ROTTWEIL – Richtfest auf dem Schulhof der KWS – und statt eines Zimmermanns steht Abdullah, ein syrischer Junge aus der Vorbereitungsklasse mit einem Glas Saft in der Hand auf dem Dach des fertigen Rohbaus neben dem farbig geschmückten Richtbaum und trägt den Richtspruch vor.

„ Und wir werden später vollenden den Bau mit jetzt geübten Händen…“ sprach es und warf das Glas vor die versammelte Schülerschaft. Vor den Füßen des stolzen Schulleiters Willy Schmidt zersprang es erwartungsgemäß, so soll es den Schülern der KWS Glück bringen in Gestalt eines schmucken Bäcker- und Gerätehäuschens.

Seit Oktober 2016 läuft ein neues Projekt zur beruflichen Orientierung an der Rottweiler Schule, finanziert aus dem Europäischen Sozialfond (ESF), der Regionaldirektion Baden-Württemberg und der Agentur für Arbeit.

Wie sieht die Arbeit eines Zimmermanns aus? Wie baut man eigentlich ein Haus? Auf was muss ich bei körperlicher Arbeit achten? Diesen Fragen begegnen die Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Ländern kommen, einer KooBo-Gruppe an der Konrad-Witz-Schule in Rottweil. Wöchentlich trifft sich Elmar Schiller, die betreuende Lehrkraft der Schule mit den Schülern, um ihnen mit der praktischen Arbeit das deutsche Ausbildungssystem praktisch erlebbar zu machen. Mit dem Bildungsträger BBQ gGmbH wird das Projekt durch Christine Diehl unterstützt.

Im Projekt Kooperative Berufsorientierung arbeiten Schulen mit Firmen aus der Industrie und dem Handwerk, um Schülern im eigenen Erleben Berufsbilder zu vermitteln und eigene Projekte entstehen zu lassen.

Ziel ist es, die Schüler bewusst über ihr eigenes Handeln werden zu lassen, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen um dadurch aktiver in ihrer individuellen und beruflichen Lebensgestaltung sein zu lassen. Der Fokus des Projekts liegt auf der Nachhaltigkeit der jeweiligen Projekte.

Besonders in diesem Projekt ist, dass der Bau einer Holzhütte für den Pausenverkauf durch und mit jungen Flüchtlingen durchgeführt wird. Gleichzeitig sollen die Schüler dabei ihre Stärken und Ideen mit einfließen lassen, um damit noch aktiver am Schulleben teilzunehmen.

In der Kooperativen Berufsorientierung erarbeiten Schülergruppen mit bis zu 15 Teilnehmern eigene Ideen, überprüfen diese auf Realisierbarkeit und nehmen in Unterstützung der Lehrkräfte und der Kollegen der BBQ gGmbH Kontakt zu Betrieben auf.

Das neue Projekt Kooperative Berufsorientierung startete im Herbst 2016 an neun Schulen im Schulamtsbezirk Donaueschingen. Umgesetzt wird das Projekt von der BBQ berufliche Bildung gGmbH. Großen Wert wird auf die praktische Erkundung von Berufsfeldern gelegt. In Zusammenarbeit mit Betrieben und Berufsschulen ist es möglich, den Teilnehmenden die Chance zu bieten, mehrere Berufsfelder praktisch zu erkunden.

An der Konrad-Witz-Schule in Rottweil trifft sich eine Gruppe von jungen Flüchtlingen und Zuwanderern aus der Vorbereitungsklasse (VKL) mit Technik-Lehrer Elmar Schiller wöchentlich, um das Berufsbild des Zimmermanns kennen zu lernen. Eine besondere Herausforderung bedeutet der Unterricht, da nicht alle Schüler bereits die deutsche Sprache verstehen. Der erfahrene Pädagoge und Handwerker Schiller arbeitet mit vielen kreativen Ansätzen, so dass alle verstehen, um was es jeweils geht.

Im Februar besuchten die Schüler die Physiotherapiepraxis Krebs in Spaichingen, um durch bewusstes Bewegen beim Arbeiten ein weiteres Berufsfeld kennen zu lernen.
Im Mai steht ein Besuch an der Gewerbeschule in Donaueschingen an. An einem Aktionstag führen Azubis aus dem ersten Lehrjahr einen Workshop mit Schülern durch, um einen aktiven Einblick in die Ausbildung geben zu können.

Mehr Infos zur Initiative Kooperative Berufsorientierung gibt es bei Christine Diehl – 0741/9423662 Mail: diehl.christine@biwe-bbq.de oder bei der Schulleitung der KWS Willy Schmidt– 07721/821600.