ROTTWEIL – Wow. Punkt. Ausrufezeichen! Wenn das mal nicht DAS Konzert… nein, stop, das Festival läuft ja noch ein Weilchen. Trotzdem: Jazzfest-Vorsitzender Simon Busch kündigt ihn forsch an als „einen der größten Drummer des Planeten“, und genauso klingen die nächsten 100 Minuten in der gut besetzten Stallhalle dann auch. Manu Katché, der franko-ivorische Percussionzauberer tritt mit seinem Jazzquintett an, und das ist Musik der allerobersten Liga.

Ist das nun ein Rocker, der jazzt, ein Jazzer, der rockt, ein filigraner Pop- oder Weltmusiker? Manu Katché ist nicht nur international gefragter Komponist, Sänger, Texter und natürlich Percussionist, er ist vor allem eins – ein Mann mit unverwechselbarem Stil. „Stilvoll“ ist überhaupt das Wort dieses Abends. Fünf Musiker auf der Bühne, obwohl in der Besetzung noch gar nicht allzu lange zusammen, harmonieren hier aufs Trefflichste, bringen gekonnt ihre Instrumente ein – trotz vieler Soli steht nie ein Einzelner übermächtig im Vordergrund, prägt immer das Gesamtbild den feinziselierten, sauberen Klang.

Jim Watson holt aus Wurlitzer, Orgel und Piano den jeweils passenden Sound, mal als Teppich, mal in behenden Läufen. Jerome Regard legt ein wuchtiges und trotzdem überaus präzises Bassfundament. Alexandre Tassel am wundervollen Flügelhorn und Stephane Chausse an Saxophon und Blassynthesizer (ja, das gibt es auch) umkränzen die virtuosen Lautmalereien, an denen Manu Katché selbst höchst unverkennbar seinen Anteil hat.

Atmosphärisch dicht präsentieren die fünf etliche Songs vom jüngsten Album Unstatic, charmant eingerahmt von den Ansagen des knapp 60-jährigen Katchés, und erst nach zwei Zugabenblöcken und stehenden Ovationen darf sich das Quintett schweißgetränkt in den Backstagebereich zurückziehen. Was ein Konzert. Wir hätten glatt doppelt so viel vertragen…