Jetzt, im Frühling ist er eine beliebte Verbindung in die Stadt. Gerade auch jetzt, da die Stadtverwaltung Rottweil den Hang unterhalb der Stadtmauer, den der Weg entlang führt, gerodet hat. Das gibt den Blick auf die Stadtmauer frei. Doch darf der Weg derzeit nicht begangen werden: „Für Fußgänger gesperrt“, steht da, „wegen Steinschlaggefahr.“  Ist etwa die Stadtmauer brüchig?

Ideal für die kleine Runde mit dem Hund, der ja bekanntlich etwa im „Bockshof“ nicht frei laufen darf, verbindet der Weg – echte Rottweiler kennen ihn als den „Bonifatiusweg“ – den Stadtgraben mit dem Viadukt. So kann man von der Innenstadt ins Grün und wieder zurück auf einem kleinen Rundweg entlang gehen. Zugleich führt er Spaziergänger, Radfahrer und Wanderer vom Langen Berg aus in die Innenstadt hinauf.

Auch Touristen finden den Weg. Es existieren bereits Planungen, ihn, wie auch die gesamte Au zu einem kleinen Naherholungsgebiet unterhalb Rottweils zu wandeln, wenn die Stadt mal über genügend Geld verfügt. Gerade jetzt lohnt es sich eigentlich, den Bonifatiusweg entlang zu gehen, weil die Stadt den Hang im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen für den ThyssenKrupp-Testturms freigelegt hat, man so den historischen Stadtkern aus Sicht eines mutigen Angreifers zu Reichsstadtzeiten erleben kann. Guntram Vater vom Bürgerforum Perspektiven Rottweil nannte den Weg, der auch als Kreuzweg angelegt ist, jüngst einen „historischen Stadtmauerpfad“, den es zu beleben gelte.

Kein Durchkommen: Unterhalb des Viadukts hat die Stadt den Weg mit zwei Gittern abgesperrt, nachdem Spaziergänger zunächst ein Gitter immer wieder zur Seite geschoben haben.
Warnung: Der gesperrte Teil des Bonifatiusweges vom Stadtgraben aus. Fotos: gg

Doch ist der Weg seit einigen Wochen gesperrt. Zunächst eher provisorisch, jetzt recht ernsthaft. Weil zwischenzeitlich einige Spaziergänger die Warnschilder ignoriert und die Gitter umgangen oder gleich beseitigt haben, hat der Bauhof jetzt richtig abgesperrt. Wegen Steinschlaggefahr.

Entlang der roten Linie verläuft der derzeit gesperrte Weg. Foto: gg

Bröckelt etwa die Stadtmauer? Nein, da kann der städtische Pressesprecher, Tobias Hermann beruhigen. „Bei der Mauer handelt es sich nicht um die Stadtmauer, sondern um eine private Stützmauer.“ Es bestehe Steinschlaggefahr, weshalb der Weg aus Sicherheitsgründen habe gesperrt werden müssen, bis die Gefahr beseitigt sei. In  der erwähnten Mauer klafft ein Loch, einige Steine sind bereits herausgebrochen.

Die Eigentümer des Gebäudes oberhalb der Mauer sind laut Stadtverwaltung in der Pflicht. „Wir haben bereits Kontakt aufgenommen“, berichtet Hermann. „Die Eigentümer haben uns zugesichert, sich der Sache anzunehmen. Ein Planungsbüro wurde nach unseren Kenntnisstand bereits zur Lösung des Problems hinzugezogen.“

„In der Tat haben wir bereits mit zwei Anbietern vor Ort Gespräche geführt und einen Kostenvoranschlag erhalten“, bestätigt der betroffene Eigentümer auf Nachfrage der NRWZ. Er warte jetzt noch auf den zweiten Kostenvoranschlag. Und sagt mit Nachdruck: „Wir sind dran , aber ich kann zur Dauer der Behinderung leider keine konkreten Angaben machen.“ Es tue ihm „auch sehr leid, dass der kleine Weg gesperrt werden musste.“

Der Bonifatiusweg am 1. Mai 2007. Foto: Rottweiler Bilder / rottweil.net