wehrmutstropfen ist jedoch, dass von dieser Regelung per AGB abgewichen werden kann. So hat der Rechtsausschuss des Bundestages in einer Protokollerklärung ausdrücklich hervorgehoben, dass die bewährte Rechtsprechung des BGH zur Wirksamkeit allgemeiner Geschäftsbedingungen einen ausreichenden Schutz für die Betriebe bietet, so Vojta.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks verweist in einer Erklärung vom 10. März 2017 darauf, dass ein vollständiger Ausschluss des gesetzlichen Anspruchs per AGB eine unangemessene Benachteiligung im Sinne von § 307 BGB darstellt, da er das gesetzliche Leitbild konterkariert und die Interessen des Vertragspartners unberücksichtigt lässt.

Sollte sich entgegen der Erwartungen keine rechtssichere Geschäftspraxis herausbilden, wird sich dies im Wege der nachfolgenden Evaluierung des Gesetzes herausstellen und entsprechende Nachbesserungen zur Folge haben. Abschließend ging Vojta noch auf die Reform der Insolvenzanfechtung ein.

Abschließend bedankte sich Obermeister Josef Zepf beim Referenten mit einem Geschenk und verwies auf die anstehenden Innungsveranstaltungen u.a. den Innungsstammtisch beim Honberg-Sommer in Tuttlingen und die Fahrt zur Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt.