Die Spitze des Vereins Rollbrett Rottweil hat sich über die Osterzeit offenbar auf den Hosenboden gesetzt. Heraus gekommen ist bei der Teamarbeit ein Offener Brief an die Gemeinderäte der Stadt Rottweil, Oberbürgermeister Ralf Broß und insgesamt an die Verwaltung. Der Verein drückt in dem Brief seine Freude darüber aus, dass das Gelände zwischen Rugbyplatz und Verkehrsschule für eine Skateanlage in Rottweil gemäß Gemeinderatsbeschluss reserviert werden soll. Dennoch: Während der Sitzung haben sich Ihnen … noch weitere Fragen gestellt, die wir auf diesem Wege beantworten beziehungsweise zu denen wir Stellung beziehen möchten“, schreiben die Unterzeichner Robert Hak, Matthias Schmutz, Mike Dargel, Felix Wek, Harald Sailer, Barbara-Susann Verona und Julia Ehrenberger.

Die NRWZ bringt den Brief im Wortlaut. Ihm beigefügt ist bereits ein Angebot eines Planungsbüros, das auch die möglichen Gesamtkosten des Projekts Skatepark ausgerechnet hat: 240.000 Euro. Beantwortet wird wiederum vom Verein Rollbrett Rottweil die Frage, wieso er zunächst von Kosten in Höhe von 450.000 Euro ausgegangen war. Dafür hätte es schlicht eine deutlich größere Anlage gegeben. Allerdings seien die Rottweiler Skater aus dem Rollbrettverein mittlerweile auch in Planungen für eine Anlage in Deißlingen involviert. Aus diesen Planungen hätten sie bereits gelernt.

Hier der Brief:

Bezug nehmend auf die Bauaussschussitzung vom 05.04.2017

Sehr geehrte Gemeinderäte, sehr geehrter Herr OB Bross, sehr geehrte Verwaltung,
wir freuen uns über Ihre Entscheidung das Gelände zwischen Rugbyplatz und Verkehrsschule für eine Skateanlage in Rottweil zu reservieren. Während der Sitzung haben sich Ihnen jedoch noch weitere Fragen gestellt, die wir auf diesem Wege beantworten bzw. zu denen wir Stellung beziehen möchten.

Ist Skaten ein Trend, der bald vorbei ist?

Definitiv nein. Ein Sport, den es seit etwa 50 Jahren gibt und der zwischenzeitlich olympisch ist, hat den Status Trendsport hinter sich gelassen. Große Sportartikelhersteller wie Adidas, Nike und Vans bieten ein sehr umfangreiches Angebot für Skater an und unterhalten in größeren Städten eigene Fachgeschäfte rund um das Thema Skaten. Es ist ein etablierter Sport und Lifestyle unserer Jugend.

Wer ist Träger/Bauherr der Skateanlage?

Eine Skateanlage sollte für unser Verständnis eine öffentliche Anlage ohne Zugangskontrolle sein. Die kostenlose Benutzung sehen wir als obligatorisch an. Auch in Rottweil soll die Skateanlage ein kostenloses Angebot für Kinder, Jugendlichen und junge Erwachsene sein. Dies ist für Städte und Gemeinden mit dem Anspruch „Kinder- und Jugendfreundlich“ zu sein ein ebenso selbstverständliches Angebot wie die Bereitstellung von Kinderspielplätzen. Dieses hat z.B. auch die Nachbargemeinde Deißlingen erkannt und ist in der konkreten Planung eines öffentlichen Skateplatzes.

Aus diesem Grund kommt für uns als Träger/Bauherr einer Skateanlage ausschließlich die Stadt Rottweil in Betracht. Ein Vergleich mit der Kletterhalle oder dem Budo-Zentrum als abgeschlossene, teilweise gewerblich betriebene Einrichtungen kann nicht gezogen werden.
Aufgrund unserer Mitgliederstruktur (überwiegend Kinder und Jugendliche ohne eigenes Einkommen) ist es uns nicht möglich, Bauherr der Skateranlage zu sein. Selbst bei einer LEADER-Förderung müssten wir die gesamten Baukosten vorfinanzieren.

An dieser Stelle sei uns die Bemerkung erlaubt, dass die Stadt Rottweil bereits seit Jahrzehnten Träger von vier Skateplätzen mit erheblichem Sanierungsstau ist. Diese sollen durch einen neuen, sicheren und zeitgemäßen Skatepark ersetzt werden.

Was macht dann der Verein?

Unser Verein versteht sich als Förderverein und Folgendes können wir leisten:

  • Unterstützung bei der Planung der Anlage
  • einen finanziellen Beitrag durch Akquise von Sponsorengeldern
  • Mithilfe beim Bau, wo das möglich ist
  • Pflege der Skateanlage
  • Organisation von Veranstaltungen auf der Anlage oder in der Stadt
  • Und vor allem kümmern wir uns um viele Kinder und Jugendliche!

Was kostet eine Skateanlage und warum soll sie auf einmal so viel billiger sein?

Moderne Skateanlagen für einen großen Nutzerkreis haben eine vergleichbare Ausstattung.
Die Baukosten sind daher hauptsächlich von der Fläche abhängig. Eine gute Skateanlage in Vollbetonbauweise kostet ca. 350-400 €/m² (Brutto inkl. Planungskosten). Zum Vergleich finden Sie in der Anlage eine Auflistung abgerechneter Vorhaben und eine detaillierte Kostenberechnung. Am Anfang der Initiative hatte der Verein die Idee einer großen Skateanlage mit Alleinstellungsmerkmal und großer Strahlkraft für Rottweil.

Da auch damals schon das Gelände mit ca. 2000 m² in Aussicht gestellt wurde haben wir eine ca. 1200 m² große Anlage geplant. Daraus resultierend wurden Kosten in Höhe von ca. 450.000 € zur Diskussion gestellt. Eine ähnlich große Anlage mit Pumptrack wird aktuell in der Stadt Füssen als weiterer Tourismusmagnet geplant – „Pumptrack“, eine Art Wellenbahn mit überhöhten Kurven, die viele Nutzer von Skatern bis zu Fahrradfahrern nutzen können ).

Da wir zwischenzeitlich erkannt haben, dass eine große Anlage in Rottweil offensichtlich nicht finanzierbar ist, haben wir uns an den Skateanlagen vergleichbarer Gemeinden orientiert und uns mit Fachplanern beraten.

Für eine Skateanlage, die von 15-20 Nutzern gleichzeitig benutzbar sein soll, ist eine Größe von ca. 650 m² empfehlenswert. Dies entspricht der neuen, wunderschönen Anlage in Singen. Daraus resultieren die nun dargestellten Kosten in Höhe von 240.000 €.

Da wir auch in die Planung der Anlage in Deißlingen involviert sind, haben wir gelernt, dass als Minimalgröße eine Fläche von 165 m² angenommen werden kann. Diese Fläche entspricht einer Bahn von 33m x 5m.

Dies reicht für maximal 5 gleichzeitige Nutzer. Dabei muss aber festgestellt werden, dass es bei kleinen Anlagen nicht mehr möglich ist, auf die verschiedenen „Könnerstufen“ und „Disziplinen“ des Sports einzugehen. Darüber hinaus reduziert sich die Nutzergruppe. Mit größeren Anlagen kann auf die Bedürfnisse von Skatern, BMX-Fahrern und Scooterfahrern differenzierter eingegangen werden. Aus dieser Darstellung wird klar, dass die Festlegung eines Budgets und den daraus resultierenden Möglichkeiten mehr Sinn ergibt als die Frage nach den Baukosten.

Welcher Unterhaltsaufwand entsteht?

Bei Skateanlagen in Vollbetonbauweise entstehen über die normale Reinigung hinaus kaum Unterhaltskosten. Sinnvoll ist eine Hydrophobierung der Betonflächen die z.B. alle drei Jahre erneuert werden sollte.

Dies ist eine sehr einfache Arbeit, die selbstverständlich vom Verein übernommen wird.

Warum in Skate- und Streetsport investieren?

In den Sportarten Skaten, BMX, Scooter usw. finden sich viele Kinder und Jugendliche wieder, die im klassischen Vereinssport nicht angesprochen werden können. Es macht eben nicht jeder gerne Fussball, Leichtath- letik, Schwimmen usw.. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Klassischer Vereinssport für Kinder und Jugendliche ist fast ausschließlich wettbewerbsorientiert. Wer ist schneller, besser oder geschickter.

Wer nicht gut ist, wird nicht auf den Platz gestellt oder nominiert, zuweilen auch böse ausgegrenzt. Beim Street- sport macht jeder sein Ding wie er kann und wie es ihm Spaß macht. Wettbewerbe stehen nicht im Vordergrund. Man ist auch „Skater“ wenn man nur rumrollert. Es ist uns wichtig diesen Kindern und Jugendlichen eine Gemein- schaft und einen Platz zu geben. So kommen sie raus, weg vom Handy und bewegen sich. Wir hoffen mit diesem Brief möglichst alle offenen Fragen hinreichend geklärt zu haben um es Ihnen zu ermöglichen, bald verbindliche Entscheidungen zu treffen. Da unsere Vereinsmitglieder überwiegend Kinder und Jugendliche sind, deren Ver- ständnis für lange Prozesse noch nicht gereift ist, fällt es uns zunehmend schwer zu erklären warum es in unserem Anliegen keine Entscheidung gibt. Eine klare, zeitlich gebundene Positionierung für die Umsetzung des Projekts oder eben die klare Entscheidung dagegen wäre für alle Beteiligten wichtig und wünschenswert.
Mit freundlichen Grüßen

Rollbrett Rottweil e.V.
Robert Hak, Matthias Schmutz, Mike Dargel, Felix Wek, Harald Sailer, Barbara-Susann Verona, Julia Ehrenberger