„1,4 Millionen Bürger dürfen nicht abgehängt werden“

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Wie schon der Tuttlinger Gemeinderat vor wenigen Tagen und wie zuletzt die Oberbürgermeister der Anrainer-Städte spricht sich nun der Gemeinderat der Stadt Rottweil gegen die aktuellen Pläne um die Gäubahn im Kontext des Anschlusses an das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ aus. Stand heute ist geplant, dass ab 2025 die Gäubahn-Züge für eine noch nicht endgültig festgelegte Dauer in Vaihingen enden. Sowohl der Stuttgarter Hauptbahnhof als auch der Anschluss zu zahlreichen wichtigen Fernverbindungen ins In- und Ausland wären dann nur noch über die S-Bahn erreichbar.

Für die Große Kreisstadt Rottweil und einen Einzugsbereich mit rund 1,4 Millionen Einwohnenden würde dies bedeuten, dass für eine unbestimmte Zeit sowohl die Landeshauptstadt als auch große Teile des Bahnnetzes nur mit spürbaren Komforteinbußen erreichbar wären, heißt es jetzt in einer Mitteilung der Stadt Rottweil. Damit würde eine große wirtschaftsstarke Region de facto abgehängt. „In Zeiten, in denen wir alle den Umstieg auf die Schiene erleichtern wollten und uns für einen attraktiven Zugverkehr engagieren, wäre dies ein verheerendes Signal“, teilt die Stadtverwaltung Rottweil namens des Gemeinderats mit. Bereits erzielte Erfolge bei der Verbesserung des Angebots würden wieder zerstört. Überdies findet im Jahr 2028 in Rottweil die Landesgartenschau statt. Es sei zu befürchten, dass wegen der Umsteigeproblematik eine Vielzahl von potenziellen Interessierten aus dem nördlichen Einzugsgebiet auf einen Besuch verzichten.

Dabei könnte man das Problem vermeiden, indem die Gäubahn auch weiter auf der Strecke der Panoramabahn in den Stuttgarter Hauptbahnhof oder einen Nordhalt einfährt – und zwar so lange, bis die endgültige Verbindung der künftigen Gäubahn-Trasse mit dem Flughafenbahnhof fertiggestellt ist, schlägt jetzt der Rottweiler Gemeinderat vor. Ein solcher oberirdischer Ergänzungsbahnhof wäre aber auch langfristig sinnvoll, vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass der künftige Stuttgarter Tiefbahnhof kaum Kapazitätserweiterungen zulässt, gleichzeitig aber das Land eine Verdoppelung des Schienenverkehrs bis 2030 anstrebt.

Der Gemeinderat der Großen Kreisstadt Rottweil fordert daher von Bund, Land und DB AG sowie der Stadt Stuttgart und Region Stuttgart als beteiligte Projektträger von S21 …

  • eine Abbindung der Gäubahn ab 2025 auszuschließen,
  • die Weiterführung über die Panoramabahn sicherzustellen, bis die künftige Gäubahn-Trasse zur Verfügung steht,
  • an der geplanten Flughafenanbindung über den Pfaffensteigtunnel festzuhalten und diese mit Hochdruck zu realisieren,
  • eine unverzügliche Prüfung der Varianten Errichtung einer Ergänzungsstation neben dem Tiefbahnhof, eines oberirdischen Ergänzungsbahnhofs, eines Nordhalts beim Nordbahnhof oder einer alternativen Streckenführung zum Tiefbahnhof unter verkehrlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchzuführen. Dabei ist die Erreichbarkeit von Anschlusszügen der Gäubahn im Rahmen des Deutschlandtakts in allen Fällen zu berücksichtigen,

„Uns ist bewusst, dass diese Forderungen in Konflikt zu dem mit der Stadt Stuttgart geschlossenen Kaufvertrag über die bisherigen Bahnflächen stehen. Mit Blick auf die weitreichenden Folgen für den südlichen Landesteil sowie die Zukunftsfähigkeit des künftigen Stuttgarter Hauptbahnhofes darf aber kein Versuch unterlassen werden, um eventuelle gravierende Fehlentwicklungen noch rechtzeitig zu stoppen“, heißt es in der Erklärung des Gemeinderats. Eine sehr ähnlich lautende Resolution hatte das Tuttlinger Gremium einer Mitteilung der dortigen Stadtverwaltung vor wenigen Tagen abgegeben.

Nun erinnert auch der Gemeinderat Rottweil daran, dass die Bevölkerung der Stadt und des Landkreises Rottweil mit großer Mehrheit für eine Weiterführung des Projekts Stuttgart 21 gestimmt habe, auch weil eine verbesserte Anbindung versprochen worden sei. „Dieses Versprechen nicht einzuhalten, würde den Willen der Bürgerinnen und Bürger missachten.“

Das Gremium fordert daher alle Projektträger von Stuttgart 21, insbesondere die Deutsche Bahn AG, dazu auf, diese wichtige Weichenstellung für die Gäubahn im Lichte der Frage der Erreichbarkeit einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas zwischen Bodensee und dem Norden Baden-Württembergs zu betrachten und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine attraktive Bahnverbindung sicherzustellen.

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1 Kommentar

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Stefan Weidle
1 Jahr her

Ich kann das Gemecker nicht verstehen. All die braven Menschen, die sich mit überwiegender Mehrheit für den Tiefbahnhof aussprachen, hätten wissen müssen, dass die Gäubahn laut damaliger Planung, am Flughafen zu Ende gewesen wäre. Man stimmte also als treulich konservativer CDU Lemming, FÜR ein ewiges Umsteigen am ICE Haltepunkt Stuttgart Flughafen. Wenn also der ICE Bratislava Paris, nur alle zwei Stunden hält und die Bahn hatte die Zyklen schon damals auf 90 Minuten eingekürzt, dann musste nahezu ein Jeder Gäubahnler in die S-Bahn, um den Anschluss im schönen Tiefbahnhof zu packen.
Einmal so toll sein wie die Münchner, aber die CSUler sind immer was Besseres in der Union, egal wie stramm der Südwestler seine CDU wählt.
Der Pfaffenbergtunnel und seine Verbesserung der Anbindung der Gäubahn, ist Kind mitdenkender Gegner und Befürworter des Projekts, die aus der Katastrophe wenigstens noch etwas positives herausholen wollen.
Damals, sorry für das Wort, aber es muss sein, „treudoof“ und schlecht informiert auf CDU Linie abzustimmen, weil man das halt so macht und immer so gemacht hat, jetzt aber dicke Backen zu machen, weil einem plötzlich via LGS die Besucherzahlerwartungen davonzuschwimmen drohen, ist Doppelmoral vom Feinsten.
Man beschwert sich nämlich heute über vergleichbar drohende „Zustände“, für die man vor zehn Jahren noch mit überwiegender Mehrheit plädiert hat.
Merke: MIT Gäubahnanschluss OHNE Tunnel, hätte der CDU – IHK-Stuttgart – Immobilienwirtschaftskumpel, doch mit die teuersten freiwerdenden Filetgrundstücke am Hang, gar nicht optimal vermarkten können.
Sie müssen mal lernen in Zusammenhängen zu denken, also so wie die Leute, die sie einst mit überwiegender Mehrheit gewählt und legitimiert haben!

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