70 Jahre Grundgesetz: Verwaltungs-Azubis setzen Artikel ins Bild

ROTTWEIL – Das Grundgesetz feiert 70. Geburtstag, und das nahmen die Verwaltungs-Azubis der Nell-Breuning-Schule zum Anlass, sich einmal näher damit zu befassen. Sie nahmen die ersten 19 Artikel und setzten sie in beeindruckende Bilder mit Lokalbezug um, und die sind nun im Foyer des Landratsamts zu sehen. Die Ausstellung wurde am Mittwoch feierlich eröffnet, mit dabei auch die beiden Abgeordneten Stefan Teufel (CDU) und Daniel Karrais (FDP). Und DSDS-Teilnehmer Jonas Weisser, der „Imagine“ von John Lennon eindrucksvoll interpretierte – trotz Schwierigkeiten mit der Technik.

„Die Grundrechte sind bewusst gesetzt als Abwehrrechte der Bürger zum Staat“, erläuterte Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel. Deshalb könnten Kommunen oder Landkreise sie auch nicht einklagen, da sie selbst ja Teil des Staates seien. „Ich bin dankbar, dass uns hier wieder diese originäre Teilhaberechte der Bürger bewusst gemacht werden.“ Michel machte aber auch deutlich, was heutzutage iimmer häufiger zum Problem wird: Wer seine Grundrechte exzessiv ausübt, kommt in Konflikt mit denen seiner Mitmenschen. Krach machen im Eigentum störe eben das Grundrecht des Nachbarn auf gesunden Schlaf. Wer sich auf seine Grundrechte besinne, müsse immer im Auge behalten, wie das auf andere wirke, frei interpretiert nach Kant: „Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“, so der Landrat.

Stefan Teufel hatte einen riesigen Hefezopf mitgebracht, und das kam so: Die Azubis hatten den Landtag in Stuttgart besucht und waren anschließend zu Kaffee und Kuchen bei Teufel eingeladen. Konnten aber nicht, weil sie auf den Zug mussten. Also wurde die Einladung nun in Rottweil nachgeholt. Stefan Teufel gedachte des jetzt verstorbenen Franz Sauter, dem das Grundgesetz ein so wichtiges Anliegen in der jungen Bundesrepublik gewesen sei. „Ihr habt dem Grundgesetz neues Leben eingehaucht“, wandte er sich an die Azubis.

„Ohne Tugend und Weisheit kann keine Verfassung sein“, zitierte Daniel Karrais den Revolutionär Georg Forster, der das vor fast 300 Jahren sagte. „Eine Verfassung ist keine Selbstverständlichkeit“, das sehe man, wenn man nach beispielsweise Ungarn schaue, wo die Pressefreiheit eingeschränkt wurde und die Judikative politisch beeinflusst wird. „Wir müssen auch bei uns im Land dafür sorgen, dass solche Kräfte nicht Oberhand gewinnen!“ Da hätten auch die sozialen Medien starken Einfluss, wo man immer häufiger, auch bei gewissen Regierungschefs jenseits des Atlantik, höre: „Ich hab recht, Du nicht!“ Grundrechte seien keine Selbstverständlichkeit, so Karrais.

Die Ausstellung ist noch bis 19. Juli zu sehen, sie zeigt Szenen, in denen die Schüler Themen wie Pressefreiheit, Demonstrationsrecht oder auch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit eindrucksvoll darstellen, und das mit starkem lokalem Bezug. So sitzen die Azubis zum Thema Teilhabe in der Wärmestube. An die ging auch der Erlös der Vernissage, knapp über 1000 Euro.

 

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