"Grüne Aussichten - Rottweiler Perlen am Neckar." Unter diesem Titel ist Rottweil auf dem Weg zu einer Landesgartenschau. Oder will sich jedenfalls darum bewerben. Mit einem Konzept, das die ganze Stadt mitnimmt, das nachhaltig ist und groß gedacht. Foto: gg

Den Stadt­rä­ten ist am Mitt­woch ein wenig das Was­ser im Mund zusam­men gelau­fen. Was da an Vor­her-Nach­her-Visio­nen in ihren Köp­fen ent­stan­den ist, lässt sie poten­zi­ell tief in die Tasche grei­fen. Bis zu 20 Mil­lio­nen Euro soll eine Lan­des­gar­ten­schau kos­ten dür­fen – bei wenigs­tens zehn Mil­lio­nen aus För­der­mit­teln. Den Weg dort­hin hat der Gemein­de­rat am Mitt­woch ein­stim­mig geeb­net. Im Novem­ber soll der Beschluss fal­len: dass die Stadt sich um eine Lan­des­gar­ten­schau bewer­ben möge.

Schon vor mehr als drei Jah­ren hat FDP-Stadt­rat Micha­el Ger­lich die Idee einer Lan­des­gar­ten­schau für Rott­weil ins Spiel gebracht. Sie könn­te nun ver­wirk­licht wer­den, aller­dings frü­hes­tens 2026, und die Kon­kur­renz schläft nicht: Auch Tutt­lin­gen will sich im Rah­men des erst im Juli ver­län­ger­ten Lan­des­pro­gramms „Natur in der Stadt” für eine Lan­des­gar­ten­schau zwi­schen 2026 und 2030 bewer­ben.

Das Kon­zept dafür hat das Büro Plan­statt Sen­ner ent­wi­ckelt, es heißt „Grü­ne Aus­sich­ten: Rott­wei­ler Per­len am Neckar”. Und es zeigt aller­lei Ide­en auf, wie viel Brach­lie­gen­des um die Innen­stadt aus dem Dorn­rös­chen­schlaf geholt wer­den könn­te. Zwi­schen dem Hau­ser­schen Skulp­tu­ren­park auf der Sali­ne und dem Hof­gut Neckar­burg reiht es die Per­len an einer Schnur, dem Neckar näm­lich, auf. Der umfließt die Stadt bekannt­lich, ist aber nicht wirk­lich erleb­bar, meist zuge­wach­sen oder gar am Ufer beto­niert.

Die Ide­en der Pla­ner: ein Fuß­weg vom Skulp­tu­ren­park ent­lang des Neckars in die Alt­stadt, wo es bereits einen Fest­platz am Neckar gibt, und eine Bade­stel­le. Außer­dem eine Insel, auf der jetzt aller­dings eine Maschi­nen­bau­fir­ma steht. Die könn­te ver­legt wer­den, dann ent­stün­de hier ein Platz für Ver­an­stal­tun­gen, eine Kul­tur­in­sel. Eine Insel gibt es auch bei der Lehr­stra­ße, aber auch sie ist kaum zugäng­lich. Ste­ge und Wege wür­den das ändern, dann könn­te man hier baden, den Neckar und die hier genutz­te Was­ser­kraft erleb­bar machen. Immer­hin gab es dort frü­her auch Bade­stel­len, lang vor dem Frei­bad.

Um die Innen­stadt her­um könn­te, wie einst, ein Grün­gür­tel ent­ste­hen, indem der Näge­les­gra­ben eine Tief­ga­ra­ge bekommt, bei der Gele­gen­heit wür­den auch gleich die Alt­las­ten aus dem Boden geholt. Dar­über ein Stadt­park mit Aus­sichts­bal­kon Rich­tung Neckar­tal, und der zuge­wach­se­ne und ver­nach­läs­sig­te Ross­wa­sen führ­te das dann wei­ter, mit Spiel­wie­sen zur stadt­na­hen Erho­lung.

Immer­hin gibt es hier ja schon Klein­gär­ten, das könn­te man aus­wei­ten, öko­lo­gisch wert­voll mit feuch­ten Mul­den, so der Vor­schlag der Pla­ner. Hän­ge­gär­ten wären vor­stell­bar. Dann die Ver­bin­dung der Stadt zum Neckar: Das Gas­werk müss­te wei­chen, der Beton eben­falls, dann könn­te hier ein Neckar­park samt -strand ent­ste­hen. Anschlie­ßen wür­de sich dar­an ein Gleis­park mit Platz für Ver­an­stal­tun­gen und Gas­tro­no­mie.

Ein Bahn­halt vor dem Tun­nel­por­tal samt Auf­zug bräch­te die Men­schen näher an die Innen­stadt, eine Brü­cke über die Glei­se wür­de dann den Park ver­bin­den – ers­te Gesprä­che mit der Bahn sind offen­bar geführt und posi­tiv ver­lau­fen. Wei­te­re Ste­ge sol­len es ermög­li­chen, am Ufer ent­lang zur Dre­her­schen Müh­le und wei­ter Rich­tung Gewer­be­park zu lau­fen oder mit dem Rad zu fah­ren – so könn­te auch der Neckar­tal­rad­weg ent­lang des Ufers bis zum Hof­gut Neckar­burg füh­ren.

Und die Dre­her­sche Müh­le wäre dann end­lich ein Sanie­rungs­kan­di­dat: Ihr Mühl­rad, das der Stadt gehört, ver­rot­tet seit Jah­ren vor sich hin, der Mühl­ka­nal liegt seit einem Pro­be­ab­bruch am Wehr tro­cken. Neue Wege vom Gewer­be­park Rich­tung Heg­ne­berg und eine Öff­nung des Neckar­ufers sind eben­so vor­ge­se­hen wie eine wei­te­re Bahn­hal­te­stel­le beim Kraft­werk. Auch die Hän­ge­brü­cke fin­det Platz in den Plä­nen, sie ver­bin­det dann die Innen­stadt mit dem Ber­ner Feld.

Die­se Visio­nen sind noch nicht fest­ge­schrie­ben, sei­en ers­te Ide­en, hieß es am Mitt­woch. Jetzt fol­gen ein paar Wochen inten­si­ven Rech­nens – die Kos­ten sol­len dem Gemein­de­rat am 22. Novem­ber vor­ge­legt wer­den. Dann soll er über eine Bewer­bung ent­schei­den. Und dann, falls die Stadt sich Ende des Jah­res tat­säch­lich bewirbt und falls sie Mit­te des kom­men­den Jah­res den Zuschlag erhal­ten soll – dann soll es ein Pro­jekt aller Rott­wei­ler wer­den. Nach­hal­tig und groß gedacht.

Die Vor­la­ge dazu kommt aus Öhrin­gen, einer Stadt, so groß wie Rott­weil, die nahe Heil­bronn liegt. 2016 haben sie dort eine Gar­ten­schau aus­ge­rich­tet, deren Chef­pla­ner, Bür­ger­meis­ter Erich Herr­mann, am Mitt­woch in Rott­weil den Stadt­rä­ten den Mund wäss­rig mach­te. Mit Bil­dern von frü­her trost­lo­sen Ecken, die auf­ge­blüht sind wäh­rend der Gar­ten­schau.