Es ist eine kleine, aber aufwändig gestaltete Sonderschau, die derzeit im Dominikanermuseum Rottweil angeboten wird: eine historische Narrenstube. Es gibt grundsätzliche Infos zur Rottweiler Fastnacht und viele begleitende emotionale Stücke. Eine tolle Chance für Besucher der Stadt, deren Heiligstem nachzuspüren, aber auch für Rottweiler, ihren Freunden von auswärts einen kleinen Überblick über die Fasnet und ein Einblick ins eigene Fachwissen zu bieten. Emma (12) und Paul (14) aus Vöhringen (Kreis Rottweil) haben die Schau besucht, die noch bis 9. April zu sehen ist.

Vor dem Museum. Paul (14) und Emma (12) sind gespannt.

Emma und Paul kennen die Rottweiler Fastnacht von ihren seltenen Besuchen und von den häufigeren Erzählungen ihres Vaters. Jetzt, mitten im März 2017 ist die fünfte Jahreszeit eigentlich kein Thema. Im Dominikanermuseum ist sie – etwas aus der Zeit gefallen – immer noch ein klein wenig lebendig. Nicht wie im Narrenschopf Bad Dürrheim, wo der Narr den Ankömmling sogleich lautstark begrüßt und wo ein umfangreicher Überblick über die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht geboten wird. In Rottweil ist Schau musealer. Aber eben der Rottweiler Fastnacht damit auch entsprechender. Gravitätischer. Wie ein Schantle eben schreitet. Irgendwie so.

Paul fasziniert besonders Franz-Ammas Briekere.

Die zwei jungen Leute zieht es eigentlich sogleich zu den ausgestellten Original-Narren – Drehers Biss, Ronnys Schantle, Schiermaiers Guller, die Briekere, den Sauglockenschantle. Anfassen ist nicht, aber staunend davor stehen, das schon. Und andächtig. Das auch.

Klasse Ding und gleich umlagert: das iPad mit allen Fasnetsinfos in Wort, Bild und Ton.

Doch zunächst ist da ein iPad, einziges neuzeitliches Ausstellungsstück. Dieses Ding fesselt die beiden Schüler für satte 20 Minuten. Wenn auch alles im Museum an der Wand hängt und in der Ecke steht – digital scheinen die Narrentypen, der Narrensprung, die Tradition und die schier unveränderte Übernahme in die Moderne leichter erfassbar.

Das Apple-Ding erzählt von der Fasnet auch nur in Text und Bild, manches in Form eines Filmchens, aber das ist der Zugang, den junge Menschen suchen. Interaktiv ist da nichts, eher wie eine Website aufgebaut, aber nochmal hübsch gemacht speziell für die Schau. Ein paar Texte lesen Emma und Paul tatsächlich, die Bilder und Videos fesseln aber deutlich mehr.

Dann aber auch endlich die Narrenstube selbst, die es im Stadtmuseum sonst sehr gedrängt zu sehen gibt (wenn dieses mal offen hat): Dort stehen Narrenkleider samt ihren Larven, die zu den ältesten der Rottweiler Fastnacht gehören. Sie gehen teilweise bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. „Die meisten von ihnen repräsentieren bestimmte Narren-Typen. Zum Teil handelt es sich aber auch um Einzelfiguren mit markanten individuellen Zügen“, so der begleitende Text der Ausstellung. In ihrer Ursprünglichkeit repräsentierten sie den Charakter der althergebrachten Rottweiler Fastnacht.

Beeindruckend: der Guller.

Tatsächlich. Hier kann man einen rauhen Ur-Federahannes sehen in seinem Kartoffelsackkleidle. Neben ihm das „Prallaug“ mit Blut im Gesicht. Ein Wirtshausschlägertyp, wie er vor hunderten Jahren auch schon obrigkeitlich verboten war. Auch das protolliert die kleine Schau eindrucksvoll mit den Originaldokumenten. Und mittendrin: der freche Guller.

Nach einer dreiviertel Stunde ist man locker durch – vor allem dann, wenn einem ein Begleiter ein wenig über die Rottweiler Fasnet erzählen und einzelne Exponate erklären, mit den passenden Geschichten bereichern kann. Das muss kein Stadtführer eines Hecht’schen Kalibers sein – dass ein Rottweiler Durchschnittsbürger genügt, zeigt sich an diesem Sonntagmorgen gleich mehrfach. Die Menschen in der Stadt sind ihrer Fasnet sehr verbunden, können daher die entscheidenden Details im Schlaf wiedergeben. Der Vater mit seinen Kindern ebenso wie die junge Frau mit ihren Freunden von auswärts, beispielsweise.

Zeitensprung

Zeitensprung: die römische Abteilung ist nur eine Tür weiter.

Und die benachbarte Schau des römischen Rottweils ist nur eine Tür und einen kurzen Gang entfernt. Auch sie interessiert Emma und Paul spontan. Schon mal im Museum drin, machen sie einfach weiter.

Emma und Pauls Fazit

Emma anschließend: „Ich fand’s toll, zu sehen, dass die Unterschiede zwischen früher und heute gar nicht so groß sind. Bloß bei bestimmten Narren. Und ich fand das iPad toll. Da hat man viele Informationen bekommen. Außerdem fand ich gut, die Narren mal in Ruhe angucken zu können.“

Paul sagt es so: 

Hintergrund der Narren-Schau

Der Narrentag der vier Zünfte Elzach, Oberndorf, Überlingen und Rottweil findet nur alle drei, vier Jahre statt. Stets ist eine Stadt und Zunft abwechselnd Gastgeber, so jetzt im Januar Rottweil. „Zum Narrentag gehört auch immer der Blick in die Vergangenheit und die Vorausschau in die Zukunft“, erklären die Ausstellungsmacher. Vier Ausstellungen widmeten sich in der Zeit des Narrentags der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses so bedeutsamen kulturellen Brauchtums. Die Ausstellung im Forum Kunst ist beendet. In den Schaufenstern der Rottweiler Innenstadt wurden sogenannte Handhebete und Narrenbücher präsentiert, die das lebendige Aufsagen der Narren über Jahrzehnte hinweg dokumentierten.

Im Dominikanermuseum wurde die historische Narrenstube, die sonst im Stadtmuseum beheimatet ist, neu inszeniert und mit weiteren Exponaten ergänzt. An ihre Stelle trat im Stadtmuseum die Werkstatt des Stahlbildhauers Erich Hauser, der als herausragender Larvenschnitzer gilt.

Infos: www.dominikanermuseum.de